Do, 16. August 2018

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09.06.2011 08:55

Halali mit der Yamaha XT1200Z Super Ténéré

Groß und mächtig, schicksalsträchtig, zum Sturm auf den Gipfel blasen und dann im Nebel baden. Hier ruft zwar der Berg, geholt wird aber nicht der Bauernbua, sondern die Yamaha XT1200Z Super Ténéré, um - statt der Gams oder der Gailtalerin hinterher – durch die Kurven zu jagen. Und wenn das Wetter kommt, hilft die XT dem Herrgott mit ausgefeilter Elektronik.

Yamahas große Reiseenduro, mit der sich die Japaner eineinhalb Jahrzehnte nach Beerdigung der erfolgreichen 750er an die glorreichen Zeiten der Paris-Dakar-Siege erinnern, tritt an, um im Kreis der Konkurrenten, die von BMWs Tutteltalerin angeführt werden, einen Akzent zu setzen. Was heißt einen - in "Ténéré" sind deren drei. Und die trägt sie zu Recht wie Ausrufezeichen.

Die Yams ist der richtige Bock für mein Gardemaß. Bei 870 mm Sitzhöhe kann ich meine komplette Größe ent-, ohne meine Beine zusammenzufalten. Durch Umdrehen einer Gummischablone lässt sich der Sitzgipfel auf 845 mm reduzieren, auf Wunsch gibt's sogar einen um 35 mm abgepolsterten Sattel, sodass auch diejenigen Fahrer eine Chance haben, deren innere Größe sich nicht so deutlich im Außen zeigt.

Hemdsärmeliger Antrieb, sophistische Elektronik
Mächtig geht der 1199 cm³ große Twin zur Sache. Mit einem Sound, der manchen V2 in eine Existenzkrise treibt, schüttelt er 110 PS aus dem mit 79,5 mm recht langen Hub, 114 Nm fahren bei 6.000/min in den schlanken Kardan. Schon im absoluten Drehzahlkeller, wo andere längst aufgeben, arbeitet der Vierventiler brav wie ein Haflinger, um dann kraftvoll, unaufhaltsam und linear bis in den Begrenzer zu klettern, der bei 7.800/min. das Gipfelkreuz setzt. Dabei halten sich die Vibrationen so weit wie nötig im Rahmen, ohne die XTZ weichgespült wirken zu lassen. Man fühlt sich sogar mit Harleyfahrern verbunden, denen man mit ihrem donnernden Ofen an der Ampel begegnet.

Auch das Gewicht ist mächtig: 261 kg zeigt die Waage, wenn der 23-Liter-Tank voll ist, ohne Marschgepäck. Und doch ist die Yamaha handlich und wendig. Spitzkehren, umdrehen auf einem Bierdeckel, sogar auf einem kurzen Schotterausflug stieg mein Puls nur unwesentlich. Auf kurvigen Passstraßen ist sie aber in ihrem Element, legt sich bereitwillig in die Kurve, um dann mit einer Vehemenz herauszubeschleunigen, dass ein Verfolger sehr früh aufgestanden sein muss, um ihr nachzukommen. In langgezogenen schnellen Kurven fehlt es ihr dagegen natürlich etwas an Stabilität.

Ein elektronisches Sicherheitspolster lässt auch die Gashand von nicht ganz Ambitionierten am Kurvenausgang noch hemmungsloser zugreifen, als sie es vielleicht sonst täte: Serienmäßig ist eine zweistufige Traktionskontrolle an Bord, die sich (Stufe 3) abschalten lässt. Es ist nicht der einzige gechippte Helfer. Zusätzlich Serie ist ein sehr feinfühliges, aber nicht abschaltbares Combined ABS (Hinterrad bremst mit dem Vorderrad mit, Bremspedal wirkt aber nur hinten). Und zu guter Letzt lässt sich die Kurve des elektronischen Gasgriffs (Drive by Wire) variieren. Die Leistung ist in beiden Stellungen die gleiche, doch in Stellung T wie Touring wird sie sanft abgerufen, während S wie Sport alles kompromisslos abruft. Einmal mit alles und scharf.

Die Yamaha XT1200Z Super Ténéré macht ihrem großen Namen alle Ehre, ihr müssen sich manche Gebückte beugen, erst recht wenn Regen oder der zähe Nebel am Berg die Straße rutschig macht. Es ist nicht leicht, die Yams zu jagen.

Stephan Schätzl

Warum?

  • Viel Kraft von unten.
  • Sehr wendig, tolle Sitzposition.

Warum nicht?

  • Der Tank ist nicht so groß, wie er ausschaut.
  • Teilweise Luftverwirbelungen um den Helm.

Oder vielleicht …

  • … BMW R 1200 GS, Moto Guzzi Stelvio, Ducati Multistrada

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