17.09.2020 15:04 |

Ermittlungen laufen

Patientin nach Hackerangriff auf Klinik gestorben

Ein IT-Ausfall an der Düsseldorfer Uni-Klinik beruht nach Angaben der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auf einem Hackerangriff mit Erpressung, im Fachjargon „Ransomware“ genannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, da eine Patientin in ein Wuppertaler Krankenhaus gebracht werden musste - und starb.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Wissenschaftsministerin des deutschen Bundeslands, sagte am Donnerstag im Landtag, die Täter hätten nach Kontakt zur Polizei die Erpressung zurückgezogen.

Aus einem Bericht des Justizministers ging hervor, dass vergangene Woche 30 Server des Klinikums verschlüsselt wurden. Auf einem Server wurde ein Erpresserschreiben hinterlassen, das allerdings an die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Uni gerichtet war. In dem Schreiben forderten die Erpresser zur Kontaktaufnahme auf - eine konkrete Summe nannten sie nicht.

Erpresser übergaben Polizei den Schlüssel
Die Polizei habe dann Kontakt aufgenommen und den Tätern mitgeteilt, dass durch ihren Hackerangriff ein Krankenhaus - und nicht die Uni - betroffen sei. Damit seien Patienten erheblich gefährdet. Die Täter hätten daraufhin die Erpressung zurückgezogen und einen digitalen Schlüssel ausgehändigt, mit dem die Daten wieder entschlüsselt werden können. Die Ermittler haben laut Bericht daher den Verdacht, dass das Uni-Klinikum nur zufällig betroffen war. Inzwischen seien die Täter nicht mehr erreichbar.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Gegen die Unbekannten wird jetzt auch wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, da eine lebensbedrohlich erkrankte Patientin, die in der Nacht auf den 12. September laut Bericht „mittels Rettungsdienst in das Universitätsklinikum Düsseldorf hätte eingeliefert werden sollen, an ein weiter entferntes Krankenhaus in Wuppertal verwiesen werden musste“. Ihre Behandlung habe erst mit einstündiger Verspätung stattfinden können. Sie starb kurze Zeit später, so der Justizminister.

Ein Sprecher der Düsseldorfer Uni-Klinik betonte am Donnerstag, dass sein Haus zu diesem Zeitpunkt bereits von der Notfallversorgung abgemeldet gewesen sei. Rettungswagen hätten das Krankenhaus nicht mehr angefahren. Was genau in der Nacht passierte, ist noch unklar.

Lücke in „weltweit verbreiteter Zusatzsoftware“
Bei dem Hacker-Angriff sind nach bisherigen Erkenntnissen keine Daten gestohlen oder unwiederbringlich gelöscht worden. Das hätten Untersuchungen von IT-Experten ergeben, teilte das Spital mit. Die Hacker hätten eine Schwachstelle in einer Anwendung ausgenutzt. „Die Sicherheitslücke befand sich in einer marktüblichen und weltweit verbreiteten kommerziellen Zusatzsoftware“, teilte die Klinik mit. Die Angreifer hätten dafür gesorgt, dass nach und nach Systeme ausfielen und ein Zugriff auf gespeicherte Daten nicht mehr möglich war.

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Aufgrund des Umfangs des IT-Systems und der Fülle an Daten können wir noch nicht abschätzen, wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird.

Ekkehard Zimmer, Uniklinik Düsseldorf

Die Klinik rechnet nun damit, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis Patienten wieder normal behandelt werden können. „Aufgrund des Umfangs des IT-Systems und der Fülle an Daten können wir noch nicht abschätzen, wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird“, sagte der Kaufmännische Direktor Ekkehard Zimmer. „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir in den nächsten Tagen die Zeitspanne besser abschätzen können und dann auch Schritt für Schritt wieder für unsere Patientinnen da sind.“

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