Die erste Ausfahrt in dem 155 PS starken Kleinwagen (und das ist er abseits der Emotionen) lässt das Herz höher schlagen. Das Fahrwerk ist das eines echten Sportwagen, die Reifen krallen sich in den Asphalt, der Motor wird stärker, je mehr Drehzahl er bekommt; ein Turboloch ist nicht vorhanden, die Leistung schiebt ohne Stufen an, allerdings mit deutlichem Zug nach oben. Wer zwischendurch mal verschnaufen möchte, sollte das Gaspedal sachte behandeln.
Was das Fahrverhalten im B-Segment betrifft, war bisher der Mini unschlagbar. Der Mito ist aber voll bei der Musik. Sein Radstand liegt zwischen dem von Mini und Mini Clubman, der erste Eindruck erweckt den Verdacht, dass der Mito noch besser liegt als der Konkurrent aus dem BMW-Stall. Das will ich allerdings erst nach einem ausführlichen Test behaupten. Auf jeden Fall macht der kleine Mythos (denn das heißt „Mito“ auf Deutsch) irrsinnig Spaß.
8C für alle!
Das ist auch der Anspruch, den Alfa sich auf die Fahnen schreibt: ein kleines Auto, das durch und durch ein Sportwagen ist. Nicht nur ein Kleinwagen, den es auch mit einem starken Motor gibt, sondern „der allersportlichste Kompaktwagen“. Das wird schon optisch klar, da der Mito im Prinzip wie ein „Baby-8C“ aussieht, also stark an den limitierten Sportwagen 8C Competizione angelehnt ist.
Viel Gewicht muss der Mito nicht herumschleppen: Nach DIN verteilen sich inklusive Fahrer nur 1.220 kg auf zierliche 4,06 x 1,72 x 1,44 Meter (Länge x Breite x Höhe). Trotz meiner 1,88 Meter Körpergröße habe ich absolut ausreichend Platz (nur mein rechter Schienbeinkopf liegt an der Mittelkonsole an), das Raumgefühl ist angenehm, die Anmutung sportlich und hochwertig, erst recht mit Lederausstattung. Nichts wirkt billig, an jedem Eck merkt man: Alfa will wirklich!
Sportwagentechnik serienmäßig
Und kann: 8 Sekunden von 0 auf 100, das ist schneller als im 200-PS-Brera, 215 km/h Spitze. Das maximale Drehmoment beträgt 201 Nm bzw. 230 Nm, wenn „DNA“ auf dynamic gestellt ist. DNA ist eine dreistufige Steuerung, die in Motoransprechverhalten, Lenkung und ESP eingreift: D wie dynamisch, N wie normal, A wie All Weather. Außerdem kommt der Kleine mit aktiver elektronischer Lenkung und dem virtuellen Sperrdifferential Q2.
Nicht ideal gelöst, aber wahrscheinlich ein Opfer der Karosseriesteifigkeit, ist die Kofferraumkante, die extrem hoch ist. Wer die Kante überwindet, kann 270 Liter laden, immerhin 10 mehr als im Mini Clubman (der unter vier Meter lang ist). Auch nicht ganz gelungen: Bei offenem Fenster entsteht im Innenraum ein leichtes Wummern, was eher unangenehm ist. Schade, wo doch ein Alfa ein klassisches „Ellbogen aus dem Fenster“-Auto ist.
Zum Start gibt es den Mito mit zwei Benzin-Motoren zur Auswahl: 155 PS ab 19.260 Euro und 78 PS ab 15.960 Euro, wobei diese leistungshalbierte Version namens Junior genauso sportlich abgestimmt ist wie die starke. Sieben Airbags, Klimaanlage, Zentralverriegelung oder elektrische Fensterheber sind von Grund auf serienmäßig. Weitere Motorversionen, auch Diesel, sollen folgen. Ende 2009 kommt die GTA-Version mit 230 PS. (Mit 78 PS fährt der Sportler naturgemäß mit angezogener Handbremse: 165 km/h Spitze und mehr als 12 Sekunden für den Standardsprint machen lange Zähne.)
Alkotest serienmäßig
Besonderer Gag: Es werden drei Alkoholtestsets mit ausgeliefert, die zwar im Fall einer Alkoholisierung nicht den Start verhindern, aber immerhin. Damit ist das Handschuhfach aber dann auch schon voll, es taugt eher als Kondomfach. Aber Alfa spricht ja vor allem junge Leute an und der Mito steigert den Flirtfaktor in der Zielgruppe (18 bis 35 Jahre) sicher immens…
Stephan Schätzl
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