Lichtecht

Citroën Grand C4 Picasso: Wo viel Licht ist…

Motor
29.03.2007 07:55
„Citroën Grand C4 Picasso“, so heißt der Testwagen. Nicht C4 Grand Picasso (auch wenn es so in vielen Prospekten steht) und schon gar nicht C4 Picasso (das ist der Fünfsitzer). Bei einer Licht(flut)gestalt wie dieser darf man ruhig so genau sein. Obwohl: Alles darf man nicht genau nehmen, wenn man sich an diesem wunderschönen Auto und seinen Qualitäten erfreuen will.

Der Picasso (bleiben wir bitte bei der Kurzform) ist ein wunderschöner Wagen, das muss mal gesagt werden. Elegant, einfallsreich, etwas verspielt. Am besten gefällt mir die riesige ins Dach hineingezogene Windschutzscheibe, durch die man an einem romantischen Abend herrlich Sternderl schauen kann. Tagsüber strömt ohne Ende Licht in den Innenraum, und die Rundumsicht ist hervorragend wie in einem Wintergarten. Ausziehbare Sonnenblenden helfen bei Bedarf geschickt gegen allzu stark ins Gesicht brennende Sonne, ein Glasdach über dem Passagierraum sorgt für noch mehr Lichtflut. Insgesamt sind hier ganze 6,4 m² verglast. Nur das Trapez, an dem zwei (!) Rückspiegel turnen, passt nicht ganz ins glasklare Bild. 

Licht ist den Franzosen offenbar wirklich wichtig. Das Armaturenbrett stellt eine ganze Palette von Farben zur Wahl, unter welchen der Fahrer Tag und Nacht entsprechend seinen Vorlieben wählen kann; die Bedienfelder für die Klimaanlage an den beiden äußeren Enden des Armaturenbretts sind gelb beleuchtet, und den Ablagen in den Vordertüren geht automatisch ein Licht auf, sobald sie eine Hand wittern. Im Kofferraum ist eine Taschenlampe angebracht, die während des Fahrbetriebs automatisch geladen wird. 

Großer Kinderspielplatz
Genauso viel wie Licht gibt es Platz im Picasso. Drei geräumige Handschuhfächer (eines hinter dem Lenkrad, zwei vor dem Beifahrer), Fächer in den Türen (es passt jeweils eine 1,5-Liter-Flasche stehend hinein), ein kleines Kühlfach (für 2 x 1,5 und 2 x 0,5 Liter) unterhalb des Radios und ein paar ziemlich tief liegende Ablagefächelchen. Eine größere Mittelkonsole mit Platz etwa für CDs wäre zwar praktisch, dafür können die Kinder hier im Auto fangen spielen, weil sie ungehindert vom Fahrer- zum Beifahrersitz huschen können (auch in Reihe zwei steht am Boden nichts im Weg). Der Schalthebel sitzt nämlich am Lenkrad. Aber dazu später mehr. 

Die Abmessungen (Länge 4,59 m, Breite 1,83 m und Höhe 1,66 m) sind fein ausgenutzt, so ist der Kofferraum – gemessen an der Fahrzeugklasse - riesig bis gigantisch. Je nachdem ob die zweite Sitzreihe ganz nach vorne oder hinten geschoben ist, bietet er 672 oder 576 Liter. Ist der ganze Laderaum flachgelegt, sind es fast 2.000 Liter. Mit aus dem Boden gezauberter dritter Sitzreihe (nix für Große) bleibt naturgemäß nicht mehr viel Platz für Gepäck. Die Pneumatikfederung der Hinterachse bietet die Möglichkeit, die Ladekante auf Knopfdruck abzusenken oder anzuheben, um das Be- und Entladen zu erleichtern. 

