„Äußerste Maßnahme“

Trockenheit: Erste Gemeinde dreht Trinkwasser ab

Steiermark
16.07.2026 16:30

Das gab es in der Steiermark wohl noch nie: Weil das Wasser knapp wird, schaltet eine Gemeinde im Norden des Landes jetzt nachts die Wasserversorgung ab. Die Verantwortlichen appellieren eindringlich an die Bevölkerung, jeden Liter zu sparen.

Was bislang im Wasserland Österreich unvorstellbar war, wird nun Realität: Wegen akutem Wassermangel kappt die Gemeinde Gaishorn am See (Bezirk Liezen, Steiermark) seit dieser Woche jede Nacht zwischen 22 und 6 Uhr die öffentliche Wasserversorgung. Nach Informationen der „Krone“ dürfte es sich um die erste Kommune Österreichs handeln, die zu diesem Schritt greifen muss. Ende Juni hatte die niederösterreichische Gemeinde Pöggstall eine ähnliche Ankündigung nie in die Tat umgesetzt.

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Bitte verwenden Sie Trinkwasser ausschließlich für lebensnotwendige Zwecke. Reduzieren Sie  den Verbrauch auf das absolut notwendige Mindestmaß.

Bürgermeister Werner Haberl

„Bitte verwenden Sie Trinkwasser ausschließlich für lebensnotwendige Zwecke“, appelliert Bürgermeister Werner Haberl auf der Gemeinde-Homepage an die Bevölkerung. Blumen gießen, Rasen sprengen, Autos waschen oder Pools befüllen sind bis auf Weiteres tabu. Nur so könnten die Hochbehälter über Nacht wieder ausreichend gefüllt und die Trinkwasserversorgung tagsüber sichergestellt werden.

Die Verantwortlichen informieren unter anderem über die Gemeindehomepage.
Die Verantwortlichen informieren unter anderem über die Gemeindehomepage.(Bild: Krone KREATIV/Gemeinde Gaishorn)

Bei Feuer gilt weiter: Wasser marsch!
Dass trotz der nächtlichen Abschaltungen niemand Angst vor einer Unterversorgung haben muss, betont Florian Dormann von der Freiwilligen Feuerwehr Gaishorn. „Es sitzt rund um die Uhr jemand am Regler, der im Ernstfall sofort bedient werden kann“, sagt er auf „Krone“-Anfrage. Zudem sehe der Löschplan vor, dass Tanklöschfahrzeuge aus den Nachbargemeinden aushelfen. „Die Triebener beispielsweise haben einen Tiefbrunnen, die helfen uns im Notfall aus.“ Für den 22-Jährigen ist die Situation beispiellos: „Ich habe auch mit unseren 80-jährigen Kameraden gesprochen – niemand kann sich an eine derartige Trockenheit erinnern.“

Der Regen der letzten Stunden hat sie Situation nicht entschärft.
Der Regen der letzten Stunden hat sie Situation nicht entschärft.(Bild: Gabriele Moser)

Gebührenerhöhung steht im Raum
Ganz ohne Probleme kommt allerdings auch die Nachbargemeinde Trieben nicht durch den Sommer. Zwar sorgt dort ein Tiefbrunnen für den Großteil der Versorgung, doch im Ortsteil Dietmannsdorf sind die Quellschüttungen stark zurückgegangen. „Wir mussten bereits eine Bypassleitung von Trieben Stadt dorthin legen“, erzählt Bürgermeister Klaus-Emmerich Herzmaier. Als Ursache nennt er neben der Trockenheit auch die ausgebliebene Schneeschmelze.

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Was nichts kostet, ist für viele offenbar nichts wert. Deshalb müssen wir mittlerweile auch über höhere Wassergebühren nachdenken.

Bürgermeister Klaus-Emmerich Herzmaier

Der Ortschef weist auf einen weiteren Aspekt im Zusammenhang mit der Trockenheit hin, der viele Gemeinden in den kommenden Jahren beschäftigen dürfte: die Kosten der Wasserversorgung. „Ich glaube, den wenigsten ist bewusst, wie teuer uns das als Gemeinde kommt“, sagt Herzmaier. Um die Versorgung langfristig sicherzustellen, werden derzeit zwei neue Quellen erschlossen. Allein dafür seien Investitionen von bis zu 140.000 Euro nötig. Weil Appelle an die Vernunft oft ungehört verhallten, denkt die Gemeinde inzwischen sogar über höhere Wassergebühren nach. „Trinkwasser ist zum Trinken da – nicht zum Autowaschen oder Rasensprengen.“

Autowaschen verboten
Die Situation passt zu den aktuellen Daten: Österreich verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig sind die Pegelstände zahlreicher Flüsse ungewöhnlich niedrig. Auch andernorts wird deshalb reagiert: So gilt etwa in München bis Anfang August ein Verbot, private Pools zu befüllen, tagsüber ist dort auch das Autowaschen untersagt.

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