Die Kritik an Herbert Kickl und seiner Rede am 1. Mai reißt nicht ab. Im Mittelpunkt stehen die Erziehungsansichten des FPÖ-Chefs gegenüber Kindern mit Migrationshintergrund. Die SPÖ fordert nun eine Entschuldigung und startete dazu sogar eine Petition.
Zur Erinnerung: Kickl schwärmte in seiner fast einstündigen Rede am Urfahraner Jahrmarkt in Linz über die „gute alte Zeit“ in Österreich. „Es war eine Zeit, wo die Ausländer in den Schulklassen die Minderheit gewesen sind – und Integration war eine Bringschuld. Die haben das selber leisten müssen.“
Kickl: „... das hat niemandem geschadet!“
Und dann sagte der 57-Jährige den entscheidenden Satz: „Und wenn sie nicht gespurt haben, dann hat ein Lehrer, der noch eine Respektsperson gewesen ist, ein bisserl nachgeholfen – und das hat niemandem geschadet, wenn ich das so sagen darf!“ Kickl hob dabei kurz seine rechte Hand, die offenbar eine Ohrfeige darstellen sollte.
Auch Nationalrat befasste sich mit Kickl-Sager
Die Wogen gehen seither innenpolitisch hoch. ÖVP, SPÖ und NEOS verurteilten diese „inakzeptable Entgleisung von Kickl auf das Schärfste“ und brachten Ende Mai im Nationalrat einen gemeinsamen Antrag dazu ein. Darin hieß es, dass jedes Kind frei von Gewalt, Angst und Zwang groß werden solle. Der Schutz von Kindern müsse für alle politischen Entscheidungsträger oberste Priorität haben. Der Antrag fand – mit Ausnahme der FPÖ – einhellige Zustimmung.
Kickl: „Habe das Wort Watsche nie in den Mund genommen“
Im Nationalrat hatte Kickl damals betont, das Wort Watsche nicht in den Mund genommen zu haben. Fehlverhalten müsse aber auch Konsequenzen haben: „Wenn man etwas liebt, heißt das nicht, dass man immer lieb sein muss.“ FPÖ-Bundesrat Andreas Arthur Spanring ergänzte in einer späteren Sitzung, dass die entsprechende Aussage Kickls „bewusst missverstanden“ wurde.
Babler: „Rote Linie überschritten“
Doch die SPÖ will Kickl in der Causa nicht vom Haken lassen. Der FPÖ-Chef habe Gewalt an Kindern verharmlost und Zeiten verherrlicht, in denen „nachgeholfen“ wurde, wenn ein Kind nicht gespurt hat, betonte der rote Bundesparteichef und Vizekanzler Andreas Babler am Mittwoch. Mit einer Geste habe Kickl zudem eine „Watsche angedeutet“. Eine rote Linie sei überschritten worden.
„Wir wollen nicht zurück in diese Zeiten“, pochte Babler. Jedes Kind habe das Recht, gewaltfrei aufzuwachsen. Wer dieses Recht infrage stellt, habe in einem öffentlichen Amt nichts verloren. „Entschuldigen Sie sich bei Familien und Kindern für diese Entgleisung“, appellierte er an Kickl.
Entschuldigen Sie sich bei Familien und Kindern für diese Entgleisung.
SPÖ-Chef Andreas Babler mit einer Aufforderung an FPÖ-Chef Herbert Kickl.
Die SPÖ sprach am Mittwoch zudem vom Start eines Schulterschlusses mit der Zivilgesellschaft. Die diesbezügliche Petition kann man auf der SPÖ-Homepage unterschreiben.
„Kinder brauchen Grenzen und Regeln, aber ohne Gewalt“
Thomas Graf, Leiter eines Kinderschutzzentrums, erläuterte die negativen Folgen von Gewalt in der Kindheit – Ängste, Depressionen, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Bindungs- und gesundheitliche Probleme sowie das Risiko, dass die Kinder später selbst Gewalt anwenden. Kinder bräuchten Grenzen und Regeln, aber ohne Gewalt und Angst.

„Pädagogische Bemühungen torpediert“
Österreich habe zum Glück eine stolze Tradition im Bereich der Kinderrechte, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Kinderfreunde, Daniela Gruber-Pruner. Tätigen Erwachsene in Entscheidungsfunktionen aber derartige Aussagen, torpediere das die pädagogischen Bemühungen. Wer Verantwortung für Traumata und lebenslange psychische Probleme tragen will, könne sich bei Kickls Ideen etwas abschauen, meinte auch der Bundessekretär der Roten Falken, Ruben Pfundner.
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