Der Bitcoin ist virtuell, aber er kann im Internet gegen Euro oder Dollar getauscht werden. Nutzer können Bitcoins im Netz auf entsprechenden Plattformen wie beispielsweise "Mt.Gox" mit "echtem" Geld erstehen und auch gegen solches wieder verkaufen, oder sie gleich selbst am Computer herstellen. Seit 2009 ist die Währung im Umlauf und die Verbreitung als Zahlungsmittel nimmt zu.
Selbst im Alltag ist das digitale Geld angekommen, in Trendläden Berlins oder New Yorks passiert es immer häufiger, dass Kunden das Smartphone zücken, um mit Bitcoins zu bezahlen. Als Urheber der Währung gilt der Legende nach jemand namens Satoshi Nakamoto - eine Art Phantom, wer sich genau dahinter verbirgt, ist ein Mysterium.
Transaktionen nicht zurückzuverfolgen
Lange stand der Bitcoin im Ruf, vor allem für illegale Zwecke verwendet zu werden. Geheimdiensten und Zentralbanken ist das Hackergeld ein Dorn im Auge, da Transaktionen damit nicht zurückzuverfolgen sind. Experten warnen zudem vor Sicherheitslücken. Tatsächlich werden immer wieder Online-Börsen gehackt, erst in der vergangenen Woche sollen Bitcoins im Wert von mehr als 12.000 Dollar von dem Portal "Bitinstant" gestohlen worden sein. Doch allen Unkenrufen zum Trotz ist das virtuelle Alternativgeld auf dem Vormarsch.
Auch die Finanzwelt hat bereits reagiert: Der erste Hedgefonds, der von der Devise profitieren will, ist jüngst an den Start gegangen. Der "Bitcoin Fund" des Anbieters Exante ist in Malta registriert. Wer 100.000 US-Dollar und ein Eintrittsgeld von zusätzlichen 0,5 Prozent auf den Tisch legt, kann einsteigen. Dem US-Finanzmagazin "Forbes" zufolge hat der Fonds bereits 3,2 Millionen Dollar an Kundengeldern eingesammelt. Auch der Frankfurter Finanzdienstleister Phylax spekulierte bereits im vergangenen Jahr mit Bitcoins.
Sehr schwankungsanfällig
Aber wer sich in den Studierstuben der großen deutschen Banken zum Thema Bitcoin umhört, trifft auf ratlose Experten. "Das ist bei uns bislang kein Thema", heißt es fast einhellig. Ob hier ein Hype verschlafen oder zu Recht vernachlässigt wird, bleibt abzuwarten. Denn die bisherige Bitcoin-Historie zeigt, dass der Kurs sehr schwankungsanfällig ist. Im letzten Jahr fiel er zeitweise bis auf vier Dollar. Der Markt ist übersichtlich und entsprechend wenig liquide. Eine zentrale Kontrollinstanz gibt es nicht.
Geld zum Selbermachen
Dass der Bitcoin dennoch Anhänger gewinnt, liegt auch an seiner Grundkonstruktion. Die Währungseinheiten können Nutzer selbst am Computer erstellen, indem mit hoher Rechnerleistung hochkomplexe mathematische Formeln gelöst werden. Im Zehnminuten-Takt entstehen etwa 25 neue Bitcoins. Doch die Geldmenge wird mit der Zeit automatisch begrenzt: Damit sie nicht ausufert, müssen immer schwierigere Verschlüsselungen enträtselt werden. Die Anzahl der erzeugten Bitcoins soll dadurch alle vier Jahre halbiert werden. Maximal kann es nur etwa 21 Millionen Bitcoins geben. Entstanden sind bisher rund die Hälfte.
Durch die strategische Deckelung der Geldmenge halten viele Bitcoin-Fans Wertzuwächse bei steigender Verbreitung als Zahlungsmittel quasi für vorprogrammiert. Durch steigende Kurse wird wiederum das im Fachjargon "Mining" genannte Herstellungsverfahren attraktiv, da der Marktwert die Produktionskosten deutlich übersteigt. Wie jede andere Währung steht und fällt der Bitcoin allerdings mit dem Vertrauen in ihn. Hinter den etablierten Papiergeldwährungen stehen Regierungen und Notenbanken. Hinter dem Bitcoin steht das Ideal freien Geldes. Ob das der entscheidende Vor-oder Nachteil ist, muss sich erst noch zeigen.
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