06.11.2020 09:45 |

Nichtraucherschutz

Ein Gastro-Jahr ohne Qualmen: Was es gebracht hat

Das Rauchverbot in der Gastronomie ist jetzt etwa ein Jahr lang in Kraft und - es wirkt. Aber: Durch E-Zigaretten hat sich ein neues Lungenleiden bei Jüngeren entwickelt!

Nach langem Hin und Her wurde am 1. November 2019 endlich das Rauchverbot in der Gastronomie umgesetzt. Jetzt gerade haben wir tatsächlich dringlichere Probleme, was aber nicht bedeutet, dass Nichtraucherschutz im öffentlichen Bereich langfristig unwichtiger geworden wäre! Denn SARS-CoV-2 befällt und schädigt ganz besonders die Lunge, hat umgekehrt bei Personen, die bereits angegriffene Atmungsorgane aufweisen, leichteres Spiel.

Zudem geht es um nachhaltiges Umdenken. Auf der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie zogen die Experten Bilanz. Zunächst die gute Nachricht: Österreich hat in einem Ranking der Europäischen Krebsgesellschaften von 36 Ländern den Aufstieg vom letzten auf Platz 20 geschafft.

Univ.-Prof. em. Dr. Manfred Neuberger, Österr. Akademie der Wissenschaften, kritisiert aber den bis jetzt oft zu laschen Umgang mit den erforderlichen Maßnahmen. So fehlten in etlichen Bereichen - vor allem bei der Verwendung von E-Zigarette, Shisha und anderen inhalierten Nikotinprodukten in Lokalen - ausreichende Kontrollen. Denn die Gefahr, die davon ausgeht, wird immer noch weitreichend unterschätzt oder nur unzureichend kommuniziert.

Verdampfer sind auch keine Alternative
„Auch Werbung und Handel im Internet müssten für alle Nikotinprodukte unter Kontrolle gebracht werden. Die am Markt beworbenen E-Zigaretten und Tabakerhitzer dienen nicht der Entwöhnung, sondern führen dazu, dass Konsumenten, die sonst nie begonnen hätten, zu diesen neuen, gerade für Junge attraktiven, Nikotinprodukten greifen. Das verdreifacht die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu Tabakrauchern werden!“

Lungenversagen bei jungen Menschen
Oder haben Sie vielleicht schon je etwas von EVALI gehört? Diese „akute Dampferkrankheit“, auf englisch „E-cigarette or vaping associated lung injury“, sorgte im Vorjahr in den USA für Entsetzen. Dadurch kam es in nur acht Monaten zu 2807 Spitalsaufnahmen (76% jünger als 35 Jahre), mit Magen-, Darm- und Atemproblemen, beidseitiger Lungenentzündung ohne infektiöse Ursache, akutem Lungenversagen, wie Prof. Neuberger berichtet. Zwar hat das österreichische Tabakgesetz E-Zigaretten mit Tabak-Zigaretten gleichgestellt, nicht jedoch beim Verbot charakteristischer Aromen. Eine Umfrage an 13- bis 16-jährigen Schülern ergab, dass mehr als ein Drittel bereits Erfahrung mit Nikotinprodukten hatten, etwa jeder zweite mit Shisha, jeder dritte mt E-Zigaretten.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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Montag, 30. November 2020
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