Di, 26. März 2019
06.03.2019 18:14

Besser wegschauen

Elf Highlights und ein Totalflop am Genfer Salon

Genf bleibt ein Fixakkord im Reigen der europäischen Automessen, auch wenn eine Reihe von Herstellern dieses Jahr die Leistungsschau am Lac Leman (7. bis 17. März 2019) schwänzt. Das Fernbleiben von Jaguar, Land Rover, Volvo & Co ermöglicht anderen, teils kleineren Autobauern, groß aufzutrumpfen. Hier elf Highlights der Ausgabe 2019 - und ein Totalflop, der Augenschmerzen verursacht.

Mazda ist so eine Marke, die dieses Jahr so mächtig auftritt wie nie. Sonst in Genf immer aufgereiht zwischen Ford und Honda, haben die Japaner nun die zentrale Position übernommen, die sonst immer Volvo innehatte, gleich gegenüber von Rolls-Royce und in Sichtweite zu BMW und Mercedes. Ja, es geht Richtung Premium bei Mazda. Dort sind sie zu Erstaunlichem fähig - sogar dazu, eine Auto-Neuheit zu präsentieren, von der nicht das kleinste unscharfe Futzel eines Fotos im Internet aufgetaucht ist.

Mazda CX-30
Nicht einmal der Name wurde erraten. Auf CX-30 wäre auch niemand gekommen. Es ist praktisch die SUV-Version des wunderschönen Mazda3, der am 22. März zum Händler kommt. Mit 4,40 Meter Länge ist er zwischen CX-3 und CX-5 positioniert, die Motoren übernimmt er vom 3er. Marktstart für den CX-30 ist im Herbst - von Anfang an auch mit dem Selbstzünder-Benziner, auf den wir im Mazda3 vorläufig noch warten müssen.

Skoda Kamiq
Die Tschechen bringen endlich einen legitimen Nachfolger für den Yeti. Das Gesicht des Kamiq ist zwar nicht so sympathisch wie das des seligen Vorgängers, aber mit 4,24 Meter Länge und 1,79 Meter Breite trifft er ziemlich genau dessen Maße. Nur in der Höhe unterläuft er ihn deutlich, der Kamiq schafft es unter einem gut 1,53 Meter flach aufgelegten Balken durch. Das Kofferraumvolumen beträgt 400 bis 1395 Liter, im Vergleich zum Yeti ist die Ladekante aber höher und breiter. Unter der Haube besteht die Wahl zwischen zwei Benzinern mit 115 bzw. 150 PS, einem 115-PS-Diesel sowie einem 90 PS starken CNG-Antrieb. Der Kamiq stammt vom Scala ab, hat aber 36 mm mehr Bodenfreiheit. Optional gibt es ein Fahrwerk, dessen Dämpfer zwischen komfortabel und sportlich umgeschalten werden können.

Fiat Centoventi
Die Italiener haben in Genf alle überrascht mit ihrem Kleinstwagen-Konzept namens Centoventi, das optisch an den seligen Panda 1 erinnert. Der 3,70-Meter-Floh wird elektrisch angetrieben. Seine serienmäßige Reichweite beträgt nur 100 Kilometer, gegen Aufpreis kann man aber vier weitere Batterien dazubestellen, wodurch man dann auf 500 Kilometer kommen soll. Eine der Batterien kann man mit nach Hause nehmen und dort laden. Das ganze Auto ist modular aufgebaut, es lässt sich mit mehr als 100 Extra-Teilen individualisieren. Da stört es auch nicht, dass für die Karosserie nur die Farbe Grau angeboten werden soll. Das Ganze soll besonders günstig verkauft werden.

Honda e-Prototype
Ganz so kess wie die ursprüngliche Studie Urban EV ist er nicht, aber trotzdem kein Elektroauto wie viele andere. Mit versteckten hinteren Türgriffen ahmt er die zweitürige Studie nach. Statt Außenspiegeln gibt es Kameras. Unter einer Klappe auf der Front verbirgt sich die Ladebuchse, über die man bis zu 200 Kilometer Reichweite (WLTP) tanken kann. Aus Spaßgründen wird die Hinterachse angetrieben. Angesichts der geringen Reichweite sollte man sich aber zurückhalten. Die Markteinführung ist für 2020 geplant, in Europa sollen vorerst 5000 Stück verkauft werden.

Peugeot 208
Ein Feschak, wie er im Buche steht, ist der Peugeot 208 mit seinen Säbelzahnleuchten vorne, den Krallenspuren hinten und dem frischen Interieur mit hochgelegtem i-Cockpit. Der Franzose wird sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch - als e-208 - mit 100-kW-Elektromotor kommen. Eine Batterie mit 50 kWh verspricht 340 Kilometer WLTP-Reichweite, der Kofferraum fasst 270 Liter.

Seat el-born
Ausschließlich elektrisch ist Seats Studi el-born unterwegs, die auf dem kommenden VW ID. basiert und einen Ausblick bietet auf das erste E-Auto der Spanier. Das Highlight ist aber eigentlich der Name, denn „el-born“ klingt, als würde es von „electrical born“ oder so kommen, also gleichsam als Elektroauto geboren. Tatsächlich ist El Born aber ein angesagtes Viertel in Barcelona. Die Optik ist eher konservativ als futuristisch. Die E-Maschine leistet 150 kW/204 PS und beschleunigt den Familienstromer in 7,5 Sekunden auf 100 km/h. Nach WLTP sollen dank 62-kWh-Akku 420 Kilometer drin sein.

