Handy am Ohr

So viel wird im Auto telefoniert!

Motor
03.07.2009 17:08
Das Handy zwischen Schulter und Wange eingeklemmt, die linke Hand am Lenkrad, die rechte am Schaltknüppel – ein Klischee? Seit 1. Juli 1999 wird das Telefonieren am Steuer mit einem Mobiltelefon ohne Freisprechanlage während des Autofahrens bestraft. Wer erwischt wird, zahlt heute 50 Euro Strafe. Anlässlich des Jubiläums hat der ÖAMTC eine Erhebung unter mehr als 4.000 Autofahrern durchgeführt. Fazit: Knapp 220 der 4.000 beobachteten Fahrer telefonierten mit dem Handy am Ohr - das entspricht über fünf Prozent!

Die Mehrheit dieser Telefonierer war männlich (63 Prozent). Beobachtet wurden vorbeifahrende Lenker, jeweils eine Stunde an zehn ausgesuchten Stellen in Wien und Niederösterreich, in den Morgen- bzw. frühen Nachmittagsstunden, bei Regen und Sonne. Aus der ÖAMTC-Erhebung ergibt sich folgendes Bild: 

  • Bei Autobahn Ein- und Ausfahrten gab es über sieben Prozent "Handy am Ohr"-Fahrer, hier waren 41 Prozent Frauen. Reizärmere Verkehrsflächen mit wenigen Ampeln, Zebrastreifen oder Fußgängern regen augenscheinlich mehr zum Telefonieren an.
  • An stark frequentierten Schulwegen mit forderndem Verkehrsumfeld (Zebrastreifen, Schülerlotse, viele Kurzanhalter, die ihre Kinder aussteigen lassen) und Regenwetter reduzierten Lenker nur in geringem Ausmaß ihre Handybenützung im Auto. Über vier Prozent der Fahrer hatten das Handy am Ohr, trotz vieler Kinder auf der Straße.
  • Stresszonen Gürtel oder innere Stadt: Zehn Prozent telefonierten trotz Engstellen und hektischen Verkehrsgeschehens ohne Freisprecheinrichtung. Das ist im Verhältnis zum Gesamtergebnis der Spitzenwert der Momenterhebung.
  • Schlechtes Wetter wirkt sich nicht nennenswert auf das Telefonierverhalten im Auto aus. 

Ablenkung führt zu Unfällen
Die Hauptunfallursachen sind Unachtsamkeit und Ablenkung und haben im Vorjahr 80 Österreicher im Straßenverkehr das Leben gekostet. "Das sind die offiziellen Zahlen des Bundesministeriums für Inneres, die Dunkelziffer ist jedoch viel höher", betont die ÖAMTC-Expertin. Auch Handys stellen eine erhebliche Ablenkung dar. Nichtsdestotrotz steigt die Zahl derer, die im Auto ohne Freisprecheinrichtung telefonieren, stetig an. Vergangenes Jahr haben etwa 116.000 Österreicher ein Organmandat oder eine Anzeige für Telefonieren ohne Freisprechanlage im Auto kassiert. Im Jahr 2007 waren es ca. 95.000, im Jahr zuvor noch rund 86.000 "Handy am Ohr"-Telefonierer. Nicht betroffen vom sogenannten "Handyverbot" sind Fußgänger und Radfahrer. Radfahrer können jedoch sehr wohl belangt werden, wenn sie aufgrund der Ablenkung durch das Telefonieren einen Fahrfehler begehen. 

Autofahrer sehen der Gefahr telefonierend ins Auge 
Eine ÖAMTC-Blitzumfrage im vergangenen Jahr unter 552 Personen gibt Aufschluss über deren Einstellung zu Ablenkungen und Unachtsamkeit im Straßenverkehr. "Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt" wurde spontan als häufigster Grund zur Ablenkung genannt. Rund ein Viertel der Befragten gaben an, das Handy fast immer während der Fahrt zu nutzen (telefonieren und SMS). 11 Prozent gestanden, deshalb schon in brenzlige Situationen geraten zu sein. Nur 55 Prozent der Vielfahrer verwenden eine Freisprechanlage. Bei denen, die das Auto mehrmals pro Woche nützen, sind es sogar nur 49 Prozent. "Es ist die Tendenz zu beobachten: Je seltener Menschen mit dem Auto fahren, desto seltener verwenden sie eine Freisprechanlage", zeigt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin auf.

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