„Kopfgeld“ ausgesetzt

Russen machen Jagd auf dieses autonome Fahrzeug

Elektronik
08.09.2022 15:00

Eine in Moskau ansässige Denkfabrik mit Verbindungen zum russischen Militär hat offenbar ein „Kopfgeld“ auf ein Roboterfahrzeug ausgesetzt, das in der Ukraine zur Evakuierung verwundeter Zivilisten eingesetzt wird. Die Belohnung für die Ergreifung liegt über dem durchschnittlichen Jahressold eines russischen Soldaten.

Das ferngesteuerte, unbemannte Bodenfahrzeug namens ThEMIS wird vom estnischen Rüstungsunternehmen Milrem Robotics hergestellt. In einer Firmenmitteilung vom Dienstag ließ das Unternehmen wissen, dass mindestens eine Einheit an eine ukrainische Wohltätigkeitsorganisation geliefert wurde.

„Die Evakuierung von Verletzten ist eine der wichtigsten und arbeitsintensivsten Aktivitäten in Konflikten. Traditionell sind mehrere Personen erforderlich, um eine Trage und die erforderliche medizinische Ausrüstung zu tragen. Es wäre jedoch nur einer erforderlich, um ein UGV (unbemanntes Bodenfahrzeug, Anm.) zu bedienen, das mehrere Verwundete und viel Ausrüstung aufnehmen kann. Das bedeutet, dass mehr Personal verfügbar ist, um mehr Menschen zu helfen“, erklärte Forschungs- und Entwicklungsdirektor Jüri Pajuste.

Schnell wandelbar
Das gesteigerte Interesse Russlands an dem Fahrzeug dürfte jedoch eher auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass es „
je nach Art der Mission schnell von einer Transportfunktion zur Bewaffnung, zur Durchführung von Kampfmittelbeseitigung oder zur Unterstützung von Geheimdienstoperationen konfiguriert“ werden kann, wie der Hersteller schreibt.

„Leider hinken wir in Russland hinterher“
„Der Konflikt in der Ukraine hat gezeigt, dass eine moderne Kriegsführung ohne den weitverbreiteten Einsatz unbemannter Fahrzeuge undenkbar ist“, sagte Ruslan Puchow, Direktor des in Moskau ansässigen Zentrums für die Analyse von Strategien und Technologien, in einer Erklärung gegenüber dem „Business Insider“. „Leider“, so Puchow, „hinken wir in Russland hinterher.“

Um den Rückstand aufzuholen, bietet die Denkfabrik dem Bericht nach jedem, der eines der Roboterfahrzeuge weitgehend intakt erbeutet und dem Verteidigungsministerium übergibt, eine Million Rubel (umgerechnet mehr als 16.500 Euro). Zum Vergleich: Eine Person, die einen Dreijahresvertrag für das russische Militär unterschreibt, erhält laut „Washington Post“ ein Jahresgehalt von umgerechnet rund 13.000 Euro, und Wehrpflichtige weniger als 25 Euro pro Monat.

„Wenn es möglich ist, Informationen über ausländische Entwicklungen zu erhalten, sollte dies auf jeden Fall getan werden“, sagte Puchow dem „Business Insider“ weiter. „Die Plattform, die der Ukraine verkauft wird, ist ein Basismodell, aber wenn wir es studieren können, wird es uns nützen.“

Hersteller nimmt es mit Humor
Hersteller Milrem Robotics nimmt das Ganze indes offenbar mit Humor. In einem Facebook-Posting vom Mittwoch (siehe oben) schrieb das Unternehmen: „Diese Woche haben wir über die Ostgrenze hinweg einige Komplimente erhalten. Zunächst wurde ein Kopfgeld von einer Million Rubel auf den THeMIS ausgesetzt, den wir kürzlich an die Ukraine geliefert haben. Dann berichtete die russische Zeitung ‚Rossijskaja Gazeta‘, dass die Esten zwar nichts produzieren können, aber dass es estnischen Ingenieuren gelungen ist, eines der besten UGVs der Welt zusammenzubauen. Na, vielen Dank.“

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