Mo, 25. Juni 2018

Was Frauen wollen

16.09.2005 07:10

Die speziellen Wünsche der Damen auf der IAA

Schminkspiegel und Einparkhilfe reichen nicht. Autobauer müssen ihren Blick von der großen Technik zu kleinen Details wenden, um den Wünschen der stetig wachsenden weiblichen Käufergruppe zu entsprechen. Damit können sie dann sogar männliche Käufer erfreuen.

"Frauen haben viel größere Ansprüche an Autos als Männer", sagt die Wirtschaftsprofessorin und Auto-Expertin Doris Kortus-Schultes. Die Wunschliste beim Autokauf sei länger, die Damen erwarteten perfekte Lösungen bis ins kleinste Detail.

Frauen ernst nehmen!
"Jeder, der Frauen als Käufer nicht ernst nimmt, macht heute einen großen Fehler", sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Inzwischen habe die Autoindustrie diese viel versprechende Zielgruppe erkannt: Nach Experten-Schätzung steigt der Anteil der weiblichen Auto-Halter in den kommenden 20 Jahren in Deutschland von momentanen 30 auf 50 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden etwa in Deutschland rund 30 Prozent der Neuwagen auf Frauen zugelassen, auch dieser Anteil wächst.

Beim Kauf entscheidet nach Einschätzung Dudenhöffers ebenfalls vermehrt der weibliche Blick, die Autokäufer verteilten sich auf 40 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer - bei weiteren 20 Prozent beraten sich beide Geschlechter gegenseitig. "Die Zeiten sind vorbei, in denen die Frau die Farbe aussucht und der Mann das Auto kauft", sagt Dudenhöffer.

Was Frauen wollen
Was Frauen wollen, ist mehr als eine Lackierung in pink - und den Männerwünschen sogar ähnlich. "Frauen kaufen auf keinen Fall ein spezielles Frauen-Auto", berichtet Kortus-Schultes vom Kompetenzzentrum Frau und Auto. Schickes Design, eine praktische Ausstattung und eine gute Technik überzeugten die Damen. Wichtig sei ein sparsamer Benzinverbrauch, die Sicherheit und ein günstiger Preis. Der kleine Unterschied zeige sich dann im Detail: Während Männer auf möglichst breite Reifen und den größten Motor setzen, interessieren sich Frauen für genügend Ablageflächen und ein proportional stimmiges Aussehen.

Studie eigens für Frauen
Volvo räumte den Frauenwünschen 2004 eine eigene Studie ein. Ein rein weibliches Team entwickelte das Modell "YCC" (Your Concept Car): Ein elegantes Coupé mit Flügeltüren, 215 PS und unzähligen praktischen Details - das aber nie in Serie gehen wird. "Frauen wollen ihr Auto unter Kontrolle haben, sich im Umgang mit ihm nicht dumm fühlen - es soll schlicht ihr Leben einfacher machen", sagt die Projekt-Leiterin des "YCC", Camilla Palmertz. Das Frauen- Auto ist hoch und erlaubt den Blick auf alle vier Ecken, parkt selbstständig ein und ist anti-haft-lackiert. Bei der Vorstellung des Wagens seien die meisten Betrachter überrascht gewesen, dass auch Männer das Auto gut finden können. Einige Ideen prüfe Volvo nun für die Serienproduktion.

Auf der IAA versuchen die Hersteller unter anderem mit Modellen mit unterteilten Kofferräumen, elektrischen Schiebetüren und unkonventionellem Design weiblichen Ansprüchen zu genügen. Die neuen Klapp-Stahldächer wie bei Opel und Peugot entsprechen aus Experten- Sicht der weiblichen Vorliebe für Cabrios. "Wir nehmen auf die Bedürfnisse von Frauen Rücksicht, ein eigenes Frauen-Auto würde nicht gekauft", sagt ein VW-Sprecher. Beispielsweise seien die Ladeklappen niedriger geworden, damit man Gepäck nicht über Kanten heben müsse. Bei Volvo hat es ein Vorschlag einer rein weiblichen Fokus-Gruppe unter die Motorhaube aller Modelle geschafft: Der Deckel des Scheibenwisch-Wassers erstrahlt in knallblau, der Ölstab zeigt sich in signalrot, das Kühlwasser macht in Grün auf sich aufmerksam.

Das könnte Sie auch interessieren

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.