Es ist schon eine Schau, diesen Boliden aus der Nähe zu betrachten, dabei ist er eigentlich kein Showcar, nichts an ihm ist reine Show, wie McLaren betont. Alles hat eine Funktion, überall sind Luftkanäle, Luftführungen und Hightech. Etwa die beiden Löcher auf der Front, also vor dem 120 Liter fassenden Kofferraum: Darunter ist der Motorkühler verborgen, und die beiden Öffnungen leiten die erhitzte Luft so nach außen, dass der Lufteinlasse auf dem Dach kühle Luft bekommt.
Antrieb, Abtrieb, Vortrieb
Der Heckflügel bringt im Rennmodus sage und schreibe 600 Kilo Abtrieb bei gut 250 km/h. Das liegt auf dem Niveau von GT3-Rennwagen, jedoch mit noch höherer Bodenhaftung, sagt der Hersteller. Mit den eigens auf das Fahrzeug abgestimmten Pirelli-Reifen ist der McLaren P1 in der Lage, eine Querbeschleunigung von 2 g aufzubauen. Doch auch die Längsbeschleunigung ist beachtlich: In weniger als drei Sekunden von 0 auf 100 km/h, 0 bis 200 in unter sieben, 0 bis 300 in unter 17 Sekunden. Bei 350 wird abgeregelt.
Innenraum puristisch elegant
Mit diesen Werten im Kopf steige ich ein, wobei "einturnen" besser passen würde, und bin sofort von der kühlen Karbon-Schönheit des Innenraums beeindruckt. Alles wirkt noch etwas schlanker, straffer als im 12C, die Bedienung entspricht dem kleinen Bruder. Nur die Heizungsbedienung ist von den Türen in die Mittelkonsole gewandert. Drehschalter regulieren das Setup, es gibt unterschiedliche Modi für Fahrwerk und Antrieb. Im Race-Modus etwa, den der 12C nicht hat, wird der P1 fünf Zentimeter tiefergelegt. Zudem wird die Federrate um 300 Prozent erhöht.
Am Lenkrad befinden sich zwei Knöpfe, die man aus der Formel 1 kennt: links ein blauer für das DRS, womit der Heckflügel quasi auf Durchzug geschaltet wird, rechts ein weiterer mit der Aufschrift IPAS, der die volle Elektropower abruft. Instant Power Assist System heißt das ausgeschrieben, eine Weiterentwicklung des KERS. So fallen maximal 900 Nm über die Hinterachse her.
In der Mittelkonsole befinden sich zwei 3-Zoll-TFT-Displays, direkt vor dem Fahrer ein 6,8 Zoll großes, das je nach Fahrmodus unterschiedliches anzeigt bzw. in den Vordergrund rückt.
Ich sitze gut in dem teuren Engländer, allerdings ist es hier flacher als im 12C, daher geht es neben meinem Kopf herum eher eng zu. Mit Helm möchte ich da nicht sitzen, und ohne müsste ich wohl aufpassen, dass ich mich im Eifer des Gefechts nicht an der Karbonstrebe hinter mir anhaue. Aber McLaren hat dafür eine Lösung: Die Rückenlehnen sind im 28-Grad-Winkel fixiert, können aber auf bis zu 32 Grad verstellt werden, um für den Rennsport mehr Kopffreiheit für den Helm zu bieten.
Was mir nicht auffällt: Fahrer und Beifahrer sitzen 16 mm weiter im Fahrzeug als beim 12C. Um dies zu erreichen, sitzen Fahrer und Beifahrer in einem Winkel von einem Grad zur Mittellinie. Somit wird das Gewicht von Fahrer und Beifahrer näher an die Mittellinie des Fahrzeugs verlagert, was das Fahrzeug besser steuerbar und agiler macht. Weil sich das Glas-Cockpit näher an der Mittellinie befindet, gewinnt es an Aerodynamik.
Sogar am Harz wurde gespart
Der Karbonteil des Daches bildet mit dem Karbon-Monocoque samt Ansaugrohr eine Einheit. Das ganze wird MonoCage genannt und in Österreich hergestellt. Nicht zuletzt wegen dieses Materials bringt der P1 leer nur knapp 1,5 Tonnen auf die Waage. Davon gehen 170 kg auf das Konto der Elektroeinheit inklusive Akkus (90 kg). Insgesamt wiegt er nur 20 kg mehr als der McLaren 12C Spider. Bis ins letzte Detail wurde am Gewicht optimiert, etwa durch den Verzicht auf Schalldämpfung im Inneren. Bei Bedarf wird ein Teppichboden mit spezieller, leichter Beschichtung angeboten. Oder durch das Entfernen der obersten Schicht des Harzes erreicht, was weitere 1,5 kg einspart. Auf Luxus wird aber nicht verzichtet: Klimaautomatik, Navigationssystem und ein maßgeschneidertes Meridian- Soundsystem, welches von Anfang an mit entwickelt wurde, sind an Bord.
Alles ist bedingungslos auf Performance auf der Rennstrecke ausgelegt - und dennoch schafft der P1 etwa 20 Kilometer rein elektrische Fahrt. Auch der Normverbrauch ist für so ein Renngerät echt anständig: McLaren kommuniziert 200 g/km CO2-Ausstoß, das sind umgerechnet rund 8,6 l/100 km.
Der McLaren P1 wird auf 375 Stück limitiert, alles Linkslenker. Der Preis in Österreich: rund 1,3 Millionen Euro.
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