Modernisierung

Japans Kaiser will sich für soziale Medien öffnen

Web
05.09.2022 08:13

Die erzkonservativen Hüter des japanischen Kaiserhauses erwägen laut Medienberichten eine vorsichtige Modernisierung ihrer restriktiven Öffentlichkeitsarbeit. Für den nächsten Staatshaushalt will das Haushofamt eine personelle Aufstockung seiner Öffentlichkeitsarbeit beantragen sowie erstmals Auftritte in sozialen Netzwerken in Betracht ziehen.

In Japan ist die Hofberichterstattung laut Experten starken Beschränkungen ausgesetzt. Was über das Kaiserhaus an die Öffentlichkeit gelangt, werde fast vollständig vom Hofamt bestimmt. Wie auch anderen öffentlichen Institutionen ist der Behörde ein eigener Presseclub angegliedert, dem eine ausgewählte Zahl von Medien angehört. Fragen und Antworten werden im Vorfeld festgelegt. Eine weitere Besonderheit der Hofberichterstattung ist die Verwendung von Höflichkeitssprache in japanischen Berichten über die Kaiserfamilie.

Britische Royals als Vorbild
Japan sei die einzige bedeutende Monarchie der Welt, wo der Hof hierzu noch keine Onlinedienste benutze, erklärte Naotaka Kimizuka, Professor an der Kanto Gakuin Universität, laut der Nachrichtenagentur Jiji Press. Es gebe nur eine Webseite mit spärlichen Informationen, das Interesse an der Kaiserfamilie sei gering. Dies gelte es zu verbessern, zumal das Kaiserhaus vollständig von Steuergeldern finanziert werde.

Der Experte für britische Geschichte verwies laut Jiji Press auf das britische Königshaus. Dieses habe dank der Nutzung von Twitter, Facebook und Instagram das Interesse unter jungen Menschen am Hof gesteigert. Zudem werde der britischen Öffentlichkeit auf diese Weise ein „korrektes Verständnis“ der königlichen Familie vermittelt.

Restriktive Informationspolitik leistet Gerüchten Vorschub
Die restriktive Informationspolitik des japanischen Hofes dagegen leistet laut Kritikern Gerüchten Vorschub. Darunter hatte zuletzt die Tochter von Kronprinz Akishino, Mako, zu leiden. Eine jahrelange öffentliche Kontroverse über einen vermeintlichen Skandal in der Familie ihres Verlobten aus bürgerlichem Hause hatte bei ihr zu einer posttraumatischen Belastungsstörung geführt. Vergangenes Jahr heirateten die beiden. Weil ihr Mann Bürgerlicher ist, schied Mako damit aus dem Kaiserhaus aus. Das Paar wanderte daraufhin aus Japan aus.

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