Rat vom Google-Chef

Tipp für Street-View-Gegner: "Einfach umziehen"

Web
28.10.2010 13:41
Während Datenschützer aus aller Welt lautstark gegen die Ablichtung von Häusern für den Street-View-Dienst von Google protestieren, hat dessen Vorstandschef einen simplen Vorschlag zur Lösung des Problems parat: In einem Interview mit CNN empfahl Eric Schmidt all jenen, die sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, den Standort zu wechseln. "Für StreetView fahren wir exakt einmal vorbei – Sie können [danach] also einfach umziehen", so Schmidt, der damit eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, dass Street View keinerlei dauerhafte Überwachung darstelle.

Eric Schmidt ist Fettnäpfchen gewöhnt. Erst im Frühjahr hatte er dafür plädiert, dass Jugendliche nach der Pubertät ihren Namen ändern können sollten, um sich ihrer digitalen Fußabdrücke zu entledigen. Mit seinem Umzug-Sager dürfte Schmidt den Bogen jetzt jedoch überspannt haben: US-Medien sprechen von einem "epischen Fehltritt"; besonders scharf kritisiert wird, dass der Suchmaschinenkonzern nicht nur die Privatsphäre verletzt, sondern sich darüber offenbar auch noch lustig macht.

Wie immer in solchen Fällen, ist man bei Google nun um Schadensbegrenzung bemüht. In einem E-Mail an diverse US-Medien versuchte Schmidt klarzustellen, dass seine Bemerkung aus dem Kontext gerissen worden sei. "Ich habe mich offensichtlich versprochen. Wenn Sie sich über Street View Sorgen machen und Ihr Haus entfernt haben wollen, nehmen Sie bitte mit Google Kontakt auf und wir werden es entfernen", schrieb Schmidt weiter und versuchte zu beruhigen: "Wir lesen Ihre Gmails nicht". Wenn Daten über Nutzer herausgegeben würden, dann nur auf richterlichen Beschluss.

Italien leitet Ermittlungen gegen Google ein
In Italien zeigt man sich von derlei Aussagen indes wenig beeindruckt. Wegen möglicher Verletzung der Privatsphäre nahm die italienische Staatsanwaltschaft am Mittwoch Ermittlungen gegen Google auf. Nur wenige Tage zuvor hatte Spanien ein Verfahren gegen den Konzern wegen möglicher Datenschutzverstöße bei dessen Street-View-Dienst eingeleitet.

Auch in Googles Heimatland ermitteln die Staatsanwälte: Die Chefankläger aus 38 Bundesstaaten hatten sich im Juli zusammengeschlossen, um herauszufinden, inwieweit Google mit der Aufzeichnung der Daten aus ungesicherten Funknetzwerken gegen Gesetze verstoßen hat. Auch wollen sie sicherstellen, dass sich Derartiges nicht wiederholt.

Wettbewerbsbehörde stellt Untersuchungen ein
Immerhin: Einen kleinen Etappensieg kann Google trotz aller Ausrutscher doch feiern: Die US-Wettbewerbsbehörde FTC hat ihre Ermittlungen eingestellt. In einem Brief an Googles Anwälte gab sich die FTC mit der Zusicherung von Google zufrieden, die aufgeschnappten Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen zu löschen beziehungsweise nicht zu verwenden.

"Wegen dieser Verpflichtung, beenden wir unsere Untersuchung", schrieb der Chef der Verbraucherschutzabteilung, David Vladeck, am Mittwoch.

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