Mo, 24. September 2018

Kampf ums Überleben

22.09.2011 09:55

Letzter Strohhalm für den Autobauer Saab

Der schwedische Autobauer Saab erhält eine letzte Chance: Ein Berufungsgericht gewährte dem angeschlagenen Unternehmen am Mittwoch den erhofften Gläubigerschutz und widerrief damit eine Entscheidung aus erster Instanz, wie das Gericht mitteilte. Saab habe jetzt drei Monate Zeit, sich neu aufzustellen.

Das Berufungsgericht im schwedischen Vänersborg gibt Saab Zeit für eine umfassende Restrukturierung, wie aus der AFP vorliegenden Entscheidung hervorgeht. Demnach soll sich Saab innerhalb von drei Monaten restrukturieren, eine Verlängerung der Frist sei möglich. Das Berufungsgericht erklärte, die Entscheidung der ersten Instanz sei unbegründet gewesen.

Vor zwei Wochen hatte ein Gericht den Antrag des Eigentümers Swedish Automobile auf Gläubigerschutz mit der Begründung abgelehnt, der Firmenwert und die Stärke der Marke Saab seien zu gering, als dass sich das Unternehmen neu organisieren könne. Dagegen war das Unternehmen in Berufung gegangen.

Die neue Entscheidung ermöglicht es auch, dass der schwedische Staat für die Löhne der Arbeiter aufkommt. Im August hatte Saab seinen Angestellten kein Gehalt gezahlt. Mit dem Gläubigerschutz sind vorerst Tausende Einzelanträge von Arbeitern und Gewerkschaftsmitgliedern gestoppt, nach denen Saab für bankrott erklärt werden sollte. Mit den Anträgen wollten drei Gewerkschaften nach eigener Aussage erreichen, dass der Staat die ausstehenden Löhne zahlt. "Die Gefahr eines Bankrotts ist gebannt und unsere Angestellten werden bezahlt - das ist ein guter Tag", sagte Saab-Chef Victor Muller nach der Bekanntgabe des Richterspruchs. Zwei der drei Gewerkschaften begrüßten die Entscheidung und kündigten daraufhin an, ihre Anträge zurückzuziehen.

Der schwedische Anwalt und Umstrukturierungsspezialist Rolf Aabjoernsson kritisierte die Entscheidung: "Es gibt keine Basis, auf der diese Neuorganisation funktionieren könnte", sagte er der Nachrichtenagentur TT. Alles baue darauf auf, dass irgendwann das Geld aus China ankomme - das sei "zu schwach".

Die Bänder des Autobauers stehen seit April fast ununterbrochen still. Saabs Schulden belaufen sich nach Aussage von Muller auf 150 Millionen Euro, die Zulieferer hätten die Lieferungen eingestellt. Das Unternehmen warte nun auf eine Finanzspritze von 245 Millionen Euro von seinen chinesischen Partnerfirmen Pang Da und Youngman. Die chinesische Regierung muss diese Zahlung erst noch genehmigen, erwartet wird sie laut Muller für November. Das Gericht der ersten Instanz hatte den Antrag laut Begründung auch deswegen abgelehnt, weil unsicher sei, ob das Geld freigegeben werde.

Der Autobauer beschäftigt 3.700 Menschen. Anfang 2010 war Saab schon einmal vor dem Bankrott gerettet worden, als der niederländische Konzern Swedish Automobile das Unternehmen kaufte. Zuvor gehörte es zum US-Konzern General Motors.

krone.at/Auto-Motorrad ist auf Facebook - werde jetzt Fan!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.