16.11.2019 15:41 |

Brite wird Cyborg

„Ich sterbe nicht, ich transformiere mich!“

2017 wurde beim britischen Robo-Experten Peter Scott-Morgan die Nervenkrankheit ALS - prominenter Leidensgenosse war der 2018 verstorbene Physiker Stephen Hawking - diagnostiziert. Die Ärzte gaben ihm zwei Jahre. Doch der Wissenschaftler ist ein Kämpfer und hat sich entschieden, seinem körperlichen Verfall mit Technologie entgegenzutreten. Er will sich zum Cyborg umbauen und erklärt: „Ich sterbe nicht, ich transformiere mich!“

Dem 61-Jährigen wurde zuletzt der Stimmapparat entfernt, die Speise- komplett von der Luftröhre getrennt und letztere mit einem Beatmungsgerät verbunden. Der Hintergedanke: ALS-Patienten sterben häufig durch Lungenentzündungen, die entstehen, weil sie Speichel einatmen, berichtet die „Bild“. Ein Risiko, das bei Scott-Morgan nun nicht mehr besteht.

Doch der Preis ist hoch: Scott-Morgan kann nun nicht mehr sprechen. Stattdessen kommuniziert er mit seinen Mitmenschen über einen Sprachcomputer, den er dank Eye-Tracking mit den Augen steuert. Unterstützt wird er dabei von Künstlicher Intelligenz, die Gesprächspartner erkennen und passende Sätze vorschlagen soll. Damit hofft er, flüssiger mit seinen Mitmenschen kommunizieren können als einst Stephen Hawking, der ebenfalls einen Computer als Sprechhilfe hatte.

Sprachcomputer wurde stundenlang trainiert
Unterstützt wird Scott-Morgan auf seinem Weg zum Cyborg von Hightech-Firmen wie Intel und DXC. Bei der Programmierung seines Sprachcomputers habe er - noch vor der letzten OP - intensiv mitgeholfen und Dutzende Stunden Worte und Laute eingesprochen, damit der Rechner seine Emotionen ebenso wie seine Stimme als Avatar nachbilden kann. Laut dem Bericht funktioniert das sogar sprachübergreifend: Will der angehende Cyborg jemandem etwas in einer fremden Sprache erklären, übernimmt kurzerhand der Computer die Übersetzungsarbeit.

Neben dem Stimmapparat hat Scott-Morgan noch andere Teile seines Körpers durch Technologie ersetzen lassen. Ernährt wird er über eine Magensonde, zusätzlich hat er einen Blasenkatheter und einen künstlichen Darmausgang. Dem Tüftler sei es darum gegangen, beim WC-Gang nicht von Pflegern abhängig zu sein. „Aufs Klo zu gehen ist so retro“, scherzt Scott-Morgan. Über sein neues Beatmungsgerät sagt er, es sei „viel leiser als das von Darth Vader“.

Scott-Morgan hofft auf Exoskelett statt Rollstuhl
Für die Zukunft hofft der kämpferische Brite, dass der technische Fortschritt seine Wandlung zum Cyborg beschleunigt. Statt seines Rollstuhls wünsche er sich irgendwann ein Exoskelett, mit dem er wieder gehen kann. Überhaupt brauche er seinen Körper nur, um „mein Gehirn am Leben zu erhalten“, den Rest soll moderne Technik erledigen. Vielleicht hebe er ja eines Tages sogar mit Drohnentechnik ab, lässt Scott-Morgan durchblicken.

Für andere ALS-Patienten ist die Geschichte des Briten jedenfalls eine inspirierende, die Hoffnung gibt. Kürzlich habe sich ein anderer ALS-Patient bei ihm gemeldet, der schon Kontakt zu Sterbehilfe-Organisationen gesucht habe, durch seine Geschichte aber neue Hoffnung geschöpft habe und nun erst einmal auf neue technologische Entwicklungen warte.

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