Online-Pranger

Chicago stellt Fotos von Freiern ins Internet

Web
19.07.2005 09:18
Die mittelalterliche Einrichtung des Prangers erlebt in den USA ein Comeback. Die moderne Technik hilft mit. In Chicago stellt die Polizei neuerdings Fotos von Männern auf ihre frei zugängliche Website, die beim Umgang mit Prostituierten erwischt worden sein sollen. Gleich mitgeliefert werden Name, Alter und Adresse.

Die Neugier des Publikums auf die bisher etwa 200 Fotos ist enorm. In den ersten vier Wochen wurde die Seite rund 400.000 Mal angeklickt. Die Behörden der Millionenstadt sprechen von einer "Abschreckungsstrategie": Die Freier sollten vor ihren Frauen, Familien und Nachbarn bloßgestellt werden.

Bürgermeister Richard Daley sagte bei der Vorstellung der Aktion, es gehe vor allem darum, die Prostituierten aus ihrer Lage zu befreien: "Sie haben ein schreckliches Leben. Eine verantwortliche Gesellschaft muss ihnen helfen, ihr Leben zu ändern, und junge Frauen davon abhalten, in die Prostitution zu geraten." Dies soll erreicht werden, indem vor allem die Nachfrage gesenkt wird.

Das Foto jedes einzelnen mutmaßlichen Freiers wird 30 Tage lang zur Schau gestellt. An der Unschuldsvermutung stört sich die Polizei von Chicago dabei nicht. Die Bilder werden gezeigt, auch wenn die Schuld des Mannes noch gar nicht feststeht. Die Akten über Festnahmen seien schließlich öffentliche Dokumente, argumentieren die Behörden. Sollte sich die Unschuld eines Verdächtigen herausstellen, könne er nachträglich beantragen, dass seine Festnahme wieder aus den Akten gestrichen werde.

Neben der Zurschaustellung werden die Freier in Chicago zudem weiterhin mit den bisherigen Mitteln - Geldbußen, Gefängnis, Beschlagnahmung des Autos - bestraft. Prostitution ist in Chicago wie in den meisten Teilen der USA illegal und dennoch weit verbreitet. In der Metropole am Michigan-See arbeiten nach offizieller Schätzung zwischen 16.000 und 25.000 Prostituierte.

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