Mo, 18. März 2019
12.03.2019 01:00

Schon gefahren

KTM 790 Adventure/R: Bereit fürs große Abenteuer

Aufsteigen, Motor anwerfen und einfach losfahren - ganz egal, wohin die Reise geht, dein Motorrad bringt dich über jeden noch so unwegsamen Pfad. Wer hat davon nicht auch schon geträumt? Mit den neuen KTM-Modellen 790 Adventure und vor allem 790 Adventure R muss es nicht beim Traum bleiben. Ein Jahr nach dem erfolgreichen Start mit der 790 Duke steckten die Mattighofener ihren ersten Reihen-Zweizylinder auch in eine Reiseenduro, die diesen Namen wirklich verdienen soll. Mit dem ehrgeizigen Ziel, das offroadtauglichste Reisemotorrad (Standard-Modell) bzw. das reisetauglichste Offroadmotorrad (R-Variante) auf die Speichenräder zu stellen. Die „Krone“ konnte sich Anfang März bei härtesten Bedingungen in Marokko davon überzeugen, ob dies auch gelungen ist…

Weniger kann oft mehr sein, im konkreten Fall einer Reiseenduro gilt das auf jeden Fall fürs Gewicht und meist auch für die bei Enduros wegen ihrer Bodenfreiheit stolze Sitzhöhe. Da wird man abseits befestigter Wege über jedes eingesparte Kilo ebenso froh sein wie über die Möglichkeit, festen Boden mit den Füßen zu erreichen. Ihr erstes Argument bringt die 790 Adventure also gleich auf die Waage: Mit 209 Kilo steht sie vollgetankt bereit, das sind trocken unter 190 Kilo und ein Eck weniger als bei der Konkurrenz im Mittelklasse-Adventurebike-Segment.

Die Sitzhöhe fällt beim Standard-Modell mit 830 bis 850 Millimeter moderat aus (mit der Möglichkeit, sie mit Zubehör-Sitzen bzw. Fahrwerks-Optionen auf bis zu 800 Millimeter zu reduzieren oder auf 865 mm zu erhöhen), die R kommt fahrwerksbedingt auf 880 Millimeter, was bei Fahrern unter 1,80 Meter doch ein gewisses Maß an Routine voraussetzt.

Wenn man dann einmal im Sattel sitzt, fällt einem sofort die spielerische Handlichkeit des Motorrads auf. Die begründet sich vor allem im weit nach unten gezogenen Tank, der 20 Liter Sprit unterbringt und für Reichweiten von 400 bis 450 Kilometer sorgt. Selbst bei anspruchsvollen Geländepassagen sorgt der niedrige Schwerpunkt gleichermaßen für hohe Agilität und Beherrschbarkeit. Perfekt für den Ritt über Stock und Stein sind auch die endurotypischen Raddimensionen von 21 Zoll vorne und 18 Zoll hinten, was aber auch dem Kurvenspaß auf Asphalt keinerlei Abbruch tut.

Der eingangs erwähnte, in seinen Abmessungen ebenso kompakt wie leichte Parallel-Twin, bei dem schon in der Entwicklung darauf Bedacht genommen wurde, dass er auch in ein Adventure-Bike eingebaut wird, wurde gegenüber der Duke in der Leistung von 105 auf 95 PS gekappt und dafür mit einer gleichmäßigeren Drehmomentkurve versehen. Womit das Aggregat nun von unten heraus harmonischer beschleunigt, sich aber trotzdem seine Spitzigkeit bewahrte, man sich in keiner Situation untermotorisiert fühlt. Formidabel arbeitet der Quickshifter, mit dem die Gänge ohne zu Kuppeln rauf- und runtergezappt werden können, der im Unterschied zur Duke jedoch leider bei beiden Adventure-Modellen aufpreispflichtiges Zubehör (392 Euro) ist.

