Digitales trifft auf viele Jahrhunderte alte Substanz: In den berühmten Fürstenzimmern der Salzburger Festung wurde mithilfe eines 3D-Verfahrens eine alte Holzvertäfelung restauriert. Das Ersatzstück sieht täuschend echt aus.
Alle blicken in der Goldenen Stube der Fürstenzimmer gespannt auf sie: Restauratorin Florentina Woschitz passt das kleine Holzfaserstück an der defekten Stelle im jahrhundertealten Zirbenholz ein. Es sieht täuschend historisch aus, besteht auch kritische Expertenblicke.
3D-Druck für Restaurationsarbeiten wird handwerkliche Techniken nicht ablösen, aber sinnvoll ergänzen.

Florentina Woschitz, Restauratorin
Bild: Sabine Salzmann
Ein Team aus Entwicklern vom Baumanagement der Burgen und Schlösser, der Fachhochschule und einem Architekturbüro experimentierten im Vorfeld monatelang mit möglichen Materialien und Verfahren. „Wir haben geforscht, getestet, verworfen und wieder neu gedacht“, erzählt Thomas Trattner vom Büro Baukultur2.
3D-Druck-Verfahren greift Erbe nicht an
Die Botschaft „Wir können Holz jetzt drucken“ habe zuerst noch Skepsis ausgelöst. Die Denkmalschützer überzeugte schließlich, dass bei dem Verfahren die historische Substanz genau vermessen und überhaupt nicht angegriffen werden muss. Das sogenannte Inlay – ähnlich einer Zahnfüllung – besteht aus Holzfasern. Trattner erklärt: „Die hauchdünne Membran legt sich wie ein Kleid über die Bruchstelle.“
Für die letzten Arbeitsschritte war noch die Restauratorin gefordert: „Es ging um die farbliche Anpassung. Ich habe die Oberfläche mit einer Heizspachtel bearbeitet“, erklärt Woschitz, wie der Farbton des jahrhundertealten Holzes imitiert wird. Beim Einpassen wird schließlich noch ein wenig Acrylkleber aufgetragen, der in Zukunft rückstandsfrei auch wieder entfernt werden könnte.
Die Technik überzeugte auch Denkmalschützerin Eva Hody. Eine ältere, schlecht restaurierte Stelle im Holz der Fürstenzimmer zeige klar, dass 3D-Druck neue Möglichkeiten eröffne. Außerdem: „Wir haben die Hoffnung, dass der Alterungsprozess bei dem Material ein anderer ist.“ Die Vertäfelung ist schon mehr als 500 Jahre alt und dunkelt deshalb nicht mehr nach.
An der Fachhochschule Salzburg experimentiert Stefan Kain mit 3D-Druck-Materialien für Restaurationsarbeiten. In einem weiteren Projekt wurde auf einem Gemälde ein vergoldeter Schriftzug, der schon abblätterte, erfolgreich erneuert.
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