31.07.2022 14:58 |

Sicherheit bedroht

WhatsApp-Chef will Staaten nicht mitlesen lassen

Die EU-Kommission und die britische Regierung wollen Anbieter von Chat-Diensten dazu verpflichten, die Kommunikation der Nutzer automatisiert auf Kinderpornografie zu scannen. Datenschützer und die Betreiber der Dienste sind alarmiert und warnen davor, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und damit die Sicherheit aller Nutzer auszuhöhlen. WhatsApp-Chef Will Cathcart will sich vehement wehren.

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Der Geschäftsführer der Facebook-Schwesterfirma nahm im Gespräch mit der britischen BBC Stellung zu den Überwachungsplänen der britischen Regierung, die - ganz ähnlich wie die von Datenschützern zerpflückten Pläne der EU-Kommission - Chat-Anbieter dazu verpflichten will, die digitale Kommunikation ihrer Nutzer automatisiert auf Kinderpornos zu scannen.

Möglich wäre dies nur, wenn die Anbieter die Verschlüsselung ihrer Dienste aufweichen oder Inhalte direkt am Gerät des Nutzers („Client-side“) scannen, bevor die Verschlüsselung greift.

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Was da vorgeschlagen wird, ist, dass wir - entweder direkt oder indirekt durch Software - die Nachrichten aller lesen. Ich glaube nicht, dass die Leute das wollen.

WhatsApp-Chef Will Cathcart

Cathcart sagt aber, dass man bei WhatsApp keinerlei Absicht habe, sich solchen Vorgaben zu beugen. „Was da vorgeschlagen wird, ist, dass wir - entweder direkt oder indirekt durch Software - die Nachrichten aller lesen. Ich glaube nicht, dass die Leute das wollen.“

Whatsapp: Sicherheit würde weltweit leiden
Cathcart führt weiter aus: „Client-seitiges Scannen kann in der Praxis nicht funktionieren. Wenn wir die Sicherheit für die ganze Welt herabsetzen müssten, um den Anforderungen in einem Land gerecht zu werden, wäre es sehr dumm von uns, zu akzeptieren, dass wir unser Produkt für 98 Prozent unserer Nutzer aufgrund der Anforderungen von zwei Prozent weniger begehrenswert machen.“

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Es gibt Techniken, die sehr effektiv sind und die nicht von der Industrie übernommen wurden und die nicht erfordern, dass wir die Sicherheit aller opfern.

WhatsApp-Chef Will Cathcart

Der WhatsApp-Chef betont, dass sein Unternehmen ohnehin längst selbst Maßnahmen ergreife, um den Versand von Kinderpornos via WhatsApp zu unterbinden. Man habe bereits Hunderte illegale Fotos entdeckt und gemeldet - mehr als die meisten anderen Internetdienste. Cathcart: „Es gibt Techniken, die sehr effektiv sind und die nicht von der Industrie übernommen wurden und die nicht erfordern, dass wir die Sicherheit aller opfern.“

Automatische Scans auf Kinderpornos am Gerät des Nutzers wollte vergangenes Jahr auch der Computerkonzern Apple einführen. Nach einem großen Aufschrei - unter anderem warf NSA-Aufdecker Edward Snowden Apple Massenüberwachung vor - ruderte der iPhone-Konzern zurück. Wenig später wurde bekannt, dass die EU-Kommission Internetdienste zu genau solchen standardmäßigen Scans aller Chats verpflichten will. Die Briten haben ähnliche Pläne. Die obersten EU-Datenschützer bewerteten den Gesetzesentwurf der Kommission verheerend.

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