Wie beängstigend die Unterschiede auf der Straße sind, hat ein Testszenario gezeigt. "Die Annahme war eine Notbremsung bei 80 km/h auf nasser Fahrbahn. Wenn man mit dem Pirelli Cinturato P6, dem Nässe-Sieger in der kleineren Dimension, gerade noch rechtzeitig vor dem Hindernis stehen bleiben kann, kracht man mit den Nässe-Versagern noch mit fast 50 km/h in dieses Hindernis", warnt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel.
Nicht alle Markenreifen taugen etwas
Teure Reifen sind zwar immer noch besser als billige, überraschend schwach war für die Tester aber das Ergebnis eines renommierten Herstellers. Der Goodyear DuraGrip rangierte schon lange nicht mehr so weit hinten in einem Reifentest. Er kommt wegen seines problematischen Nässe-Verhaltens nur auf ein "bedingt empfehlenswert".
Finger weg von den Chinesen!
Sieben Reifen schneiden im Test mit „nicht empfehlenswert“ ab. Der Hauptgrund auch hier: die Ausrutscher auf Nässe. Durchwegs am unteren Ende der Bewertungsskala finden sich alle fünf chinesischen Billigprodukte. Unter den 17 Typen der Dimension 225/45 R17 W/Y gibt es gleich fünf inakzeptable Nässebeurteilungen: den Sunny SN3800, den Wanli S-1063, den Goodride Neza200, den Sava Intensa und den Nankang Noble Sport NS-20.
In der Testgröße 185/65 R15 H fallen heuer bei Nässe der Goodride Radial S06 und der Interstate Touring IST-1 völlig durch. Der Lassa Impetus Revo, der Ceat Tornado und der Goodyear DuraGrip sind mit zwei Sternen nur wenig besser und dager nur "bedingt empfehlenswert".
Die kleine Größe
Dass es auch besser geht, zeigt das obere Ende der Skala. Bester bei Nässe in der Dimension 185/65 R15 H ist der Pirelli Cinturato P6 mit dem kürzesten Bremsweg auf nasser Fahrbahn. Er überzeugt auch im Verschleiß. Mit vier Sternen ebenfalls "sehr empfehlenswert" sind der Nokian H, der auf trockenem Parcours besonders gut war, der Continental ContiPremiumContact 2, der Dunlop SP Sport Fastresponse und der Uniroyal RainExpert.
Im oberen Mittelfeld der drei Sterne-Modelle liegen der Michelin Energy Saver und der Bridgestone Turanza ER300 Ecopia. Sie konnten bei Nässe nicht ganz vorne mitmischen. Der Michelin Energy Saver ist dafür im Verschleiß unschlagbar und liegt auch im Spitzenfeld beim Spritsparen.
Die große Größe
In der größeren Dimension 225/45 R17 W/Y überzeugt der Pirelli Cinturato P7 bei der Sicherheit, im Spritverbrauch und im Verschleiß. Ebenfalls in der Spitzenklasse und "sehr empfehlenswert" sind der Dunlop SP SportMaxx TT, der Continental ContiSportContact 3, der brandneue Michelin Pilot Sport 3 und der Bridgestone RE050 A.
Erfreulicherweise gibt es eine recht gute Mittelklasse mit durchaus preiswerten Produkten: Gleich sieben Reifen in der größeren Dimension erhielten drei Sterne und ein "empfehlenswert". "Am Ende der Wertungsskala zeigt der Intensa von Sava (gehört zu Goodyear/Dunlop) aus slowenischer Produktion, dass Totalversagen auf Nässe kein chinesisches Privileg ist", so der ÖAMTC-Experte.
Problematisch: Sommerreifen aus Fernost mit "M+S"-Kennzeichnung
Ein weiteres Problem wurde am Rande der Reifentests bestätigt. "Wir haben bereits vergangenes Jahr festgestellt, dass viele chinesische Billig-Sommerreifen mit einer 'M+S'-Kennzeichnung versehen sind. Das mag zwar in den USA so Sitte sein, in Europa ist das aber eine, leider gesetzlich legale, Irreführung der Konsumenten", kritisiert Eppel. In Österreich gelten Reifen mit der M+S-Kennzeichnung vor dem Gesetz als Winterreifen. "Möglich ist das, weil es weder in Österreich noch in der EU ausreichend definierte Standards gibt, wofür die Bezeichnung M+S verwendet werden darf. Hier sollte die EU endlich eine verlässliche und aussagekräftige Kennzeichnung von Winterreifen ins Leben rufen", fordert der ÖAMTC-Reifenexperte.
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