Der Wagen soll durch einen Dreizylinder-Aluminium-Motor mit Automatikgetriebe angetrieben werden. Die CO2-Emission soll unter 100 Gramm je Kilometer liegen. Der Wagen wird mit ABS und ESP versehen. Wie im Vorfeld des Autosalons zu hören war, soll der Preis bei etwa 5.000 Euro liegen. Tata Motors hatte vor gut einem Jahr mit der Vorstellung des "Nano" in Indien als angeblich billigstem Auto der Welt Aufsehen erregt und viele Konkurrenten auf den Plan gerufen. Nach zeitlichen Verzögerungen durch Standortprobleme sollte die Produktion des Autos in Indien nun im März beginnen.
Europa muss aber noch ein wenig warten, zunächst wolle das Unternehmen den indischen Markt bedienen und dort 500.000 bis eine Million Fahrzeuge im Jahr verkaufen.
Billigstpreis wird nicht lange halten
In Indien hatte Tata als Grundpreis für den Nano, der auch breiteren Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern den Kauf eines Autos ermöglichen soll, umrechnet 1.700 Euro anvisiert. In der "Bild"-Zeitung sagte der Unternehmenschef, dieses Versprechen "zumindest am Anfang und für eine bestimmte Zeit" zu halten. Allerdings hätten sich die Zeiten geändert, seit mit den Planungen für das Auto begonnen wurde.
Nach Tata-Angaben erfüllt der Wagen die Euro-IV-Norm und die indischen Sicherheitsstandards. Der Viertürer mit einem Radstand von nur 2,20 Metern hat wie der legendäre VW Käfer einen Heckmotor. Der 33 PS starke 623-Kubikzentimeter-Zweizylinder-Motor mit Bosch-Einspritzung soll fünf Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen, was für so einen Floh gar nicht mal so wenig ist. Der 3,10 Meter lange, 1,50 Meter breite und 1,60 Meter hohe Nano kostet rund die Hälfte des nächstgünstigen Pkw in Indien.
"Mit dem Verbrauch sind wir noch nicht zufrieden", sagte der Chef der Kleinwagenprojekte bei Tata Motors, Girish Wagh. Drei Liter habe sich Tata als Ziel gesetzt.
Autos für Millionen Inder
Tata sieht die Einführung des Kleinstautos auch als Sicherheitsinitiative, mit der Millionen Inder von ihren Motorrädern, auf denen sie ihre Frauen und Kinder herumkutschieren, heruntergeholt und in Autos gesetzt werden. Zielgruppe sind damit vor allem die Mitglieder der wachsenden indischen Mittelschicht, die sich bisher nur ein Motorrad oder einen Motorroller leisten können. Zunächst sollen rund 250.000 Autos pro Jahr gebaut werden, später sollen jährlich eine Million Fahrzeuge vom Band laufen.
Branchenexperten sagen Billigautos ein atemberaubendes Wachstum voraus. Bereits 2015 sollen 30 Prozent aller Neuwagen in den Schwellenländern Einfachstautos sein, erwartet der Gelsenkirchener Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Spätestens dann sollen weltweit jährlich mindestens zehn Millionen Billigwagen in der Preisklasse unter 10.000 Dollar verkauft werden. Neun Millionen und damit der weitaus größte Teil soll in Wachstumsländern wie Brasilien, Russland, Indien und China losgeschlagen werden. Lediglich eine Million entfiele auf herkömmliche Automobilmärkte.
Renault als Billig-Vorreiter
Der französische Autobauer Renault hat mit dem aus Rumänien stammenden Logan schon vorgemacht, wie ein Auto ohne hochmoderne Ausstattung weltweit reißenden Absatz finden kann. Der seit 2004 in Osteuropa für 5.000 Euro angebotene Wagen wird mittlerweile in Indien, Iran, Marokko, Russland, Brasilien und Kolumbien montiert. Spätestens 2010 will Renault jährlich eine Million Logan verkaufen.
Dudenhöffer rechnet damit, dass sich das Kräfteverhältnis in der Branche durch die Billigmobile verschieben wird. "Ich gehe davon aus, dass Tata eine Revolution einleitet." 90 Prozent des weltweiten Wachstums werde bis zum Jahr 2020 aus Schwellenländern kommen. Die traditionellen Automobilmärkte in Nordamerika, Europa und Japan stagnieren dagegen.
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