23.04.2017 09:00 |

krone.at-Test

Samsung Galaxy S8: Randlos auf den Android-Thron?

Nachdem Samsung sein Note 7 wegen Akku-Brandgefahr im Herbst vom Markt nehmen musste, setzt der koreanische Smartphone-Gigant alle Hoffnung ins neue Galaxy S8. Mit fast randlosem Display im exotischen 18,5:9-Format und dem KI-Assistenten Bixby soll das neue Flaggschiff alle anderen Android-Smartphones das Fürchten lehren. Ob das gelingt, hat krone.at getestet.

Die koreanischen Hersteller ziehen ihre Smartphones heuer in die Länge: Sowohl LG als auch Samsung statten ihre neue Oberklasse mit schmalen und langen Displays aus. Gegenüber konventionellen Smartphone-Displays im auch bei TV-Geräten verbreiteten 16:9-Bildformat bedeutet das mehr Platz in der Vertikale bei etwas schmaleren Abmessungen.

Neues Bildformat hat Vorteile und Tücken
Lässt man dann noch den Bildschirmrand quasi weg, hat man bemerkenswert viel Display in einem handlich-schmalen Gerät. Ein schlauer Gedanke, der aber auch ein paar Tücken birgt. Nicht jede App konnte zum Start des S8 mit 18,5:9 umgehen, selbst manch populäre Anwendung wie der Firefox-Browser nutzte den gewonnenen Platz schlicht für schwarze Balken. Kinderkrankheiten, die Samsung aber bereits per Update ausgebessert hat.

Vor allem beim Lesen freut man sich bei länglicheren Displays über ein paar Zeilen mehr Text, bei Videos im 16:9-Format profitiert man weniger. Beim Handling bemerkt man den etwas nach oben versetzten Schwerpunkt.

Bevor wir uns näher mit Display und Software-Besonderheiten befassen, wenden wir uns zunächst der Ausstattung des Samsung Galaxy S8 und seines Schwestermodells S8+ zu:

Samsung Galaxy S8 (+)

CPU

Samsung Exynos 9 Octa: 4 x 2,3 + 4 x 1,6 GHz

RAM

4 GB DDR4

Diagonale

S8: 5,8 Zoll (AMOLED/HDR)
S8+: 6,4 Zoll (AMOLED/HDR)

Auflösung

2960 x 1440 Pixel

Speicher

64 GB

microSD-Slot

bis zu 256 GB

Hauptkamera

12 Megapixel (F/1.7); Optische Bildstabilisierung; Phase-Detection-Autofokus; LED-Blitz

Frontkamera

8 Megapixel (F/1.7)

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, Galileo, BeiDou

Maße

S8: 148,9 x 68,1 x 8 mm; 155 Gramm
S8+: 159,5 x 73,4 x 8,1 mm; 173 Gramm

Akku

S8: 3000 mAh
S8+: 3500 mAh

Extras

Fingerabdruckscanner
Wasserfestes Glas/Metall-Chassis (IP68)
Pulsmesser
Iris-Scanner
Kabelloses und Schnell-Aufladen
Optional: Desktop-Dock "DeX", VR-Brille Gear VR

Software

Android 7 mit Samsung-UI und "Bixby"

Preis

S8: 800 Euro
S8+: 900 Euro

Die Leistungstabelle lässt keinen Zweifel: Samsung hat seinem Flaggschiff die feinste Technik spendiert, die der Markt hergibt. Vor allem der hauseigene Exynos-9-Prozessor ist eine Wucht und erzielt im Benchmark-Vergleichstest AnTuTu mit einer Bewertung jenseits der 170.000 Punkte höhere Ergebnisse als so gut wie alle anderen Smartphones. Zum Vergleich: Das sind noch einmal gut 40.000 Zähler mehr als im auch nach heutigen Maßstäben immer noch schnellen Vorgängergerät.

In der Praxis merkt man die Anwesenheit des Top-Prozessors kaum, weil man ihn bei normaler Nutzung - Surfen, Fotografieren, Mailen, Filmen, Apps nutzen - nicht ausreizen kann. Wirkliche Vorteile bringt der Exynos 9 nur Gamern und Besitzern einer VR-Brille, die 3D-Grafik in hoher Auflösung nutzen. Alle anderen werden kaum einen Unterschied zum Galaxy S7 oder S6 bemerken.

