Tödlicher Leichtsinn

Trotz geschlossener Schranken über Gleise

Motor
25.06.2009 12:04
Schrankenanlagen, Lichtzeichen und Warntafeln – die beste technische Sicherung nützt nichts, wenn Verkehrsteilnehmer sie nicht beachten: 17 Menschen starben 2008 auf österreichischen Eisenbahnkreuzungen. Jeder dritte Autofahrer in Österreich quert Bahnübergänge auch bei geschlossenem Halbschranken, bei rotem Lichtsignal sogar jeder zweite.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) befragte im Juni 2009 rund 150 Menschen in Wien zu ihrem Verhalten an Bahnübergängen und stellte fest: Zwar schätzen 93 Prozent der in Wien Befragten die Wahrscheinlichkeit, bei einer Zugkollision getötet zu werden, als hoch oder sehr hoch ein, die aktivierten technischen Sicherungsmaßnahmen sind für viele aber kein Hindernis, dennoch die Bahngleise zu überqueren. Beinahe jeder Dritte gab an, trotz geschlossener Halbschranken die Eisenbahnkreuzung zu überqueren, wobei 36 Prozent davon nicht länger als fünf Minuten warten würden. 

Bei rotem Lichtsignal sind sogar 37% bereit, die Wartepflicht vor der Eisenbahnkreuzung zu missachten und die Eisenbahnkreuzung dennoch zu überfahren. Beinahe ein Drittel (29%) hat bereits einmal einen Bahnübergang bei sich senkendem Schranken überquert. „Halbschranken und das rote Lichtsignal sind gleichbedeutend mit Vollschranken, die die gesamte Straßenbreite sperren. Ein Anhalten ist unbedingt erforderlich, denn bei Kollisionen mit Zügen sind Pkw-Lenker immer im Nachteil, die meisten derartigen Unfälle enden tödlich“, sagt Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter der Landesstelle Wien im KfV. 

Vertrauen in die Technik reicht nicht
Trotz Sicherungsmaßnahmen sollte man sich vor dem Queren vergewissern, dass kein Zug kommt. Für rund ein Viertel der Befragten ist das nicht selbstverständlich – sie vertrauen allein auf den geöffneten Schranken (26%) oder die erloschene Lichtanzeige (17%). Vor allem jene, die täglich eine Eisenbahnkreuzung überqueren, vertrauen stark auf die technische Sicherung. „Der Bremsweg von Zügen wird stark unterschätzt. 8% der Befragten schätzen den Bremsweg mit unter 100 Metern ein – ein Zug ist aber tausendfach schwerer als ein Auto und benötigt daher zum Stillstand bis zu einem Kilometer“, betont Robatsch. Besonders bei der Gruppe der unter 20-Jährigen besteht Unkenntnis in Bezug auf den längeren Bremsweg von Zügen.

Auf dem Foto ist eine Unfallstelle in Niederösterreich zu sehen, nachdem ein Autofahrer nach Polizeiangaben trotz Rotlicht nachts über einen unbeschrankten Bahnübergang gefahren war.

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