Martialisches Video

Polizei widerspricht Dotcom: “Niemand hat ihn geschlagen”

Web
09.08.2012 10:19
Am Dienstag erhob Kim Dotcom vor Gericht in Auckland in Neuseeland schwere Vorwürfe gegen jene Polizisten, die ihn im Jänner auf seinem Anwesen festgenommen hatten. Er sei ins Gesicht geschlagen worden, man habe ihm Tritte versetzt und sei ihm auf die Hand gestiegen. Mitglieder des Sonderkommandos widersprachen diesen Vorwürfen jedoch am Mittwoch. Ein gerade veröffentlichtes Video zeigt indes, wie martialisch die Polizei bei der Verhaftung auftrat.

Der neuseeländische Fernsehsender 3News hat das Video, das den Sturm auf Dotcoms Villa zeigt, am Mittwoch veröffentlicht. Dass die Polizei mit Helikoptern und Sturmgewehren zugegriffen hatte, war zwar bekannt gewesen, doch die Bilder haben in Neuseeland erneut die Diskussion ausgelöst, ob die Behörden nicht überreagierten. Immerhin handle es sich bei Dotcom nicht um den Boss eines schwer bewaffneten, internationalen Drogenkartells, so die Vorwürfe.

Dass man diese Vorgehensweise gewählt hatte, erklärte die Polizei vor Gericht mit verschiedenen Vorbehalten. So habe man befürchtet, Securitymitarbeiter könnten Widerstand leisten, Dotcom sich im Haus verschanzen und Beweise zerstören.

Weitere Videos unter Verschluss
Die nun veröffentlichten Aufnahmen stammen von einer Kamera auf einem der Helikopter sowie Überwachungskameras außerhalb der Villa. Die Aufzeichnungen vom Anwesen selbst dürfen auf Anweisung der neuseeländischen Regierung jedoch nicht gezeigt werden - auch das wirft kein gutes Licht auf das Vorgehen.

Dotcom erhob Misshandlungsvorwürfe
Schließlich könnte mit diesen Videos vielleicht geklärt werden, ob Dotcom, wie von ihm behauptet, bei der Festnahme von der Polizei misshandelt wurde. Der MegaUpload-Gründer hatte vor Gericht ausgesagt, er sei bei seiner Festnahme ins Gesicht geschlagen und zu Boden getreten worden, er habe ein Knie in die Rippen bekommen und ein Mann sei auf seiner Hand gestanden.

Polizisten widersprechen
Es steht Aussage gegen Aussage: "Niemand von uns hat ihn ins Gesicht geschlagen", sagte ein Polizist, dessen Name auf Anweisung des Gerichts nicht veröffentlicht werden darf, am Mittwoch laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg vor Gericht. "Ich habe einen anderen Polizisten vorbeigehen und unabsichtlich auf seine Hand steigen sehen", schwächte er auch einen weiteren Vorwurf Dotcoms ab. Auch dass Dotcom mit erhobenen Händen gefunden worden sei, bestritt ein Polizist: Dotcom habe die Hände im Schoß gehabt.

Kooperativ oder aggressiv?
Über Dotcoms Verhalten bei seiner Festnahme waren sich die ersten beiden Polizisten, die ihn erreicht hatten, allerdings nicht einig. Einer beschrieb Dotcom als kooperativ - dies hatte auch der MegaUpload-Gründer vor Gericht betont -, während der andere Dotcom als aggressiv bezeichnete und erklärte, dieser habe verächtlich gewirkt.

Website soll "die Wahrheit bringen"
Dotcom versucht nun, auch im Internet Stimmung für sich zu machen. Auf der neuen Website Kim.com sind unter dem Titel "Die Wahrheit wird herauskommen" unter anderem zehn "Fakten" zum MegaUpload-Prozess zu lesen. Zum Beispiel, dass bisher nur der neuseeländischen Polizei illegales Verhalten nachgewiesen worden sei und dass man sich immer bemüht habe, urheberrechtlich geschütztes Material von den MegaUpload-Servern zu entfernen.

Zahlreiche Patzer bei den Behörden
Die Untersuchung der Polizeiaktion vor Gericht soll die Umstände der Verhaftung Dotcoms und der Beschlagnahmung seines Vermögens klären. Das Vorgehen der Behörden - Hauptziel war die Lahmlegung des File-Hosters MegaUpload - war Ende Juni vom Gericht wegen mangelhafter Durchsuchungsbefehle für illegal erklärt worden. Dotcom droht eine Auslieferung in die USA, wo gegen ihn Anklage wegen Urheberrechtsverletzungen und Anstiftung dazu erhoben werden könnte. Allerdings scheint es auch dort Schlamperei bei den Behörden gegeben zu haben, sodass weiterhin unklar ist, ob es überhaupt zu einem Verfahren kommt (siehe Infobox).

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