Anfang Oktober haben wir unsere Leser gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, der eine Vielzahl an Aspekten der Pflege behandelte. Bei einigen Punkten war es möglich, persönliche Anmerkungen zu machen, was sehr stark genutzt wurde.
Unsere Leser meinen:
Bitten an Sozialversicherung und Politik:
Man kann eindeutig erkennen, dass sich die meisten Pflegenden nicht genügend unterstützt fühlen und im Akutfall oft alles zu langsam geht (daher unser Titel, denn ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin schrieb, dass man keine Wahl hätte, wenn ein Pflegeplatz nötig ist und man nehmen müsse, was eben gerade da ist, egal, ob es den Bedürfnissen des Betroffenen entspricht oder nicht).
Wir bedanken uns für die wertvolle Mitarbeit und präsentieren hier die wichtigsten Ergebnisse, die von "euroSEARCH dialog" ausgearbeitet wurden: Jeder zweite Teilnehmer an der Befragung gab an, Pflegende/r zu sein, jeder dritte verfolgt das Thema interessiert, sieben Prozent haben sich darüber noch keine Gedanken gemacht. Nur 15 Prozent sind mit der Pflegesituation in Österreich zufrieden, doppelt so viele, nämlich 30 Prozent gar nicht. 56 Prozent sind teilweise zufrieden.
Überforderung bei Demenz und Depressionen
An erster Stelle jener Erkrankungen, die von Angehörigen besonders gefürchtet werden, stehen Alzheimer, Demenz und Depressionen, gleichrangig mit Immobilität und Lähmung. Hierbei herrscht laut Lesermeinungen auch die meiste Überforderung, sogar bei Ärzten und Pflegepersonal. Dazu Mag. Robert Oberndorfer, Caritas Socialis: "Die Studie bestätigt spezialisierte Pflege- und Betreuungsangebote: Alzheimerbetreuung, Hospizbegleitung und Unterstützung der Autonomie der Menschen – so lange das möglich ist in den eigenen vier Wänden. Pflegebedürftige dürfen nicht allein gelassen werden. Würde ist ein Menschenrecht. Es ist der Auftrag der Bürger an die Politik, dies umzusetzen und nicht kaputt zu sparen!"
Eindeutiger Bedarf besteht bei einem leider nur selten angesprochenen Thema: Nicht weniger als 71,4 Prozent wünschen sich als organisatorische Hilfestellung Hospizbegleitung!
Auf die Frage, was man als Pflegefall selber gerne hätte, würde jeder zweite (54 Prozent) am liebsten durch Pflegedienste zu Hause betreut werden, 26 Prozent begäben sich am liebsten in die Obhut der Familie. Einem Heim stimmen nur 18 Prozent zu. "Das Wohlbefinden älterer Menschen in einer Pflegeeinrichtung steht und fällt mit der Qualität der Betreuung. Deshalb sehen wir unsere Mitarbeiter als das wichtigste Potenzial. Nicht zuletzt durch umfassende Mitarbeiterförderung und -entwicklung wurden Innovationen wie das Fitness77+Programm für Hochbetagte oder die Ernährungsinitiative Genussvoll G'sund möglich", berichtet Prof. Rudolf Öhlinger, SeneCura.
87 Prozent meinen, dass man über das mögliche Eintreten eines Pflegefalles bereits frühzeitig sprechen solle, auch wenn es sich oft um ein Tabuthema innerhalb der Familie handelt. Finanzielle Vorsorge würden 45 Prozent gerne treffen, können es sich aber nicht leisten. Immerhin legt ein Drittel Geld für Pflege beiseite, aber 15 Prozent haben noch nicht einmal darüber nachgedacht. "Beinahe drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass das staatliche Pflegegeld nicht, bzw. eher nicht reicht. Dies geht schlussendlich auch zu Lasten der Qualität in der Betreuung. Je früher man mit einer privaten Pflegeversicherung beginnt, desto geringer sind die Einzahlungsbeträge. In der Umfrage zeigt sich, dass rund 30 Prozent bis zu 50 Euro pro Monat aufwenden würden. Ein Betrag, der gerade bei jungen Menschen mehr als ausreichend wäre, um später für den Fall der Fälle abgesichert zu sein“, rät Generaldirektor Dr. Franz Kosyna, Donau Versicherung AG Vienna Insurance Group.
Aus Zuneigung und Dankbarkeit
In Sachen Menschlichkeit eröffnet sich ein hoffnungsvolles und berührendes Bild: 82 Prozent geben als Grund für ihre Pflegetätigkeit "Zuneigung" an und 59 Prozent "Dankbarkeit". Grund genug, die unzähligen Angehörigen zu unterstützen. Denn 75 Prozent sind durch die Pflegetätigkeit in ihrem eigenen Lebensrhythmus beeinträchtigt, 52,5 aufgrund ständiger Verfügbarkeit isoliert, 76 Prozent klagen über seelische, 64 Prozent über körperliche Belastungen. Kostenlose Angebote für Seminare, Selbsthilfe, Stressmanagement, Supervision, aber auch zeitliche Entlastung wären daher dringend gefordert! Otto Scheiflinger von den "Wie daham"-Pflegezentren: "Die Studie verdeutlicht, dass sich die Menschen professionelle und qualitative Unterstützung wünschen. Wir setzen uns daher für den Abbau der Hemmschwelle im ambulanten und stationären Bereich sowie für hochwertige Pflege ein. Pflege darf nicht zur Last werden!"
Dass sich 84 Prozent Frauen an der Umfrage beteiligt haben, ist nicht verwunderlich. Laut Statistik sind sie die pflegerische Stütze in unserem Land. Finanzielle Abgeltung gibt es keine, obwohl dies dem Gesundheitsbudget Unsummen ersparen würde
Karin Podolak, Kronen Zeitung
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