Gnadenfrist

Letzte Chance für Spritschlucker Hummer

Motor
27.02.2010 22:36
General Motors gibt seiner verlustreichen Geländewagen-Marke Hummer noch eine Chance. Der US-Autokonzern verlängerte die Verträge mit den verbliebenen 153 heimischen Händlern um 60 Tage, um Zeit zu gewinnen, doch noch einen Käufer zu finden. Es gebe "mehrere" Interessenten, bestätigte Hummer-Chef Jim Taylor. GM hatte angekündigt, nach dem Platzen des Hummer-Verkaufs nach China die Marke einstellen zu wollen.

Die chinesischen Behörden hatten ihr Veto zu dem Verkauf an den weitgehend unbekannten Maschinenhersteller Tengzhong eingelegt. Um ein Zeichen zu setzen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen: Die heimischen Autobauer sollen lieber umweltfreundliche Autos produzieren statt große amerikanische Spritschlucker. Außerdem habe die Führung in Peking der kleinen und international unerfahrenen Firma nicht zugetraut, Hummer wieder zurück auf die Erfolgsstraße zu führen. 

Die Geländewagen-Marke mit dem markanten kantigen Design hatte GM zuletzt viel Kummer bereitet. Hohe Spritpreise und die Wirtschaftskrise ließen die Verkäufe schrumpfen. Auf dem wichtigen Heimatmarkt wurde GM im vergangenen Jahr gerade mal gut 9.000 Hummer los - drei Jahre zuvor waren es noch mehr als 71.000 gewesen.

Das Superman-Kostüm ist zerrissen
Der Untergang des Hummer ist das Paradebeispiel dafür, wie rasant sich die Vorlieben von Autofahrern verändert haben. Noch vor wenigen Jahren genoss das Fahrzeug, das GM 1999 vom Militär-Fahrzeug-Hersteller AM General kaufte, Kultstatus. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, aber auch Schauspieler und Musiker drehten im Hummer ihre Runden. 

Die "New York Times" druckte Liebesbekundungen von Hummer-Fans ab. "Ich fühle mich wie ein Kino-Star. Junge Frauen und Teenager jubeln mir zu", freute sich ein 65-jähriger Käufer. "Es ist, als würde ich mir ein Superman-Outfit überziehen", erklärte das Mitglied eins Hummer-Fan-Clubs. "So kann ich meine Familie beschützen", sagte eine Mutter. "Wenn mich jemand rammt, ist er tot."

Hummer ist eine Gewissensfrage
Heute lesen sich diese Aussagen wie Zitate aus einer fernen Vergangenheit. Statt Jubel ernten Hummer-Fahrer heute vor allem vorwurfsvolle Blicke. Warum fahren sie mit Off-road-Fahrzeugen über gut ausgebaute Straßen und durch enge Innenstädte? Ist es verantwortbar, in Zeiten von globaler Erwärmung ein Panzer-ähnliches Gefährt zu bewegen, das auf 100 Kilometer zum Teil mehr als 25 Liter schluckt? Und kann man sich das bei den aktuellen Spritpreisen überhaupt noch leisten?

Diese Fragen beantworteten in den vergangenen zwei Jahren immer mehr Menschen mit Nein. Der Hummer-Absatz brach von fast 56.000 im Jahr 2007 auf rund 9.000 Fahrzeuge im vergangenen Jahr ein. Angesichts dieser Entwicklung waren die Reaktionen eher verhalten, als GM sein Sorgenkind im Sommer 2008 offiziell auf die Verkaufsliste setzte. Gerüchte, ein russischer Oligarch oder ein arabischer Scheich könnte sich den Hummer als prunkvolle Trophäe zulegen, erwiesen sich als falsch.

Saab-Übernahme abgeschlossen
Die niederländische Sportwagenschmiede Spyker hat nach eigenen Angaben die Übernahme des schwedischen Autobauers Saab von General Motors abgeschlossen. Die im vergangenen Monat angekündigte Übernahme sei nun beendet und die Eigentumsrechte seien übertragen. Spyker-Chef Victor Muller erklärte, die Übernahme sichere die Zukunft von Saab. Der Barkaufspreis lag bei 74 Millionen Dollar. GM behält aber Saab-Aktien im Wert von 326 Million Dollar, Spyker hat einen Kredit von 400 Millionen Euro von der schwedischen Regierung bekommen.

Auf Grundlage der Vereinbarung wird Spyker ein neues Unternehmen gründen, Saab Spyker Automobiles, das die Marke Saab in Zukunft führen wird. Saab beschäftigt in Schweden derzeit etwa 3.500 Mitarbeiter. Die Übernahme ist eine große Herausforderung für den erst elf Jahre alten Sportwagenhersteller Spyker, der seit seinem Börsengang 2004 keinerlei Gewinne machte.

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