Im weltweiten Ranking der Autoverkäufe rangiert der Fiesta auf Rang vier, wie Ford-Austria-Generaldirektor Steffen Knapp bei der Präsentation im verschneiten Gaaden stolz verkündet. Insgesamt wurden seit dem Debüt 1976 15 Millionen Stück ausgeliefert. Nun hat die siebte Generation ein Facelift erhalten, zu dem ein riesiger Kühlerschlund und ein Powerdome zählen, das aber auch unter die Oberfläche dringt. Fünf neue Motoren erhält der Kleinwagen, dazu einige neue Sicherheitsfeatures.
Dreizylinder ohne Nerv-Sound
Zum Testen standen drei interessante Motorisierungen zur Verfügung, wovon der Sparmeister ganz klar der 1,5-Liter-Diesel mit 75 PS war. Ford verspricht einen Normverbrauch von 3,7 l/100 km, und das Triebwerk ist mit 185 Nm nicht mal ein Langweiler.
Mehr zur Sache geht es naturgemäß beim vorläufigen Topmodell 1.0-Liter-Ecoboost, einem Dreizylinder-Turbo-Benziner mit 125 PS und 170 Nm (mit Overboost kurzzeitig 200 Nm). Der fällt vor allem durch seine Unauffälligkeit auf: Wo Dreizylinder gerne mal durch rüden Sound nerven, dringt der Dreitopf hier eher geschmeidig an die Ohren und fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild mit dem Fiesta. Dazu ist er auch einer von der spritzigen Sorte. In 9,4 Sekunden treibt er den gut eine Tonne schweren Kleinwagen aus dem Stand auf Tempo 100, wenn man das formidabel zu schaltende Fünfganggetriebe schnell genug bedient, und verpasst nur knapp die 200-km/h-Marke. Der Normverbrauch von 4,3 l/100 km ist im Spaßbetrieb natürlich nicht das Papier wert, auf dem er steht. Wer sparen will, muss sich wirklich zusammenreißen. Auf einer völlig ungeeichten Testrunde bin ich mit normaler Fahrweise auf 6,9 Liter, mit sparsamer Fahrweise auf 6,3 Liter gekommen. Nur zwischendurch, bei Ortsdurchfahrten am Anfang der Runde (40 km/h in Mödling), zeigte der Bordcomputer eine 4 vor dem Komma. Der auch nicht fade 100-PS-Dreizylinder fühlt sich in Sachen Geschmeidigkeit genauso an, ist aber merklich schwächer.
Kurz gesagt: Man kann mit den EcoBoosts sparen, muss das aber auch aus ganzem Herzen wollen. Unverständlich ist allerdings, warum kein Sechsganggetriebe zum Einsatz kommt. Beim Diesel ist es ja noch okay, aber das Getriebe ist so lang übersetzt, dass man im Dreizylinder bei 50 km/h schon den dritten Gang bemühen muss, erst bei 60 fühlt man sich im vierten wohl. Da wäre im Realbetrieb noch Sparpotential drin.
Hochwertiger Gesamteindruck
Der Ford Fiesta ist eines der Beispiele dafür, wie hochwertig und erwachsen Kleinwagen heute sein können. Im Innenraum geht es ruhig zu, auch Windgeräusche bleiben draußen, und auch das Ambiente lädt durchaus zum Wohlfühlen ein. Klavierlack kann man mögen oder nicht, er sorgte in den Testwagen jedenfalls für einen edlen Touch. Ein Fan bin ich vor allem von den hellblauen Zeigern an den Instrumenten (die hat man eingeführt, weil sie vor allem in Indien sehr beliebt sind und Ford Weltautos baut, wo jeder Landsmann etwas für sich finden soll). Was es bisher nur im Zubehörhandel gab, ist jetzt ab Werk erhältlich: eine Mittelkonsole. Und das wertet den Innenraum gleich eine Klasse auf.
Platz ist vorne reichlich, hinten für Großgewachsene reichlich wenig. Es fehlt an Bein- und Kopffreiheit und die Kopfstützen drücken in den Rücken.
Hightech in der Kleinwagenklasse
Gegen Aufpreis ist für den Fiesta jetzt auch der aus dem Focus bekannte "Active City Stop" erhältlich. Dieser Notbremsassistent steigt bis 30 km/h im Fall des Falles selbsttätig in die Eisen und kann Auffahrunfälle abmildern, bis 15 km/h oft sogar vermeiden. ESP und sieben Airbags gehören zur Standardausstattung. Wer das Multimediasystem Sync ordert, erhält einen Notrufassistenten kostenlos dazu. Über das Mobiltelefon des Fahrers setzt das System im Falle eines Unfalls einen Notruf ab.
Völlig neu ist das MyKey-Schlüsselsystem, mit dem z.B. Eltern ihren Führerscheinfrischlings-Nachwuchs an die Leine nehmen können: Damit lässt sich ein Zündschlüssel so programmieren, dass etwa die Höchstgeschwindigkeit begrenzt wird oder zumindest bei einem gewissen Tempo eine Warnung ertönt. Außerdem lässt sich die Lautstärke des Soundsystems begrenzen, der Gurtwarner intensivieren und die Sicherheitssysteme in den Dauerbetrieb nehmen. Eltern sollten ihren Administrator-Schlüssel dann allerdings besonders kindersicher aufbewahren – wenn das Vertrauen schon so gering ist.
Erstaunlich ist der Einstiegspreis für den Ford Fiesta: Bis März ist der 60-PS-Benziner in Basisausstattung Ambiente ab 9.990 Euro zu haben, weil in diesem Zeitraum für jeden Fiesta ein Rabatt von 1.000 Euro gilt. Eine Klimaanlage ist allerdings erst ab der Ausstattung Titanium (die dritte von unten) Serie, für die es den Einstiegsmotor nicht gibt. Wer den 125-PS-Dreizylinder will, landet mindestens in Titanium und bei einem Listenpreis von 19.100 Euro für den Fünftürer.
Wer es richtig krachen lassen will: Im März kommt der Ford Fiesta ST auf den Markt: Der leistet dann 182 PS, ist 15 mm tiefer gelegt und wird mit seinem komplett abschaltbaren ESP voraussichtlich eine Menge Spaß machen. Bestellen kann man ihn jetzt schon…
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
… Opel Corsa, VW Polo, Hyundai i20 und was das B-Segment noch so hergibt.
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