Facebook hat erstmals gemeldet, eine Propagandakampagne gestoppt zu haben, die ihren Ursprung in einer westlichen Demokratie gehabt haben soll: Frankreich. In mehreren Staaten Afrikas habe man Fake-Accounts entdeckt, die von Personen mit Verbindung zur französischen Armee betrieben worden sein sollen und die politische Debatte beeinflussen sollten. Gleichzeitig habe man auch russische Propaganda-Accounts entdeckt und stillgelegt, die mit den französischen Fake-Konten in Interaktion traten, berichtet Facebooks Security-Abteilung.
Die Desinformationskampagnen, über die CNN berichtet, zielten auf mehrere afrikanische Staaten ab, berichtet Facebooks Security-Chef Nathaniel Gleicher. Die Fake-Accounts waren in der zentralafrikanischen Republik, Mali und - in geringerem Ausmaß - in Niger, Burkina Faso, Algerien, der Elfenbeinküste und im Tschad aktiv. Diese Länder haben eine französische Kolonialvergangenheit, in vielen blieb Französisch als Amtssprache erhalten.
„Personen mit Verbindung zum französischen Militär“
Facebook nannte nicht das französische Militär selbst als Drahtzieher der Kampagne, sondern „Personen mit Verbindung zum französischen Militär“. Diese Personen hätten sich mit rund 100 Fake-Accounts in politische Debatten eingemischt und sich als Einheimische ausgegeben, so Facebook. Das ist keine neue Methode, Russland soll bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 in den USA ähnlich vorgegangen sein. Es ist aber das erste Mal, dass Facebook den Ursprung einer solchen Propagandakampagne in einer westlichen Demokratie verortet.
Während die Propaganda aus Frankreich mit 100 Accounts und etwa 5000 Followern vergleichsweise wenig Reichweite hatte, habe man zeitgleich Propagandaaktivitäten aus Russland in den genannten Staaten beobachtet. Die russische Propaganda hatte allerdings deutlich mehr Reichweite. Russland habe Facebook-Seiten mit ungefähr sechs Millionen Followern betrieben, berichtet Gleicher. Die Propaganda-Accounts hätten sogar miteinander interagiert, sich gestritten und sich gegenseitig vorgeworfen, Fake-Accounts zu sein.
Wir haben in der Vergangenheit Beeinflussungsoperationen in diesen Regionen gesehen, das war aber das erste Mal, dass unser Team zwei Kampagnen - aus Frankreich und Russland - entdeckt hat, die aktiv miteinander in Interaktion traten.
Nathaniel Gleicher, Facebook
Gleicher: „Wir haben in der Vergangenheit Beeinflussungsoperationen in diesen Regionen gesehen, das war aber das erste Mal, dass unser Team zwei Kampagnen - aus Frankreich und Russland - entdeckt hat, die aktiv miteinander in Interaktion traten.“ Die Fake-Accounts der Franzosen und der Russen hätten einander Freundschaftsanfragen geschickt, die Inhalte des anderen kommentiert und die Gegenseite in Postings kritisiert.
Propaganda sollte Gegenseite schlecht aussehen lassen
Beide Kampagnen hatten zum Ziel, die Gegenseite im öffentlichen Diskurs schlecht aussehen zu lassen: Die Franzosen machten auf Französisch und Arabisch Stimmung gegen angebliche russische Einflussnahme in Zentralafrika und versuchten, Frankreichs Politik in den einstigen Kolonien Westafrikas gut aussehen zu lassen. Die Russen hielten mit Fake-Accounts dagegen, die laut Facebook im Gegensatz zu den französischen von einheimischen Sympathisanten mit Inhalten bespielt wurden.
Neben den Vereinten Nationen und ihren europäischen Partnern beteiligt sich Frankreich aktiv an den Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, Frieden und Stabilität in diesen Ländern wiederherzustellen.
Französisches Verteidigungsministerium
Im französischen Verteidigungsministerium äußert man sich unkonkret zu den Propagandavorwürfen. Man habe in den letzten Monaten eine Zunahme bei Desinformationskampagnen beobachtet, welche zur Destabilisierung Westafrikas beitragen würden und zu verurteilen seien. „Neben den Vereinten Nationen und ihren europäischen Partnern beteiligt sich Frankreich aktiv an den Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, Frieden und Stabilität in diesen Ländern wiederherzustellen“, heißt es in einer Stellungnahme.
Die von Facebook erhobenen Anschuldigungen werde man überprüfen, noch sei aber nicht klar, wer die Verantwortung dafür trage. Die russische Regierung hat in der Vergangenheit trotz Indizien wie der berüchtigten „Trollfabrik“ in St. Petersburg stets dementiert, sich online in politische Debatten im Ausland einzumischen.
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