Theresia Emma Mohr

Staatsmeisterin nach einer chaotischen Anreise

Sport-Mix
04.06.2026 11:46
Porträt von Olaf Brockmann
Von Olaf Brockmann

Das „wettkampfmäßige Gehen“ wird allgemein belächelt und als exotische Sportart abgetan. Doch Theresia Emma Mohr, eine 20-jährige Vorarlbergerin, schickt sich an, diesen Sport in Österreich wieder salonfähig zu machen. Im Prater wurde sie Staatsmeisterin und machte damit einen großen Schritt zur EM in Birmingham. Und das nach einer chaotischen Anreise!

Auf der Hauptallee war Theresia Emma Mohr im Endeffekt wieder einmal nicht zu bremsen. Über die Halbmarathon-Distanz hatte sie auf den ersten Kilometern etwas Probleme, blieb sogar einmal kurz stehen, kam dann aber „ins Rollen“ und ließ dann in 1:42:51 Stunden die Konkurrenz (auch die deutschen Gegnerinnen) stehen. Obwohl sie gegen Ende des Rennens noch Seitenstechen bekam.

Nachts kaum geschlafen
Eine gewaltige Leistung, wenn man die Hintergründe der Anreise bedenkt! Die war nämlich chaotisch. Die Vorarlbergerin wollte am frühen Mittwochabend von Altenrhein nach Wien fliegen. Aber am Gate wurde ihr mitgeteilt, dass der Flug gecancelt wurde. Was tun? Sie rief ihre Schwester Anna Maria an, die sie in der Nacht mit dem Auto nach Wien chauffierte. Die beiden kamen erst morgens in Wien an, wobei Theresia Emma Mohr kaum schlafen konnte.

Theresia Emma Mohr
Theresia Emma Mohr(Bild: Olaf Brockmann)

Dennoch war sie letztendlich auf dem Rundkurs im Prater hellwach, holte sich überlegen den Titel. Sie eilt heuer von Erfolg zu Erfolg, hatte zuletzt schon drei Rekorde in einem Rennen fixiert. Mit dem Sieg und dieser Zeit untermauerte sie ihre sehr gute Chance für eine Teilnahme bei der EM in Birmingham.

Auf den Spuren von Viera Toporek
Die von Claudia Lüthi trainierte Athletin wird sich ziemlich sicher für die Europameisterschaften in Birmingham (10. bis 16. August) qualifizieren. Dann wäre sie seit über drei Jahrzehnten die erste Geherin seit Viera Toporek sein, die Österreich bei einer internationalen Meisterschaft vertritt. Zwischen 1990 und 1992 startete Toporek über 3000 m in der Halle bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie über 10 km Straßengehen bei der Freiluft-WM 1991 in Tokio.

Viera Toporek war damals in den Medien präsent. In der „Kronen Zeitung“ schrieb ich seitenweise über sie. Mit ihren 15 ÖLV-Rekorden, ihrem guten Aussehen und den feschen Outfits konnte sie sich bestens vermarkten. Ja, ihr Mann Martin Toporek, selbst ein Weltrekordler im Hallen-Gehen, zeichnete sogar Aktbilder von seiner Viera, um mit dem Erlös davon ihr Training mitzufinanzieren. Bei einer Vernissage in der „Wolke“ aus der Serie „Women in Motion“ wurden einige Zeichnungen blitzschnell verkauft. Auch in Magazinen wurde das „PinUp“ portraitiert, in „Basta“ einmal ganzseitig mit dem Titel „Gewagte Schritte“. Kurzum die Toporeks waren ein Thema.

„Ein bunter Vogel“ im Augarten
Martin Toporek, für die „Krone“ damals „ein bunter Vogel“, nahm in Kauf, dass er mit seiner Sportart belächelt wurde. Deshalb drehte er im Augarten oft erst bei Anbruch der Dunkelheit seine Runden. Schließlich sieht das Sportgehen in seinem Bewegungsablauf unnatürlich aus. Dies kann man aus der Regel des Weltverbandes TR54.2 nachzuvollziehen: „Wettkampfmäßiges Gehen ist eine Abfolge von Schritten, die so gesetzt werden, dass der Athlet dabei so Kontakt mit dem Boden hat, dass ein (mit menschlichem Auge) sichtbarer Kontaktverlust nicht vorkommt. Das ausschreitende Bein muss vom Moment des Aufsetzens auf den Boden bis zur senkrechten aufrechten Stellung gestreckt (d.h. am Knie nicht gebeugt) sein.“

Genau diese Technik hat Theresia Emma Mohr mit ihren gerade 20 Jahren schon nahezu perfektioniert. In Podebrady war sie nur eine von zwei Athletinnen in den Top Ten, die keine Verwarnung wegen einer unkorrekten Gangart erhielt. Experten sehen bei ihr noch deutlich „Luft nach oben“, sie könne sich im Halbmarathon sicher noch um drei Minuten verbessern. Womit sie in der Weltklasse angelangt wäre. Belächelt wird sie ohnehin schon lange nicht mehr.

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