„Krone“-Kommentar

Tauziehen um Armenien

Kolumnen
10.06.2026 20:00

Im Kaukasus leben zwei kleine christliche Nationen, Georgier und Armenier, über denen ein großer Schatten liegt: jener des großen Bruders, Putins Russland. Das jüngste Wahlergebnis in Armenien zeigt, wie sich die Kaukasusvölker nach Europa orientieren wollen.

Moskau lässt keine Mittel, keine Einmischung aus, um beide Staaten als ihr historischer Patron bei der Stange zu halten. Motto: Was dem Zaren gehörte, gehört auch Putin. Der ist allerdings zurzeit in der Ukraine gebunden.

Das Tauziehen läuft dennoch auf Hochtouren: Einerseits wird der Westen als verfaulendes, dekadentes „Gayeurope“ dargestellt im Gegensatz zu Moskau als Leuchtturm der Christenheit, andererseits wird wirtschaftlicher Druck bis hin zu Importsperren ausgeübt. In beiden Ländern werden russlandtreue Oligarchen als Opposition aufgebaut, deren Reichtum größer ist als die jeweils staatlichen Budgets.

Armeniens Regierungschef Niko Paschinyan ist zum besonderen Ärgernis Putins geworden. Er sagte ihm öffentlich im Kreml die Vorzüge der Demokratie und die Enttäuschung über Russlands Machtspiele ins Gesicht – wie es kein NATO-Partner gegenüber Trump wagen würde. Gleichzeitig baut Paschinyan die Isolation Armeniens gegenüber der Türkei und Aserbaidschans ab. Tauwetter liegt in der Luft.

Das ist gut für Europa, denn von dort kommt die Energieversorgung. Eingreifen kann Europa nicht.

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