Von Panoramaglasdächern haben vor allem die Passagiere auf der Rückbank etwas, die „Zenith“ genannte laaange Frontscheibe ist dagegen was für die erste Reihe. Von außen betrachtet zieht sie sich einfach weit ins Dach hinein, von innen zieht sich der Himmel gefühlt bis ins Heck, als ob man unter freiem Himmel fahren würde. Wo sonst kann man der Beifahrerin eine zugluftfreie Fahrt mit romantischem Blick auf den Sternenhimmel bieten? Wenn es zu sonnig wird, lässt sich der Dachhimmel nach vorne ziehen, dann ist oben rum alles fast normal. Allerdings sind die Sonnenblenden zu klein und haben keinen Schminkspiegel integriert.
Cool statt kühl
Das Thema Frischluft ist allerdings ein schwieriges. Durch die große Fensterfläche heizt sich der Innenraum in der Sonne stark auf, wenn man vergisst, den Dachhimmel zuzuziehen. Und mit komplett offenem Seitenfenster fahren ist echt unangenehm, weil sich dann ein Druck aufbaut und es „wummert“. Das lässt sich nur eindämmen, in dem man das andere Fenster auch einen Spalt öffnet. Unterm Strich ist es zwar nett, dieses Panoramafenster zu haben (400 Euro Aufpreis, Serie in der Topausstattung Exclusive), allerdings wünsche ich mir immer wieder, am Dach auch Luft hereinlassen zu können. Verzichten sollte man auf den „elektrochromen Innenspiegel“, weil dann die Leitung vom Spiegel aus längs über die Fensterfläche verläuft. Und die Autobahnvignette sollte man vielleicht am unteren Scheibenrand anbringen statt mitten im Himmel (wie im Testwagen).
Praktisch, sportlich, schön
Natürlich besteht der C3 nicht ausschließlich aus der Panorama-Frontscheibe, sondern ist ein sehr gelungenes Auto. Das Design ist frisch, auch innen, alles wirkt hochwertig und schön gestylt, ohne übertrieben zu wirken, und ist auch noch praktisch. So passt in die Türen sogar je eine 1,5-Liter-PET-Flasche, das Handschuhfach ist riesig und sehr weit vom Beifahrer weggezogen, sodass der problemlos nach vorne rutschen und dem Hintermann Beinfreiheit spendieren kann. Ansonsten geht’s hinten wenig luftig zu, vor allem weil der verschiebbare Dachhimmel die Kopffreiheit einschränkt.
Das Exclusive-Lederlenkrad ist unten sportlich abgeflacht, hat einen Metalleinsatz (der fürs Auge angenehmer ist als für die Hände) und erinnert mich spontan an ein Bath'Let (Klingonen-Schwert). Der Navigationsbildschirm (Navi gibt’s im Paket ab 1.050 Euro) ist perfekt integriert, seine Bedienung zwar leicht gewöhnungsbedürftig, aber machbar, die Kartendarstellung ist gut. Ansonsten ist der C3 sowieso tadellos zu bedienen.
Es sitzt sich gut und ausreichend luftig auf den vorderen Plätzen, die Beinauflagefläche ist angenehm unkleinwagenmäßig lang. Nur die kleine Konsole in der Tür, die die Fensterheberschalter trägt, ist zu hart und vorwitzig und ärgert dadurch mein Knie. Die Rückbank ist geteilt umklappbar, hinterlässt aber eine Stufe auf der Ladefläche, und beim Wiederaufrichten klemmt man gerne den Sicherheitsgurt ein. Im Grundzustand fasst der Kofferraum respektable 300 Liter.
Gut vor allem für die Stadt
Das Fahrwerk ist französisch abgestimmt, also komfortabel. Nur derbe Unebenheiten werden ruppig weitergegeben. Eine Tendenz zum Schaukeln lässt sich nicht verleugnen, der C3 lässt sich aber flott und sicher bewegen. Auch die Lenkung ist zielgenau und durchaus gefühlvoll. Der leicht sportlich-heisere Auspuffsound des 95-PS-Testwagens passt gut zur Gesamterscheinung.
Mit dem 1.4 16V VTi 95 ist der Citroën C3 bestens motorisiert. Er schafft Tempo 100 dank kurz übersetztem Fünfganggetriebe in 10,6 Sekunden, das Maximaltempo ist 184 km/h. Schade, dass ein Sechsganggetriebe nur für den 112-PS-Diesel zu haben ist, der fehlende sechste Gang ist ein Manko. Immer wieder will ich noch mal raufschalten, wenn ich im 5. fahre. Dann wäre auch ein besserer Testverbrauch drin als die 7.8 Liter auf 100 km, außerdem wäre es für die Akustik im Innenraum gut.
Der Citroën C3 ist ein fast rundum erfreuliches Auto, bis hin zum Blinker, der jetzt endlich wieder ein normales Geräusch von sich gibt (statt des Videospiel-Sounds, der mich in so vielen französischen Autos nervt). Der Qualitätseindruck ist ein guter, obwohl im Testwagen aus dem Gebälk vor dem Beifahrersitz ein Knistern kam, dem nur mit einem herzhaften Schlag auf die schöne Zierblende beizukommen war. Ab 12.690 Euro ist der kleine Franzose zu haben, der Testwagen (Topausstattung plus Luxuspaket usw.) kommt auf rund 19.500 Euro. Ob das Botticelli-Blau wirklich jedermanns Sache ist, weiß ich nicht. Eines ist es jedenfalls nicht: langweilig. Und damit passt es bestens zum C3.
Stephan Schätzl
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