Umständlich oder verspielt?
Im Prinzip ist der Picasso also etwas zum Wohlfühlen. Als Fahrer hätte ich mir allerdings mehr erwartet. Die Bedienung ist eher umständlich. Die feststehende Lenkradnabe ist mit Knöpfen überladen, die Hupe im Eifer des Gefechts schlecht erreichbar. Das in der Mitte platzierte digitale Display ist nicht der Weisheit letzter Schluss, es ist zu weit vom Fahrer weg und die Anzeigen sind schlicht zu klein. So ist der Drehzahlmesser exakt so groß wie die Tankuhr. 

Heute schon genickt?
Was mich wirklich nervt, ist das automatisierte Schaltgetriebe. Bei jedem einzelnen Schaltvorgang frage ich mich, was einen auf die Idee bringt, so etwas zu entwickeln. Man kann es wahlweise automatisch schalten lassen oder manuell per Lenkradpaddles eingreifen. So weit, so gut. Aber in beiden Fällen dauern die Schaltvorgänge ewig, die Mitfahrer nicken jedes Mal kollektiv, außerdem verschaltet sich das Ding öfter als mancher Fahrschüler, dann heult der Motor unvermittelt auf, bis der Automat irgendwann wieder für Kraftschluss sorgt. Die Stellung des Automatikwählhebels ist schwer zu erkennen, und beim schnellen Griff zu ihm – etwa beim Parken – ist immer irgendein Hebel im Weg, meistens der Scheibenwischerschalter.

Dass die Heizung getrennt für Fahrer und Beifahrer zu regeln ist, ist löblich. Dass die Regulierungseinheit links bzw. rechts außen ist, ist auch okay. Aber bitte warum muss sich der Fahrer ganz nach rechts außen beugen, um die Temperatur auf der Beifahrerseite einzustellen, wenn er allein im Auto ist?! 

Starker, unaufdringlicher Diesel
Damit wieder zu etwas Positivem: dem Motor. 136 PS leistet der saubere Diesel im Testwagen. Damit reißt er zwar mit dem 1,6-Tonner keine Bäume aus, brilliert jedoch mit Durchzug auch aus niedrigen Drehzahlen. Nach oben hinaus wird’s etwas dünner, für die 195 km/h Höchsttempo braucht man viel Geduld. Dafür hält er sich geräuschmäßig im Hintergrund. 

Franzosen sind bekanntlich recht gefühlvoll, für die Lenkung gilt das leider nicht, sie ist etwas zu leichtgängig und vermittelt wenig Gefühl für die Straße. Wenn es ums Bremspedal herum nicht so eng wäre, gäbe es an den Bremsen nichts auszusetzen. Mit dicksohligen Schuhen kann ich aber nicht einmal voll aufs Pedal treten. Das ist gefährlich! 

Der Qualitätseindruck ist ein guter, gerade in der getesteten Exclusive-Ausstattung samt Lederpaket „Yellowstone“ wirkt vieles sogar hochwertig. Auf den zweiten Blick findet man aber bisweilen billig wirkendes Plastik, das Chrom ist nur verchromtes Plastik, und das Bedienkastl für Radio und Bordmenü, das sich hinter einer klassischen „Radio-Versteck-Klappe“ befindet, wirkt wie ein Billigradio. Schade, da wäre mehr drin gewesen.   

Fazit:
Viel Licht also beim Citroën Grand C4 Picasso. Aber wo viel davon ist, ist bekanntlich auch Schatten. Um das besonders schattige automatisierte Schaltgetriebe (EGS6) kommt man mit dem getesteten großen Diesel nur herum, wenn man die echte Automatik ordert, das geht aber zu Lasten des Verbrauchs (plus zwei Liter!) und der Spritzigkeit. In anderen Motorversionen ist ein Schaltgetriebe erhältlich, hier zeigt sich, dass EGS6 ein paar Zehntelchen sparsamer ist, aber auch lahmer.

Ansonsten gilt: Wer mit dem Schatten leben kann, hat mit dem Licht viel Spaß. Denn eines ist der Picasso – im Gegensatz zu manchem Konkurrenten - sicher nicht: langweilig.

Stephan Schätzl

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