Die Reitsport-Weltmeisterschaft im Pferde-Mekka Aachen geht in die finalen Runden und Österreichs Bilanz ist etwas durchwachsen. Während die Voltigierer-Mannschaft holte die Bronzemedaille in der Gruppen-Kür, bei den Springreitern sind leider Katharina Rhomberg und Max Kühner bereits aus dem Medaillen-Rennen.
Österreichs beste Springreiter müssen ihre Medaillenträume bei den Pferdesport-Weltmeisterschaften in Aachen wohl bereits nach dem ersten Tag begraben. Max Kühner auf „EIC Cooley Jump the Q“ und Katharina Rhomberg auf „Colestus Cambridge“ hatten beim Zeitspringen am Mittwoch jeweils zwei Abwürfe, das reichte nur zu den Rängen 75 und 65. Felix Koller indes war auf „Cossinelle“ fehlerfrei, womit sich der WM-Debütant auf Platz 24 einreihte – und mit etwas Glück vielleicht noch ein Wörtchen mitreden könnte.
Das reichte aber nicht, um das vorerst auf Platz 18 liegende Team Österreich entscheidend nach vorn zu hieven. Zumal Bianca Babanitz auf „I Will Be Famous“ die schwierige Mauer zum Verhängnis wurde und sie ausschied. Am Donnerstag und Freitag geht es um die Mannschaftsentscheidung, ehe am Sonntag das Einzelfinale der Top-25 steigt.
Voltigierer holen Medaille im Gruppen-Finale
Die österreichischen Voltigierer bleiben hingegen eine sichere Bank, wenn es um Medaillen geht. So turnte die Tiroler Truppe aus Seefeld bestehend aus Georg Gabl, Lena Bachbauer, Sarah Gollubics, Eva Nagiller, Sophie Pittl und Dominik Eder zu Bronze hinter Deutschland und Frankreich. Die heimischen Einzel-Voltigierer beenden die WM mit Plätzen in den Top Ten.
Dank der Leistung der Turner auf dem Pferderücken ist Österreich sogar im Medaillenspiegel der WM auf Platz acht vertreten. Österreichs Para-Dressurreiter um Pepo Puch hatten um die Medaillen am Mittwoch hingegen nichts mitzureden. Zwar zeigte die Kärntnerin Julia Sciancalepore mit ihrem „Heinrich IV“ eine starke Leistung in der Grade I, am Ende war es aber Platz neun. Julia Mitterhuemer geht am Donnerstag in der Grad IV an den Start, die anderen Para-Sportler können am Wochenende in der Kür noch einmal aufzeigen.
Voltigieren ist das Turnen und Akrobatik auf einem sich im Kreis (an der sogenannten Longe, einer langen Leine) bewegenden Pferd. In der Mitte steht der Longenführer, der das Pferd kontrolliert, während die Sportler – alleine, zu zweit oder in Gruppen – Pflichtübungen und eine freie Kür zeigen. Neben dem turnerischen Können, Balance und Körpergefühl sind natürlich Wissen und Können rund um das Pferd von besonderer Wichtigkeit. Vielerorts, so auch in Österreich, ist das Voltigieren ein Einstieg in den Pferdesport. Der Sport ist im Vergleich zu anderen Reitdisziplinen noch recht jung, erst 1981 wurde in Österreich erstmals eine Staatsmeisterschaft ausgetragen. Die Wertnoten rangieren beim Voltigieren im Bereich zwischen 0 (niedrigstes Ergebnis) und 10 (bestes Ergebnis). Die Gesamtnote eines Starters oder einer Gruppe errechnet sich als Mittelwert aus den Bewertungen der Richter, je nach Klasse sind dies zwei oder mehr.
Freud und Leid in der Vielseitigkeit
In der Vielseitigkeit lagen Freud und Leid dicht beieinander, der Steirer Daniel Dunst schaffte es am Samstag nach einer guten Dressur zwar mit zwei Verweigerungen durch das anspruchsvolle Gelände, musste aber sein Pferd „Chevalier“ vor dem abschließenden Springen zurückziehen. Harald Ambros wurde nach der Absolvierung des Geländes von der Ground Jury aus dem Bewerb genommen, nach einer Verzögerung am Start war seinem Sportpartner „Vitorio du Montet“ die Kraft ausgegangen. Katrin Khoddam-Hazrati und ihre selbst gezüchtete Stute „Renegade“ beendeten das Springen am Sonntag mit drei Abwürfen, Lea Siegl und „Watermill Giorgio RS“ mit einem.
In der Königsdisziplin der Reiterei sind drei Prüfungen zu absolvieren. Gestartet wird mit einer Dressuraufgabe, es folgen eine Geländeprüfung über teils feste Hindernisse sowie – nach einer bestandenen Fitnessüberprüfung – ein Springparcours. Wie bei einem Triathlon wird Pferden und Reitern ein hohes Maß an Fitness abverlangt – aber auch absolutes Vertrauen zwischen den Sportpartnern ist eine Grundvoraussetzung. Der Vielseitigkeitssport kommt aus der Militär- und Jagdreiterei, daher auch der frühere (heute nicht mehr gebräuchliche) Name: Military.
In der Dressur schaffte es die erst 22 Jahre alt Felicita Simoncic ins Finale der Einzelreiter im Grand Prix Special – wir berichteten. Die Britin Charlotte Fry wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und holte sowohl im Special als auch tags darauf mit ihrem Hengst „Glamourdale“ in der Kür die Dressur-Einzelgoldmedaille.
Neben den Springreitern und Para-Dressurreitern sind auch Österreichs Vierspänner in Aachen angekommen, um dort um Medaillen zu kämpfen. Wolfgang Binder, Alexander Bösch, Daniel Schneiders und Erwin Gillinger gehen sowohl in der Einzel- als auch in der Teamwertung an den Start. Vielleicht gibt es hier noch eine Überraschung.
Deutschland hat sein Sommermärchen
Übrigens: Nach der eher bescheidenen Leistung der DFB-Elf hat Deutschland dank der Heim-WM doch noch sein Sommermärchen bekommen – nur eben auf dem Rücken der Pferde. Unsere Lieblingsnachbarn führen den Medaillenspiegel mit sage und schreibe 13 Medaillen an, davon glänzen sechs in Gold. Dahinter rangieren die Briten mit acht und Frankreich mit vier Medaillen.
So holte Olympiasieger Michael Jung den ersehnten Einzelsieg in der Vielseitigkeit, das Dressurteam wurde ebenso seiner Favoritenrolle gerecht. Auch im Voltigieren und in der Para-Dressur siegten die Sportler aus dem Gastgeberland – und auch die Stimmung war in Aachen durch die Bank einem derartigen Großereignis würdig.
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