5-Zoll-TFT-Farbdisplay
Natürlich kommt das mit LED-Lichtern ausgestattete Motorrad zeitgemäß mit allen nur erdenklichen technischen Fahrhilfen vom Kurven-ABS bis zur Traktionskontrolle daher, ein Street- bzw. ein Offroad-Modus bringen diese Parameter für den jeweiligen Einsatz sehr gut in Einklang. Wer die Abstimmung selbst individueller gestalten möchte, braucht den in der R serienmäßigen (und für die S um 195 Euro erhältlichen) Rally-Mode, in dem sich Gasannahme und neunstufige Traktionskontrolle selbst justieren lassen. Dann gehen auch kontrollierte Drifts leichter von der Gashand. Alles einfach, auch während der Fahrt, einzustellen mit den Schaltern am linken Lenker und abzulesen am übersichtlichen 5-Zoll-TFT-Farbdisplay. Welches sich in Verbindung mit der My-Ride-App von KTM zur Kommunikationszentrale für Musik, Telefonate oder Routenführung erweitern lässt.

R-Fahrwerk setzt Maßstäbe
Das Fahrwerk? Schon im S-Modell mit seinen 200 Millimeter Federweg vorne wie hinten wirklich gelungen! Die nicht einstellbare Gabel bügelt Unebenheiten selbst bei sportlichem Tempo gut weg, spricht ordentlich an, auch das Federbein wartet mit einem guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort auf. Man würde kaum auf den Gedanken kommen, daran etwas ändern zu wollen - wenn es diese R nicht gäbe: Denn die setzt fahrwerksmäßig neue Maßstäbe im Reiseenduro-Bereich. Mit der sonst nur in den EXC-Crossmodellen verbauten 48-Millimeter-starken XPLOR-Upside-Down-Gabel vorne und dem PDS-Federbein hinten (jeweils 240 Millimeter Federweg, jeweils voll einstellbar) ist das Grinsen unterm Helm inklusive, wenn man über Felsen, Schlaglöcher etc. hinwegfliegt. Wir fuhren knapp 300 Kilometer am Hinterrad von Könnern wie Dakar-Legende Marc Coma oder Sam Sunderland, dem diesjährigen Dritten und Sieger 2017, quer durch die Wüste - ob über Dünen oder auf flotten Schotterpassagen: Die 790 Adventure R war nicht an ihre Grenzen zu bringen. Ready to race, was sonst?

Auch die von KTM in Zusammenarbeit mit dem spanischen Hersteller Juan entwickelten Bremsen passen ins harmonische Bild bzw. zur Vielseitigkeit des Motorrads: Nicht zu giftig für den Offroad-Einsatz (bei deaktiviertem ABS am Hinterrad) und doch straff genug, um die Fuhre auf Asphalt entsprechend zu verzögern, wenn der Anker geworfen werden muss.

Die Qual der Wahl
Gut sind beide Modelle, welches das richtige für einen selbst ist, wird beim Motorradkauf wohl auch die Emotion mit entscheiden. Die Unterschiede zwischen R und S sind jedenfalls rasch aufgezählt: Neben dem erwähnten Fahrwerk und der Sitzhöhe hat die S (13.999 Euro) serienmäßig einen höheren Windschild (um 40 Millimeter verstellbar, jedoch nur mit Werkzeug), eine zweigeteilte, bequemere Sitzbank, die R (15.199 Euro) wiederum breitere, fürs Stehendfahren optimale Fußrasten, einen hohen Kotflügel vorne und diesen wirklich empfehlenswerten Rally-Mode. Bis aufs Fahrwerk lässt sich jedoch jedes dieser Features aus dem Zubehör-Katalog fürs jeweils andere Modell dazu ordern, kann man sich sein Motorrad also auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Und dann heißt es wirklich nur noch: Aufsteigen, Motor anwerfen, einfach losfahren. Es mussja nicht gleich in die Wüste sein. Aber es kann…

Wolfgang Haenlein

Warum?
Weil da draußen kein anderes Serienmotorrad Reise- und Offroadtauglichkeit derart gut miteinander verbindet
Leichtgängiges Handling durch tiefen Schwerpunkt
Reichweiten von +400 Kilometern

Warum nicht?
Weil ich die asphaltierten Straßen ohnehin nie verlasse

Oder vielleicht …
… Hondas Africa Twin, auf die Yamaha Tenere 700 warten bzw., wenn man es noch leichter haben mag, mal die neue 690 Enduro R aus dem KTM-Portfolio ausprobieren.

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