Es ist eine perfide Masche, um leichtgläubigen Menschen Unsummen aus ihren Taschen zu ziehen. Mit Fake-Videos von Alexander Van der Bellen, Armin Wolf oder David Alaba lockten albanische Betrüger zumindest 150 Österreicher in die Investment-Falle. Die Bande überließ bei ihrer „Arbeit“ nichts dem Zufall – und setzte auf Technik und top ausgebildete Betrüger.
17. April 2026: In einem modernen Büroturm im Herzen der albanischen Hauptstadt Tirana laufen die Geschäfte wie an jedem anderen Tag. Zweckmäßig und modern könnte man das Bild nennen, das sich österreichischen Ermittlern und ihren albanischen Kollegen bot, als sie eines der in dem Turm untergebrachten Callcenter stürmen. Zu jenem Zeitpunkt sitzen rund 80 „Angestellte“ an ihren Arbeitsplätzen – das betroffene Büro würde rund 300 Personen Platz bieten. Sie treten die Flucht an – nicht grundlos.
Beschuldigte versuchten, über versteckte Ausgänge zu flüchten
Viele von ihnen seien über versteckte Ausgänge ins Freie geflüchtet, weiß Betrugsermittler Reinhard Nosofsky aus dem Bundeskriminalamt. Ohne Erfolg, ein großer Teil wurde gefasst, zehn Personen wurden festgenommen.
Es handelt sich um eine millionenschwere Internetbetrugs-Bande, die in dem Hochhaus in Tirana etwa 2023 ihre Zelte aufgeschlagen haben dürfte. Zwei weitere Callcenter flogen am 17. April auf, neun Wohnungen wurden durchsucht, 450 Computer und 238 Handys sowie Bargeld im Wert von fast einer Million Euro sichergestellt.
Irreführende Online-Werbung für „gewinnbringendes“ Investment
Es war in ebenjenem Jahr 2023, als immer mehr Meldungen beim Bundeskriminalamt eintrafen. Von dubiosen gefälschten Videos, in denen Bundespräsident Alexander Van der Bellen, „Millionenshow“-Moderator Armin Assinger, „ZiB 2“-Moderator Armin Wolf oder auch Ex-Skistar Hermann Maier angeblich ein Investment bewarben. 250 Euro müsse man Minimum investieren, die Rendite könne mehr als 20.000 Euro betragen. Die Betrüger wussten, wie sie in den Videos mit den Emotionen der Betrogenen spielen können. Viele von ihnen haben sich aus Scham bis heute nicht gemeldet.
Wir beobachten, dass Tätergruppen immer genauere Arbeitsteilung betreiben, um noch mehr Menschen Schaden zufügen zu können.
Sebastian Bley, Europol
„Kundenbetreuer“ versprachen Vermögen
Im Callcenter in Tirana lief alles höchst professionell ab. Bis zu 450 Mitarbeiter wurden in Teams von sechs bis acht Personen eingeteilt. Jede Gruppe war für einen bestimmten Sprachraum tätig – also etwa Österreich, Deutschland und die Schweiz. Ihre Opfer gelangten über Links unter den gefälschten Videos an ihre „Kundenbetreuer“, die sich als Anlageberater oder Broker ausgaben.
Über längere Zeiträume gaukelten die albanischen Betrüger vor, dass große Gewinne anstehen. Und drangen dabei mit Fernzugriffssoftware in die Geräte der Opfer ein. Auf jenem Wege verloren zumindest 150 Österreicher, die zwischen 250 Euro und Millionenbeträgen investierten, gesamt 26 Millionen.
Das Geld der vermeintlichen Anleger wurde natürlich nie veranlagt, sondern landete direkt in den Taschen der Betrüger.

Oberstaatsanwältin Mag. Alexandra Völkel
Bild: WKStA
Das Netzwerk verfügte über eigene Teams für Management, Finanzen, IT und Personalwesen, Teamleiter überwachten die täglichen Aktivitäten ihrer Teams, ein „Ghost“, also ein IT-Experte, versuchte, sämtliche Spuren im Netz zu verwischen. Während die Schadenssumme auf bisher 50 Millionen Euro anwuchs, bekamen die Betrüger, die direkten Kontakt mit den Opfern hatten, lediglich 800 Euro pro Monat überwiesen.
Hinter jeder Anzeige steht ein Mensch, der oft sein Erspartes, sein Vertrauen und manchmal ein Stück Lebenssicherheit verloren hat.

Reinhard Nosofsky, Leiter Büro Betrugsermittlungen im Bundeskriminalamt
Bild: @Bernhard ELBE_ LPD WIEN
Opfer wurden nach Betrug noch einmal abgezockt
Besonders perfide: Im Nachhinein kontaktierte man die Opfer noch einmal, getarnt als Rechtsanwalt oder Behörde. Um den Betrogenen zu helfen, würde man eine Gebühr von 500 Euro benötigen. Es handelte sich nur um eine Betrugsmasche, um bereits Betrogenen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.
Kooperation mit europäischen Behörden
Im Bundeskriminalamt und bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ist man stolz auf den durchschlagenden Erfolg. Ein Joint Investigation Team wurde mit Eurojust, Europol und den albanischen Behörden zusammengestellt, vor Ort wurde eine virtuelle Kommandozentrale eingerichtet, um den Austausch von Daten und Beweismitteln zu sichern. Noch bei der Erstürmung der Callcenter befanden sich Betrugsopfer in den Leitungen – sie kamen in letzter Sekunde unbeschadet davon.
Wie hoch die Dunkelziffer bei den Geschädigten und der Schadenssumme ist, lässt sich noch nicht sagen. Die Ermittlungen laufen, man geht von weiteren zig Millionen aus.
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