Japan-Krise

Autoindustrie in Japan steht, Europa kaum betroffen

Motor
18.03.2011 17:42
Japans Autofabriken bleiben vorerst geschlossen. Nach Branchenprimus Toyota hat nun auch Honda erklärt, wegen der Katastrophe seine Endmontagewerke frühestens Mitte der kommenden Woche wieder zu öffnen. Daimler lässt seine Lastwagenproduktion in Japan bis mindestens Dienstag ruhen. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt eine Entscheidung von General Motors: Der US-Autobauer hält eine komplette Pick-up-Fabrik im heimischen Louisiana für eine ganze Woche an - es fehlen wichtige Teile aus Japan.

Die Sicherheit der knapp 13.000 Mitarbeiter an den elf Standorten habe oberste Priorität, begründete Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler am Freitag in Stuttgart den Produktionsstopp. Sobald es die Sicherheitslage erlaube, werde die Tochter Mitsubishi Fuso den Betrieb wieder aufnehmen. "Aber natürlich sind auch bei Fuso einige Gebäude und Anlagen beschädigt", sagte Renschler. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei bisher kein Mitarbeiter persönlich von größeren Schäden betroffen.

Honda startet erst am Donnerstag wieder
Bei Honda werde die Produktion statt am kommenden Montag nun voraussichtlich erst am Donnerstag wieder aufgenommen, teilte der Konzern in Japan mit. Für die europäischen Kunden dürfte sich dadurch aber erst mal nichts ändern. "Unsere Lager sind voll und es sind noch Schiffe mit neuen Wagen unterwegs", sagte ein Sprecher von Honda Deutschland. "In den nächsten sechs Wochen erwarten wir keine Lieferprobleme."

Nach Angaben des Sprechers stammen 70 Prozent der hierzulande verkauften Honda ohnehin aus europäischer Produktion; auch der überwiegende Teil der Zulieferteile werde lokal eingekauft. "Die Kollegen in Japan werden die eineinhalb Wochen Ausfall durch Sonderschichten wohl wieder aufholen können", sagte der Sprecher. Die Lücke, die sich durch den langen Seetransport erst mit Verzögerung in Europa auftut, sei überschaubar: "Vielleicht wird die Lieferung der einen oder anderen Ausstattungsvariante etwas länger dauern."

General Motors steht still
In den USA ist die Katastrophe dagegen schon angekommen. Die Produktion in Shreveport in Louisiana werde in der kommenden Woche ruhen, teilte General Motors mit. Welche Zulieferteile aus Japan genau knapp werden, verriet GM nicht. Analysten gehen von Elektronikkomponenten aus.

"Wir werden die Produktion so schnell wie möglich wieder aufnehmen", versicherte GM. Alle anderen Fabriken arbeiteten normal weiter und es stünden auch genügend Fahrzeuge auf Halde, um die Kunden zu beliefern. Es ist allerdings unklar, ob das Pick-up-Werk nach der einwöchigen Zwangspause wirklich wieder aufmacht. Die japanische Elektroindustrie fährt ihre Anlagen nur langsam wieder hoch. Für die empfindliche Chipproduktion muss die Stromversorgung sichergestellt sein. Weil jedoch die Atomkraftwerke beim Beben abgeschaltet oder stark beschädigt wurden, ist Energie knapp.

Toyota und Subaru haben die Produktion in ihren US-Werken bereits gedrosselt, um länger mit den Lagerbeständen auszukommen. Toyota will seine Teileproduktion für die ausländischen Fabriken nun auch als erstes wieder zum Laufen bringen; der Neustart ist für Montag geplant. 

Nach gut einer Woche Pause wird das Mazda-Werk in Hiroshima die Produktion von Autos und Ersatzteilen am kommenden Dienstag vorerst wieder aufnehmen. Hiroshima befinde sich zwar in sicherer Entfernung zum beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima sowie zu den Erdbebengebieten im Nordosten Japans, doch Zulieferer hätten derartige Probleme gehabt, dass der Autohersteller die Produktion aussetzen musste, sagte Mazda Österreich-Sprecher Jo Deimel am Freitag.

Corsa-Produktion eingeschränkt
Indes steht die erste deutsche Autofabrik wegen der Japan-Krise bald still: Bei Opel fallen am Montag und Dienstag im Werk Eisenach jeweils zwei Schichten aus, wie ein Firmensprecher am Freitag sagte. Das spanische Werk Saragossa wird sogar den ganzen Montag angehalten, womit drei Schichten verloren gehen. Am darauffolgenden Freitag fällt hier eine Acht-Stunden-Schicht aus.

In den beiden Werken wird der Kleinwagen Corsa produziert. Dafür fehlt ein Elektronikbauteil eines japanischen Zulieferers. Welche Komponente genau betroffen ist, blieb unklar. "Von derart kurzen Ausfällen bekommen die Kunden aber nichts mit", sagte der Sprecher. "Weitere Unterbrechungen sind für kommende Woche nicht geplant." Was danach geschehe, müsse kurzfristig entschieden werden.

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