Elfmal flinker als der Vorgänger soll der neue Explorer sein - und damit auch alle Konkurrenten von Firefox bis Safari hinter sich lassen. Dafür greift die Software erstmals auf die Ressourcen der Grafikhardware zurück, um Videos und aufwendige Grafiken aus dem Web störungs- und ruckelfrei darzustellen. Der neue Internet Explorer soll dafür nicht nur einen Teil der Hardware nutzen, sondern zu 100 Prozent auf die verfügbaren Ressourcen zugreifen.
Browser-Rivale Mozilla sieht das anders. In einem Blog-Eintrag hatte der Firefox-Entwickler die Hardwareunterstützung als Marketingschmäh abgetan: Kein Browser sei dazu in der Lage, außerdem sei dies auch nicht immer sinnvoll, da nicht alle Browseraktivitäten davon profitieren würden, über die Grafikkarte des Rechners zu laufen, sagte Mozilla-Sprecher Asa Dotzler (siehe Infobox).
Puristische Benutzeroberfläche
Mit einer neuen puristischen Benutzeroberfläche - Suchfeld und Adressleiste sind verschmolzen, lediglich ein kleiner Button für Startseite, Favoriten sowie Einstellungen ist noch zu sehen - soll der Browser künftig nicht mehr nur ein Fenster zum Internet sein, sondern komplett in den Hintergrund treten. Die Inhalte von Websites sollen dabei so realistisch wie möglich wiedergegeben werden, weshalb Microsoft für die Darstellung von bewegten Inhalten auch auf moderne Internetstandards wie HTML5 setzt. Videos und Audio-Clips können dank der Unterstützung des neuen Standards nun auch direkt auf Websites abgespielt werden, ohne dass dafür ein zusätzliches Programm gestartet oder ein Plugin installiert werden muss, wie Microsoft demonstriert.
Screenshots der IE9-Neuerungen findest du in der Infobox.
Neue Sicherheitsfunktionen
Verbesserungen gibt es auch im Bereich der Sicherheit zu verkünden. Neben den bekannten Funktionen wie etwa dem Phishingfilter bietet ein neuer Downloadmanager nun bessere Kontrolle über die herunterzuladenden Dateien und warnt gegebenenfalls vor unsicheren Quellen. Ein "Tracking-Schutz" verrät dem Nutzer, welche Daten von Websites oder Werbeeinblendungen gespeichert werden. Der Anwender kann über Listen individuell verwalten, welche Seiten auf seine Daten zugreifen dürfen und welche Zugriffe er sperren will.
Die notwendigen Listen für diesen Tracking-Schutz können von den Nutzern entweder persönlich erstellt oder von "vertrauenswürdigen Anbietern" bezogen werden. Für Österreich wird dies etwa vom Verband für Konsumenteninformation (VKI) erledigt, eine entsprechende Datei soll in den kommenden Wochen bereitgestellt werden. Wesentlich ist für Unternehmenssprecher Thomas Lutz, dass die Anwender "selbst entscheiden" können, welche Inhalte sie blockieren wollen.
Überarbeitete, nun isoliert arbeitende Tabs sollen außerdem dafür sorgen, dass nichts verloren geht, auch wenn eine Website einmal nicht ordnungsgemäß funktioniert. Notfalls lassen sich in einer Tab-Übersicht, in der die am häufigsten genutzten Websites angezeigt werden, zuvor versehentlich geschlossene Tabs wiederherstellen. Und: Tabs können nun einfach per Maus aus dem Browser herausgezogen und mittels Aero-Snap gegenübergestellt werden, um etwa zwei Websites miteinander zu vergleichen.
Volle Windows-7-Funktionalität
"Es gilt, Glanz und Schönheit des Internets auf eine neue Ebene zu heben", so Petra Jenner, Geschäftsführerin von Microsoft Österreich. So konzentriert sich der Browserrahmen auf jene Steuerelemente, die laut Feedback von 40 Millionen Beta-Testern besonders wichtig sind und entsprechend häufig verwendet werden. Unter Windows 7 lassen sich beliebte Websites daher auch wie eine eigene Applikation an die Taskleiste heften, von wo aus dank Sprunglisten-Funktion dann direkt auf die wichtigsten Funktionen der Websites zugegriffen werden kann. 70 Websites, darunter Amazon, eBay oder Facebook, unterstützen dies bereits.
XP-Nutzer haben das Nachsehen
Die finale Version des Browsers steht ab sofort zum kostenlosen Download für Windows 7 und Vista bereit (siehe Infobox), das Windows-Auslaufmodell XP wird nicht unterstützt. Nutzer der Vorab-Version (Release Candidate) können den Browser über die Windows-Update-Funktion aktualisieren.
IE9 soll Marktanteile von Firefox und Chrome zurückholen
Mit dem neuen Internet Explorer will Microsoft verloren gegangene Marktanteile zurückgewinnen. Der Browser war 1995 auf dem Markt eingeführt worden und hatte sich im berüchtigten "Browserkrieg" gegen Netscape durchgesetzt. Auf der Spitze der Popularität im Jahr 2003 erreichte der IE einen Marktanteil von schätzungsweise 95 Prozent. Mit dem Erfolg des Firefox von der Mozilla-Stiftung und dem Chrome-Browser von Google sanken die Anteile jedoch auf unter 50 Prozent.
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