BMW-Motorräder müssen meistens ein bisserl schief dreinschauen, das macht sie auf den ersten Blick anders als andere Bikes. So hat auch die K 1300 R zwei unterschiedliche Scheinwerfer. Unterhalb ist der Unterschied zwar nicht für jeden Laien zu erkennen, dafür technisch aber umso relevanter. Die Duolever-Aufhängung sorgt für einen langen Radstand, was nicht nur für einen stabilen Geradeauslauf sorgt, sondern vor allem auch dafür, dass das Vorderrad gerne am Boden bleibt, auch wenn hinten brachial angeschoben wird.
Edeltechnik vom Feinsten
Und die Anschiebung ist heftig: 140 Nm stehen bei 8.250/min zur Verfügung, die 173 PS 1.000/min. später. Dank der Elektronik wird diese Power auch tatsächlich in Vortrieb, nicht aber in Schwarzmalerei umgesetzt: Auf Wunsch gibt es eine Traktionskontrolle, mit der sich Ungeübte an ihre Grenzen herantasten können, die aber auch alte Rennsäue nicht zu sehr einbremst. Und wenn doch, ist sie abschaltbar. Den Alltag macht sie jedenfalls stressfreier.
Weitere technische Genialitäten sind ABS (nona) und das schon fast legendäre elektronische Fahrwerk, hier in der neuesten Ausbaustufe ESA II, mit dem sich das Fahrwerk in drei Stufen und zusätzlich auch noch je nach Beladung einstellen lässt. Auf Knopfdruck. Sehr gut zum Charakter der maschine passt, dass auch die Stellung "Comfort" sich eher sportlich anfühlt.
Außerdem ist ein Schaltautomat im Angebot, mit dem man die Gänge beim Beschleunigen ohne zu kuppeln einfach reinknallen kann. Feine Sache, vor allem, wenn das Gas weit aufgedreht ist, flutscht es hier richtig geschmeidig und fast ohne Zugunterbrechung (es werden lediglich kurz Zündung und Einspritzung unterbrochen). Bei niedrigen Drehzahlen braucht's etwas Nachdruck. Im Turnschuhbetrieb wird man des öfteren die Kupplung bemühen, damit das Zehengelenk nicht so beleidigt wird. Beim Runterschalten ist die Kupplung übrigens in jedem Fall obligatorisch. "Neutral" zickt bei der Testmaschine etwas.
Keine Angst vor Mama
Fahrbereite 243 Kilo fahren sich natürlich nicht wie ein Moped, aber die dicke Bayerin ist erstaunlich handlich. Und die Beschleunigung ist heftig: 2,9 Sekunden von 0 auf 100, 5 Sekunden später stehen 200 auf der Analoguhr. Nicht ganz ideal: Für volle Beschleunigung passt mir (1,88 m groß) die Sitzposition nicht ganz, bei längerer Fahrt tut mir hier zudem der Hintern weh, und beim Bremsen hau ich mir das rechte Schienbein an der Kupplungsabdeckung blau. Ach ja, und das Licht ist nicht sonderlich stark.
Große Maschine, großes Geld: Bei 16.550 Euro fängt’s an, aber die Elektronik gehört einfach dazu, und damit sind’s dann schon rund 20.000. Lieber anderswo als hier am falschen Fleck gespart. Prädikat: Her damit!
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