15.04.2020 14:59 |

Verschwörungstheorien

Handymast vor Spital mit Corona-Fällen angezündet

In sozialen Netzwerken kursieren dieser Tage viele Verschwörungstheorien - unter anderem, dass 5G-Funk die Ausbreitung von Covid-19 begünstige. In einigen EU-Ländern hat das gravierende Folgen. Allein in Großbritannien zündeten 5G-Gegner in den vergangenen Wochen 40 Handymasten an. Viele davon waren nicht einmal mit 5G-Sendeanlagen ausgestattet.

Der jüngste Zwischenfall durch die Verbreitung solcher Gerüchte: Im britischen Birmingham zündeten laut einem „Guardian“-Bericht 5G-Gegner einen Vodafone-Handymast direkt vor dem NHS Nightingale Krankenhaus an. Die Folge: Im Spital, in dem zahlreiche Covid-19-Patienten behandelt werden, gibt es keinen Empfang mehr und die Patienten sind der letzten Möglichkeit beraubt, mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu treten.

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Brandstifter, bitte denkt darüber nach, was ihr da tut. Stellt euch vor, eure Mutter, euer Vater, eure Oma oder euer Opa liegen in dem Spital. Stellt euch vor, dass ihr sie kein letztes Mal sehen oder hören könnt, nur weil ihr eine gefährliche Lüge geschluckt habt.

Vodafone-Chef Nick Jeffery

Der britische Vodafone-Chef Nick Jeffery machte seinem Ärger im Business-Netzwerk LinkedIn Luft. „Brandstifter, bitte denkt darüber nach, was ihr da tut. Stellt euch vor, eure Mutter, euer Vater, eure Oma oder euer Opa liegen in dem Spital. Stellt euch vor, dass ihr sie kein letztes Mal sehen oder hören könnt, nur weil ihr eine gefährliche Lüge geschluckt habt.“

Es sei herzzerreißend genug, dass Familien nicht am Krankenbett ihrer schwer erkrankten Angehörigen Platz nehmen könnten, da brauche es nicht auch noch brandstiftende Verschwörungstheoretiker. Neben Patienten und Angehörigen ist auch das Personal des Krankenhauses betroffen. Ärzten und Krankenschwestern habe man mit der Brandstiftung die Möglichkeit genommen, ihre Kinder oder Partner anzurufen.

5G-Gegner attackieren auch Mobilfunk-Techniker
In Großbritannien sorgen 5G-Verschwörungstheorien im Internet seit Wochen für eine Welle der Kriminalität. Insgesamt 40 Handymasten - 20 allein von Vodafone - wurden in Brand gesteckt, viele davon waren noch nicht einmal mit 5G-Sendetechnik ausgestattet. Überdies gibt es Anfeindungen gegen Mitarbeiter von Mobilfunkfirmen. Vom Chef des Providers BT hört man, dass 39 Außendienstler seines Unternehmens verbal oder physisch attackiert wurden, manche hätten gar Morddrohungen erhalten.

Nicht nur in Großbritannien brennen Handymasten, sondern auch in den Niederlanden. Dort wurden in der letzten Woche vier Brandanschläge auf Handymasten verzeichnet. Die niederländische Regierung schaltete die Sicherheits- und Antiterrorismusbehörde NCTV ein. Die NCTV sprach von einer „beunruhigenden Entwicklung“. Eine Störung der Sendemasten könne „Folgen für die Abdeckung des Telekommunikationsnetzes und die Erreichbarkeit von Notfalldiensten haben.“

Verbreitung finden 5G-Verschwörungstheorien vor allem in sozialen Medien und über Messenger wie WhatsApp. Die Vereinten Nationen warnten erst kürzlich vor einer „gefährlichen Epidemie der Desinformation“, die während der Covid-19-Krise im Internet um sich greife.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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