13.08.2021 13:57 |

Immobilienfirma klagte

„Geheime“ Daten: Brite nach Google-Suche verhaftet

Weil er Protokolle einer umstrittenen Londoner Immobilienfirma auf Twitter gestellt hat, ist ein Brite vorübergehend festgenommen worden. Das Unternehmen erstattete Anzeige wegen des unberechtigten Zugriffs auf geheime passwortgeschützte Dokumente. Dabei hatte der Mann die Dateien schlichtweg bei einer Google-Suche entdeckt.

Robert Hutchinson hatte sich zuvor gegen das Immobilienunternehmen aufgelehnt und es kritisiert, weil es am Gelände eines von Jugendlichen frequentierten Sportplatzes im Süden Londons Apartments bauen will. Hutchinson stellte Recherchen an und stieß dabei auf Sitzungsprotokolle des Unternehmens. Er lud sie herunter und teilte Auszüge davon auf Twitter.

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Ich habe einfach per Google gesucht und Links zu den Sitzungsprotokollen gefunden. Nichts davon war als vertraulich markiert.

Robert Hutchinson

Hutchinson zum IT-Portal „The Register“: „Ich habe einfach per Google gesucht und Links zu den Sitzungsprotokollen gefunden. Nichts davon war als vertraulich markiert, also ging ich davon aus, dass es sich um öffentliche Informationen handelt.“

Das Immobilienunternehmen sah das allerdings anders und zeigte Hutchinson an, weil er auf einen passwortgeschützten Bereich zugegriffen haben soll. Der Aktivist: „Es gibt dort ein Verzeichnis, auf das man nur mit Passwort und Nutzername zugreifen kann. Die Dokumente aus diesem Bereich scheinen allerdings auf Google auf.“

Anzeige: Verhaftung wegen Google-Suche
Das Unternehmen übergab im Zuge der Anzeige Zugriffsprotokolle an die Polizei, einige Wochen nach dem Zugriff auf die Dokumente bekam Hutchinson Besuch. Vier Beamten durchsuchten seine Wohnung, Hutchinson wurde verhaftet. Ihm wurden Verstöße gegen ein 1990 erlassenes Gesetz gegen Computermissbrauch vorgeworfen.

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Man möchte glauben, die Cybercrime-Einheit der Polizei prüft zuerst die Sicherheit einer angeblich gehackten Website, bevor sie jemanden verhaftet.

Robert Hutchinson

Hutchinson war einigermaßen erstaunt über die Aktion: „Man möchte glauben, die Cybercrime-Einheit der Londoner Polizei prüft zuerst die Sicherheit einer angeblich gehackten Website, bevor sie jemanden verhaftet. Das wäre doch eine logische Annahme, oder?“

Ermittlungen verliefen ergebnislos
Tatsächlich stellte man schnell fest, dass Hutchinson nichts verbrochen hatte. Die Polizei in einer Stellungnahme: „Er wurde in Gewahrsam genommen, später entlassen und unter Beobachtung gestellt. Nach einer Prüfung sämtlicher Evidenz wurde festgestellt, dass kein Delikt begangen wurde, daher wurden keine weiteren Schritte veranlasst.“

Seitens des umstrittenen Vermögensverwalters beteuert man, man habe nicht im Sinn gehabt, den Aktivisten einzuschüchtern. „Als wir darauf aufmerksam wurden, dass auf vertrauliche Informationen zugegriffen wurde, wurde eine allgemeine Anzeige bei der Polizei eingebracht.“ Dort habe man ein Zugriffsprotokoll angefordert und den Google-Nutzer ausgeforscht.

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