Cybermacht China

Experte warnt: “Der Westen ist höchst verwundbar”

Web
12.03.2013 08:18
Cyberkriminelle aus China haben zuletzt vermehrt Ziele in den USA und Europa ins Visier genommen, dennoch reagieren die Staaten bisher eher verhalten auf die Gefahr aus dem Internet, kritisiert der IT-Sicherheitsexperte Sandro Gayken von der Freien Universität Berlin. IT-Angriffe würden im Westen noch immer unterschätzt - China sei hingegen offensiv und defensiv im Cyberkrieg am besten aufgestellt. "China hat die Achillesferse vieler Rüstungsprojekte gut erkannt, nämlich dass alles auf sehr einfachen und ungesicherten Computern basiert."

Nach Einschätzung des Informatikers baut China schon seit den 1980er-Jahren als strategischen Ausgleich zur militärischen Übermacht der USA eine Cyberkampftruppe auf. Dieses Kalkül gehe nun auf. "Die Amerikaner tun zwar so als wären sie die Nummer eins in dem Bereich, aber richtig überzeugt ist davon niemand", sagte Gayken.

Neben Regierungen sind auch Unternehmen und Firmen immer öfter ein beliebtes Ziel von Hackerangriffen. Man könne in den meisten Fällen von ökonomischer Kriegsführung sprechen. "Der Schaden kann in die Billiarden gehen", warnt Gayken.

Doch welches Ziel verfolgt China mit den geostrategischen Hackerangriffen? Für Gayken ist der Fall klar: "Es scheint, als ob China mit Cyberspionage das Land wirtschaftlich aufbauen möchte." Welche anderen Überlegungen eine Rolle spielen, sei weniger klar. "Die Spionage ist auf jeden Fall sehr umfassend", so der Berliner Forscher.

"Der Westen ist höchst verwundbar"
Das scheinbar zögerliche Vorgehen mancher Staaten bei der Modernisierung ihres Militärs zahle sich nun aus, glaubt Gayken: "Jedes Land hat die gleichen Fehler gemacht. China und Russland haben sich strategisch etwas klüger aufgestellt, indem sie einige kritische Sachen nie ins Internet gestellt haben und nur staatseigene IT-Produkte benutzten. Sie konzentrieren sich auf konventionelle Truppenbestände, die auch gar nicht IT-basiert sind und bei einem Hackerangriff immer operabel bleiben. Der Westen ist gar nicht vorbereitet und höchst verwundbar."

Im Gegensatz zu konventioneller Sabotage oder militärischen Schlägen bieten Hackerattacken für Staaten einen klaren Vorteil: Der Ursprung eines Cyberangriffs ist oft schwer festzustellen und lässt sich auch bei Rückverfolgung leichter abstreiten. Dadurch ermögliche er neue Dominanz-Strategien.

"Wenn man einen wirtschaftlich wichtigen Raum über einen längeren Zeitraum wirtschaftlich schwächt, um diesen dann auch strategisch zu dominieren, kann man diese Anonymität ganz gut brauchen", erläutert Gayken. Die Zukunft der Kriegsführung sieht der Forscher zwar nicht allein im Hackerkrieg, dennoch werde er sicher "eine begleitende Komponente" sein.

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