Der Ukraine-Krieg bringt Russlands Wirtschaft an die Grenzen. Kreml-Chef Wladimir Putin hat schon Vermögen von Unternehmen beschlagnahmt, um den Krieg zu finanzieren. Jetzt plündert die russische Bevölkerung ihre Bankkonten, um das Geld vor dem Präsidenten in Sicherheit zu bringen.
„Drohnen fliegen. Gebäude brennen nieder. Die Nervosität wächst“, fasst ein ehemaliger Finanzbeamter die aktuelle Lage in Russland zusammen. Und die Nervosität der Bevölkerung ist wohl auch daran zu erkennen, dass viele nicht mehr darauf vertrauen, dass ihr Geld bei den Banken gut aufgehoben ist.
Die Menschen würden ihr Vermögen „lieber unter ihrem Kopfkissen“ parken, skizziert der Beamte gegenüber der „Washington Post“ die aktuelle Gemütslage. „Und nicht irgendwo bei den Banken, wo es möglicherweise nicht zurückgegeben wird.“ Die Russen plündern ihre Konten aus Angst davor, „dass die Regierung Maßnahmen im Bankensystem ergreifen und Einlagen verstaatlichen könnte“, sagt auch Alexandra Prokopenko, ehemalige Beraterin der russischen Zentralbank.
Allein in den ersten beiden Augustwochen haben die Russen laut der russischen Zentralbank umgerechnet 2,9 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben. Seit Jahresbeginn sind rund 24 Milliarden Euro aus dem Bankensystem abgeflossen.
Wenn der Trend so weitergeht, könnten sich die Russen fast doppelt so viel Geld auszahlen lassen wie im ersten Jahr des Ukraine-Kriegs, vermutet Taras Skvortsov vom russischen Finanzinstitut Sberbank.
Wirtschaft am Limit
Der russische Wirtschaftsmotor stottert nach mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine gewaltig. Schon im Zeitraum Jänner bis Juli war das Haushalts-Minus größer als das für das gesamte Jahr prognostizierte Defizit.
Dass so viel Geld abgehoben wird, macht die Situation für die Putin-Regierung noch komplizierter. Denn Russland finanziert den Krieg unter anderem mit dem Verkauf von Staatsanleihen, für die Banken wichtige Käufer sind. Viele Banken können aber gar keine Anleihen mehr kaufen, weil sie wegen der Konto-Plünderungen kein Geld mehr haben, sagt Skvortsov zu RBK Radio.
Putin füllt Kriegskassen
Jetzt wachsen die Befürchtungen, dass Putin sich noch stärker an den Vermögen der Privaten bedienen könnte, um den Krieg zu finanzieren. Mehrere Unternehmen und Kriegskritiker haben das schon erlebt. Allein im vergangenen Jahr beschlagnahmte die Regierung Unternehmens-Vermögenswerte im Wert von über 44 Milliarden Euro, wie russische Staatsanwälte sagen.
Und das wird Putin auch weiterhin tun, glauben manche. „Wenn die Regierung Bargeld braucht, wird Putin einfach Vermögenswerte beschlagnahmen“, sagt etwa ein Vertrauter eines russischen Milliardärs gegenüber der US-Zeitung: „Das ist ihm egal!“
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