Tödliches Risiko

Gurtmuffel hinten ist für den Fahrer gefährlich

Motor
27.01.2009 13:45
Gurt anlegen, kann Leben retten: Jeder weiß es, aber nicht jeder tut es. Vor allem auf der Rückbank sind die Österreicher immer noch Muffel, was das Anschnallen betrifft. Nur etwa jeder Zweite legt laut ÖAMTC im Fond einen Sicherheitsgurt an. Ein aktueller Crashtest des Autofahrerclubs ruft in Erinnerung, dass Gurtverweigerer nicht nur sich selbst, sondern auch andere Fahrzeuginsassen gefährden. Bereits ein Aufprall bei der niedrigen Geschwindigkeit von 30 km/h entspricht einem Sturz aus vier Metern Höhe im freien Fall, erklärte Cheftechniker Max Lang.

Wer sich nicht anschnallt, muss auch bei geringer Geschwindigkeit mit schweren Verletzungen in Nacken-, Brust-, Kopf- und Kniebereich rechnen, wenn sein Wagen gegen ein Hindernis prallt. Außerdem wird die Gefahr, die von einem unangeschnallten Mitfahrer auf dem Rücksitz ausgeht, vielfach unterschätzt, warnt der ÖAMTC.

Frauen sind generell risikobewusster als Männer: Neun von zehn Lenkerinnen schnallen sich am Fahrersitz an, bei den Männer tun dies wenigstens auch 88 Prozent. "Dass auch auf der Rückbank Gurtpflicht besteht, ist noch nicht in das Bewusstsein aller Menschen vorgedrungen", sagt Lang. Nur rund 52 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer schnallen sich im Fond an.

Tödliche Gefahr von hinten
Der Test hat gezeigt: Bei einem angeschnallten Lenker sind die Belastungen bei einem Aufprall mit 30 km/h gering, Verletzungen würden nur leicht ausfallen. In einem zweiten Versuch war nur der Lenker angeschnallt, der Mitfahrer dahinter nicht. Im Crashtest schlägt der Hintermann mit Kopf, Hals und Brust auf dem Fahrersitz auf und schiebt diesen nach vorne. Dadurch berührt auch der Kopf des Fahrers das Lenkrad. Fazit der Tester: Steigendes Verletzungsrisiko auch für den angeschnallten Lenker. Letztlich schlagen die beiden Insassen mit den Köpfen zusammen.

Beim dritten Testvorgang sitzt der Lenker alleine unangeschnallt im Auto. Beim Aufprall berühren als erstes die Knie des Fahrers das Armaturenbrett - es besteht deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko für Knie und Oberschenkel. Weiters trifft die Brust mit 30 km/h auf den unteren Lenkradkranz, die Folge wären schwere Brustverletzungen und Rippenbrüche. Schließlich knallt das Kinn des Fahrers gegen den oberen Lenkradkranz, die Stirn durchschlägt die Frontscheibe, mittelschwere Kopfverletzungen sind die Folge. Auch der Hals des Fahrers trifft auf den oberen Lenkradkranz. Die dabei gemessenen Nackenbelastungen lassen bereits auf ein sehr hohes Verletzungsrisiko schließen.

Wohl gemerkt: Hier wurde mit nur 30 km/h gecrasht. Bei höherem Tempo geht der Airbag auf - der Aufprall Kopf auf Kopf wird dadurch aber nicht gemildert...

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