Mercedes CLA Shooting Brake
Daimlers Kombi-Coupé sieht gleichermaßen gut aus, wie es praktisch ist. Trotz flach verlaufender Dachlinie mangelt es auf der Rückbank in keiner Weise an Kopffreiheit, überhaupt ist insgesamt mehr Platz als im Vorgänger. Vor allem lassen sich aber nun auch breitere Gegenstände einladen. Auch Außenabmessungen, Radstand und Spur sind gewachsen. In Sachen Assistenzsysteme ist der CLA nah an der S-Klasse. Die Motoren reichen bis 225 PS.

Piëch Mark Zero
Toni Piëch, der Sohn von Ferdinand Piëch und Marlene Porsche, verlegt die Familien-Rivalitäten auf die Straße und stellt einen heißen Elektro-Sportwagen vor. Zwar soll es erst gegen Jahresende einen fahrbereiten Prototypen und in drei Jahren ein Serienfahrzeug geben, aber die Optik ist schon mal mehr als gelungen. Technisch gesehen verspricht der sympathische Spross der großen Familie einiges: drei Elektromotoren mit je 150 kW, also insgesamt 612 PS, mit einem 75-kWh-Akku 500 Kilometer WLTP-Reichweite und dank neuer Batteriezellentechnik unter fünf Minuten Ladezeit, bis der Akku zu 80 Prozent voll ist. Das Fahrzeug bringt nur 1,8 Tonnen ohne Fahrer auf die Waage, weil auf eine Flüssigkeitskühlung des Stromspeichers verzichtet werden kann.

Bugatti La Voiture Noire
Ein bisserl ärger geht immer bei Bugatti. Die französische Luxusmarke zelebriert ihr 110-jähriges Jubiläum mit einer Hommage an den legendären Bugatti Type 57 SC Atlantic. Das Einzelstück in der Form eines Grande Tourisme ist bereits verkauft und mit elf Millionen Euro netto der nunmehr teuerste Neuwagen der Welt (in Österreich würde „das schwarz Auto“ also 17.424.000 Millionen Euro kosten). Der 16-Zylinder-Mittelmotor mit acht Litern Hubraum leistet 1500 PS. Warum der Name? Ettore Bugattis Sohn Jean entwickelte und fuhr einen von nur vier hergestellten Type 57 SC Atlantic. Sein Modell nannte er „La Voiture Noire“ - das schwarze Auto. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Fahrzeug spurlos. Heute gilt es als eines der großen Rätsel der Automobilwelt mit einem unbeschreiblichen Wert.

Ferrari F8 Tributo
Der Nachfolger des 488 bekommt den stärksten V8, den Ferrari je in Serie gebaut hat. Der 3,9-Liter-V8-Turbo leistet 720 PS (50 PS mehr als beim 488) und bietet ein maximales Drehmoment von 770 Nm bei 3250/min. auf. Im Vorgängermodell war diese Version des Achtzylinders der Spitzenausführung „Pista“ vorbehalten. Darüber hinaus soll der F8 von einem gegenüber dem 488 um rund 40 Kilogramm verringerten Gewicht (Trockengewicht: 1330 kg) sowie einer um 10 Prozent besseren Aerodynamik profitieren. Wer das Potential ausschöpft, erreicht nach 2.9 Sekunden Tempo 100 und nach insgesamt 7,8 Sekunden 200 km/h. Das Maximaltempo gibt Ferrari mit 340 km/h an.

Aurus Senat
So etwas haben wir noch nie live gesehen: Dieses Schiff sieht von vorn aus wie ein Rolls-Royce, von hinten wie ein Bentley und von der Seite wirkt es auch nicht wie ein russischer Oligarchenpanzer. Dabei ist Aurus eigentlich zuständig für automobilen Luxus in Russland, etwa für die Limousinen von Präsident Putin. Zu haben ist der Aurus Senat, der in der Kurzversion 5,63 Meter und in der Langversion 6,63 Meter lang ist, in gepanzerten und ungepanzerten Versionen. Als Verbrenner sitzt hinter dem massiven Kühlergrill ein von Porsche mitentwickelter 4,4-Liter-Biturbo-V8 mit Elektromotorunterstützung, der es auf 598 PS und 880 Nm Drehmoment bringt. Das Neungang-Automatikgetriebe ist eine Aurus-Eigenentwicklung. Für den Spurt von Null auf 100 km/h werden 6 Sekunden genannt.

Voll-Flop, der in den Augen wehtut: Mercedes S-Klasse Cabrio von Mansory
Zu diesem Gerät will man gar nicht viel sagen, außer: Lieber nicht hinschauen!

Der Genfer Salon ist auf jeden Fall eine Reise wert, es gibt so viel zu sehen. Vom Kleinstkonzept bis hin zu sündhaft teuren, exklusiven Sportwagen. Nicht dabei sind Ford, Opel, Volvo, Jaguar Land Rover, Mini und Hyundai. Auf der IAA in Frankfurt im Herbst wird diese Liste noch länger sein: praktisch kein Japaner, kein Franzose, kein Rolls-Royce, kein Volvo usw. ist dabei.

„Bald wird es nur noch eine Automesse in Europa geben, und diese wollen wir sein“, sagt Olivier Rihs, der designierte Direktor des Genfer Autosalons. Die Preise sprechen für ihn: Mit einem Quadratmeter-Preis von 110 Franken (97 Euro) soll Genf um ein Drittel billiger sein als etwa die Konkurrenzveranstaltungen in Frankfurt oder Paris.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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