Moderne Fahrwerke können viel - und können auch mal Fahrfehler ausbügeln. Diese sympathische Eigenschaft ändert sich allerdings gewaltig, wenn die Beladungsgrenze ausgenutzt oder sogar überschritten wird. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist nicht mehr an die höhere Masse angepasst, die Bewegungen des Karosserieaufbaus nehmen stark zu. Sicherheitssysteme wie ESP sprechen nicht mehr so effektiv an.
Eine Urlaubsreise mit der ganzen Familie und Gepäck wurde mit einem Skoda Octavia Combi mit Dachbox simuliert. Beim Ausweichtest mit Beladung wurde ein deutlich verändertes Fahrverhalten festgestellt, die grundsätzlich vorhandene Neigung zum Übersteuern verstärkte sich spürbar. "Bei Überladung war die Pendelbewegung des Autos kaum noch beherrschbar, auch ESP ermöglichte keine sichere Stabilisierung", erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Positiv ist anzumerken, dass der Bremsweg unabhängig vom Beladungszustand konstant blieb.
Tipps für richtiges Beladen
Generell gilt: Je tiefer der Schwerpunkt des Autos, desto besser. Daher werden schwere Stücke möglichst unten und direkt hinter der Rücksitzbank gelagert, wo sie bei Bremsmanövern nicht so schnell in Rutschen kommen. Leichtere Gegenstände werden davor und darauf platziert. Niemals sollte Gepäck im Fußraum des Fahrers verstaut werde, wo es Bremse oder Gaspedal blockieren könnte. Die Hutablage ist kein Platz für Gepäckstücke, denn auch kleine Gegenstände können bei einer Vollbremsung für Verletzungen sorgen.
Wer das maximale Ladevolumen eines Kombis oder Vans ausnutzen will, montiert Gepäcknetze oder –gitter. Falsch verstautes Gepäck wird bei einem Unfall zum gefährlichen Geschoss. Schon normale 15-Kilogramm-Koffer können bei einem Crash mit Landstraßentempo die Rücksitzlehnen durchschlagen und Insassen schwer verletzen.
Dachbox mit Vorsicht zu genießen
Reicht der Kofferraum nicht aus, kann auf eine Dachbox ausgewichen werden. Diese ist für lange und sperrige Gepäckstücke ideal, die allerdings nicht allzu schwer sein sollten. Denn der Schwerpunkt des Autos verändert sich durch bei großer Dachbeladung drastisch, was zu einem kritischen Fahrverhalten führt. Mit beladenem Dach heißt es also Fuß vom Gas. Auf keinen Fall darf die in der Bedienungsanleitung vorgeschrieben maximale Dachlast (meist 75 kg) überschritten werden.
Das Gewicht von Gepäck und Insassen zusammen darf nicht die maximal erlaubte Zuladung des Fahrzeugs übersteigen. Gängige Zuladungswerte liegen inklusive Insassen zwischen 400 und 500 kg. Im Zweifel sollte das Auto auf die Waage. Der Fahrer zählt übrigens mit 75 Kilogramm schon zum Leergewicht. Er muss bei der maximalen Zuladung also nur mit den Kilos berücksichtigt werden, die er schwerer ist als die Normvorgabe der EU.
Vor Fahrtantritt ist es empfehlenswert, den Reifendruck zu erhöhen. Die richtigen Werte finden sich im Handbuch oder an der Innenseite von Tür oder Tankdeckel. Außerdem muss die Scheinwerfereinstellung angepasst werden. Autos mit Xenonlicht machen das automatisch, bei Fahrzeugen mit Halogenlampen findet sich in der Regel links vom Lenkrad ein kleines Rändelrad. Bevor es endgültig auf große Tour geht, sollte eine kleine Testfahrt anstehen. Denn beladen ändert ein Auto sein Fahrverhalten, vor allem bei der Kurvenfahrt und beim Bremsen.
Probleme im Hängerbetrieb
Wer einen Baumarkt aufsucht, benötigt für den Transport der schweren oder sperrigen Einkäufe häufig einen Anhänger. Im Test wurde ein Opel Astra mit ungebremstem Kastenanhänger zur Simulation eingesetzt. Unbeladen konnte der Parcours ohne Schwierigkeiten gemeistert werden, der beladene Anhänger lief jedoch deutlich aus der Spur und schwenkte seitwärts aus. Bei korrekt beladenem Anhänger war diese Reaktion kontrollierbar, das Zugfahrzeug blieb stabil. "Bei überladenem Anhänger knickte das Gespann beim ersten Gegenlenken ein. Der Anhänger touchierte das Zugfahrzeug, das gesamte Gespann drehte sich um die eigene Achse", erklärt Kerbl. Der Bremsweg verlängerte sich bereits bei beladenem Anhänger deutlich, bei geringer Überladung kamen weitere Meter dazu.
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