„Jungs sind mega heiß“

Wundertüte DFB-Team: Großes Comeback nach Trauma?

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Von krone Sport

Nach zwei katastrophalen WM-Endrunden geht es für Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft um Rehabilitation auf der größten Bühne. Ob der vierfache Weltmeister in Nordamerika 2026 tatsächlich Traumabewältigung auf höchster Stufe betreiben kann, scheint fraglich. Klar ist hingegen, dass die Auswahl in Schwarz-Rot-Gold als Rekord-WM-Finalteilnehmer formunabhängig immer irgendwo im Favoritenkreis auftaucht – und sich in ihrem Selbstverständnis auch dort sieht.

Bundestrainer Julian Nagelsmann formulierte das WM-Ziel bereits direkt nach dem EM-Viertelfinal-Aus 2024 unmissverständlich, als er sagte: „Wir wollen Weltmeister werden.“ Vor dem Turnierstart bekannte er sich noch einmal dazu, den WM-Titel 2026 gewinnen zu wollen. „Ja klar, die Aussage gilt“, sagte Nagelsmann. „Ich bin mega heiß, die Jungs sind mega heiß.“ Jeder Spieler, der nominiert ist, habe die Verpflichtung, das zu zeigen, betonte der 38-jährige, frühere Bayern-Trainer.

Nagelsmanns Sinneswandel
Vom Weltmeisterteam von vor zwölf Jahren in Brasilien ist nur noch ein Spieler übrig. Und ausgerechnet dieser eine, der frühere Welttorhüter Manuel Neuer, dominierte in den vergangenen Tagen vor und nach der Kaderbekanntgabe die Schlagzeilen. Nicht nur, weil Nagelsmann den Bayern-Keeper kurzerhand wieder zur Nummer eins vor Oliver Baumann beförderte. Auch, weil der 40-jährige Neuer immer wieder mit Blessuren kämpft. Zwar dürfte die „Wade der Nation“ rechtzeitig für die entscheidenden Spiele ausheilen. Doch mediale Diskussionen scheinen bereits bei kleinen Unsicherheiten des Schlussmannes vorprogrammiert.

  Es ist ein sportliches Vabanquespiel, auf das sich Nagelsmann – auf Neuers Topform bauend – eingelassen hat. Zu anderen brisanten Nebenschauplätzen, etwa politischer Natur, soll es diesmal nicht kommen. 2022 dient als Mahnmal. „Das wird es nicht mehr geben, dass unmittelbar vor einem Spiel irgendwelche Aktionen oder Interviews gestartet werden“, sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler rückblickend auf die Debatten um die Regenbogen-Kapitänsschleifen im streng muslimischen Katar und das Teamfoto mit der Hand vor dem Mund vor dem Auftakt gegen Japan. Die Partie wurde 1:2 verloren. Am Ende stand – wie 2018 – das Vorrunden-Aus für die Deutschen.

Keine eingespielte Stammelf
Dass es zur Wiederholung dieses sportlichen Super-GAUs kommt, ist allein aufgrund der Gruppenzusammenstellung des Riesenturniers unwahrscheinlich. Die Gegner heißen – in dieser Reihenfolge – Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador. Der WM-Neuling und Weltranglisten-82. sowie die Nummern 34 und 23 der Welt dürfen in Summe kein Stolperstein sein. Geht es nach den Deutschen, ist die Vorrunde eine weitere Gelegenheit, um in den Flow zu kommen und als Team zusammenzufinden. Mit eingespielter Stammelf reiste das DFB-Team nicht in die USA.

  Die Diskussion, ob Deutschlands Angriff eine echte Neun (Deniz Undav?) braucht, reißt nicht ab und im Mittelfeldzentrum dürfte sich Nagelsmann kurzerhand auf Aleksander Pavlovic (Bayern) und Felix Nmecha (Dortmund) festgelegt haben – ein Duo, das erst zweimal miteinander gespielt hat. Das veranlasste die Süddeutsche Zeitung dieser Tage zu dem Befund: „Andere Trainer bauen ihre Mannschaft auf, nachdem sie das Zentrum in einem ersten Schritt definiert haben. Bei Nagelsmann lief es genau andersherum.“ Der Trainer füllt so eine Lücke, die er mit der Versetzung von Joshua Kimmich auf die Rechtsverteidiger-Position selbst geschaffen hatte. Die Stabilität der nicht überall hochkarätig besetzten Auswahl ist also eine offene Frage, die erst der WM-Verlauf beantworten wird.

Matthäus zählt Deutschland nicht zum engsten Favoritenkreis
Bereits im Achtelfinale droht ein Duell mit Frankreich oder Brasilien. „Der Turnierbaum ist natürlich sehr wichtig. Hat man einen Weg, der machbar ist, wie wir 1986? Da sind wir mit einer namhaften, aber nicht überragenden Mannschaft ins Endspiel gekommen“, erinnerte Lothar Matthäus im Gespräch mit österreichischen Medien. Deutschlands Rekordnationalspieler zählt das DFB-Team nicht zu den „Top fünf“ des Turniers, andere Mannschaften seien vom Spielermaterial und der Erfahrung her höher einzuschätzen. Niedrig wollte Matthäus die Messlatte dennoch nicht legen. „Wir wären zufrieden, wenn Deutschland ins Halbfinale kommt, einige gute Spiele macht und die Mannschaft uns begeistert. Dann werden sie dementsprechend empfangen.“

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