Seit VW den Golf erfunden hat, haben viele Wolfsburger Modelle etwas Urmeterhaftes, an dem sich die Konkurrenz messen lassen muss. VW ist dabei nicht unbedingt innovativ, aber auf eine deutsche, aber in diesem Fall nicht unangenehme Art perfektionistisch.
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Ein Musterbeispiel dafür ist der VW Tiguan, der auf das SUV-Klientel losgelassen wurde, als das Segment bereits in Hochblüte stand, um gleich mal die Marktführerschaft zu übernehmen. Schiebetüren bei einem Minivan haben sie auch nicht erfunden, aber der Sharan hat sie jetzt und besitzt damit ein Asset, das seine Wertfülle im Alltag unschätzbar erweitert. Zum Beispiel wenn man vor dem Gartencenter den Großeinkauf verstauen möchte, oder vor dem Kindergarten den Nachwuchs.
Innenraum zum "Wohnfühlen"
An dieser Stelle folgt das Einzige, was ich am Sharan wirklich auszusetzen habe: Beim Fünfsitzer bleibt eine Stufe im Laderaum, wenn man die variablen Einzelsitze der zweiten Reihe plattmacht (nicht so beim Siebensitzer). Eine echte Tragik ist das nicht, ein IKEA-Sofa ließ sich problemlos einladen, und eine Menge Kleinkrempel dazu. Es geht flach hinein in den 2.430 Liter fassenden Laderaum (Siebensitzer 2.297), bei einer Innenraumhöhe von 1,10 Meter geht sich einiges aus, auch die Hecköffnung ist riesig. Für ganz langes Sperrgut lässt sich auch die Beifahrersitzlehne flachlegen. Die Gepäckraumabdeckung wird unauffällig im Boden versenkt.
Apropos Sofa: Der Sharan hat durchaus Züge einer gemütlichen, kleinen Wohnung. Der Bereich hinter den Vordersitzen geht auch als Wohnschlafzimmer durch. Über zwei Meter Länge und 1,10 Breite, da kann man sich durchaus einrichten. Aber auch bestuhlt lebt es sich sehr angenehm, wenn auch die Armlehnen hinten schiebetürenbedingt eher schmal ausfallen. Unter den Füßen der Hinterbänkler gibt es zwei Kellerabteile, die Vorderleute haben Schubladen in den Sitzen.
Die vorderen Türarmlehnen sind besonders aus- bzw. einladend und bieten auch Armen im Popeye-Format einen Ruheplatz, wenn keine Blumenkistln draufstehen. Die Armlehne zwischen den Sitzen ist verschieb- und Höhenverstellbar. Der Innenraum ist angenehm nüchtern, es ist nicht zu befürchten, dass einem innerhalb kürzester Zeit irgendein pseudomoderner Schnickschnack auf die Nerven geht. Auf dem Gestühl sitzt es sich auch auf langen Fahrten bequem, alles zu Bedienende liegt gut zur Hand, auch an genügend Platz für diverse Utensilien wurde gedacht. So passen ins Türfach eine 1,5-Liter-PET-Flasche und meine dicke CD-Mappe hinein, zwischen den Sonnenblenden ist eine Sonnenbrillenklappe versenkt.
Keine Rakete, trotzdem macht er Spaß
Bei aller Bequemlichkeit und Durch-und-durch-Vernünftigkeit: Der Sharan fährt sich auch gut, ich möchte sogar sagen, es macht Spaß, ihn zu fahren. Der 2-Liter-TDI-Motor dieselt den 1.774 kg schweren Minivan mit 140 PS und 320 Nm in 10,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, wobei sich die Beschleunigung stärker anfühlt, als sie ist. 194 km/h sind maximal zu erreichen. Die Kraft kommt aus dem Keller, das maximale Drehmoment pumpt schon bei 1.750/min. volle Kanne. Ich fühle mich absolut angemessen motorisiert, und der Testverbrauch von 6,6 l/100 km (Start-Stopp-System Serie) lässt mir keine grauen Haare wachsen.
Das Fahrwerk ist ein kompromissloser Kompromiss aus Komfort und Verbindlichkeit zur Straße. Klingt zwar unsinnig, fühlt sich aber irgendwie so an. Denn die Federung schluckt Bodenunebenheiten bravurös weg, dennoch ist die Dämpfung hart genug, dass sich die Fahrerei nicht wie im Reisebus anfühlt, sondern wie im Pkw. Ein Sportfahrwerk wurde natürlich nicht verbaut, die Vorderreifen kündigen bei forcierter Gangart in Kurven vernehmlich quietschend an, dass sie gleich zu untersteuern gedenken.
Knapp 38.000 Euro kostet der VW Sharan TDI mit Comfortline-Ausstattung (Testwagen wegen einiger Extras 3.000 Euro mehr), serienmäßig an Bord sind dafür u.a. Tempomat, Höhenverstellung für die Vordersitze (Fahrersitz elektrisch), Regensensor und der umklappbare Beifahrersitz.
Der VW Sharan TDI ist wie ein guter Familienvater: vernünftig, sparsam, flexibel, sicher und hat auch sonst so ziemlich für alle Anforderungen der Family eine Lösung. Manchmal bringt er sogar Blumen mit.
Stephan Schätzl
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