Tolles AMOLED-Display, schärfere VR-Ausflüge
Für den Einsatz in einer VR-Brille spricht neben dem flotten Hauptprozessor auch das exzellente Display im Galaxy S8. Mit 2960 mal 1440 Pixeln ist es schärfer, als es das menschliche Auge wahrnehmen könnte, dürfte bei der Nutzung in Samsungs Gear-VR-Brille aber für ein schärferes Bild als früher sorgen. Die Always-on-Funktion zur permanenten Uhrzeitanzeige ist nach wie vor praktisch.

Die gute seitliche Ablesbarkeit überzeugt ebenso wie der hohe Kontrast und die satte Farbdarstellung, auch die maximale Helligkeit erfreut das Auge. Die hohe Schärfe fordert aber auch ihren Tribut in Form von Akkulaufzeit. Das weiß Samsung und betreibt das Display standardmäßig in einer etwas in die Länge gezogenen Full-HD-Auflösung, die Maximalauflösung muss der Nutzer manuell anschalten.

Neues Seitenverhältnis hat Vor- und Nachteile
Dass das Display nahezu ohne Rahmen und im schmaleren Seitenverhältnis daherkommt, sorgt für ein trotz 5,8 bzw. 6,4 Zoll Diagonale recht kompaktes Gerät. Das kleinere S8 ist schmaler als manch Fünf-Zöller. Das 6,4 Zoll große S8+ ist ebenfalls nicht breiter als Rivalen mit fünf bis 5,5 Zoll Diagonale, also vergleichsweise handlich, wenn auch recht lang. In puncto Handling profitiert das S8 insgesamt aber durchaus vom neuen Bildformat - wenngleich der Schwerpunkt etwas nach oben wandert.

Edge-Displays sind nicht für jeden User sinnvoll
Eine andere Besonderheit des Displays, die nicht jedermann lieben wird, ist das über die Gerätekante gezogene Display. Baute Samsung solche Displays bisher in die teureren "Edge"-Varianten seiner Top-Smartphones ein, sind sie im Galaxy S8 nun Standard. Ihr Mehrwert hält sich abseits der coolen Optik und einiger Randdisplay-Gimmicks wie einer Schnellwahl-, einer Screenshot- und einer App-Start-Funktion sowie einem Benachrichtigungs-Leuchtstreifen aber in Grenzen.

Überdies sind die durch das Edge-Display sehr schmalen Gehäusekanten am Rand dem Handling des gesamten Geräts nicht unbedingt zuträglich. Ein - womöglich etwas billigeres - Modell mit planem Display hätte da aus unserer Sicht als Alternative für alle, die kein Edge-Display brauchen, nicht geschadet.

Exzellente Kamera - auch im Zwielicht
Über jeden Zweifel erhaben ist die 12-Megapixel-Kamera des S8. Sie steht nicht mehr aus dem Gehäuse hervor wie beim Vorgänger, ist aber weiterhin so schnell und lichtstark. Durch die F/1.7-Blende bei Haupt- und Frontkamera gelingen selbst in dunkleren Räumen noch scharfe, rauscharme und detailreiche Bilder.

Der Autofokus arbeitet ausnehmend ft zuverlässig. Alles in allem hat Samsung in seinem Galaxy S8(+) eine der aktuell wohl besten Smartphone-Kameras eingebaut.

Der positive Eindruck setzt sich bei Tageslichtaufnahmen fort und endet auch bei der 8-Megapixel-Frontkamera nicht, die das Galaxy S8 zu einem tauglichen Disco-Selfie-Gerät macht. 4K-Videos sind ebenfalls möglich - mit maximal 30 Bildern pro Sekunde, Full-HD klappt auch mit 60.

Die Kamera-App ist aufgeräumt und hat nette Features wie Augmented-Reality-Masken, allerlei Fotofilter und einen Profi-Modus eingebaut. Bei genauerer Betrachtung fällt überdies ein Button auf, der sofort auf die größte softwareseitige Neuerung am S8 hinweist: Bixby.

Bixby hat eigene Taste, kann aber nicht Deutsch
Samsungs KI-Assistent soll beim Galaxy S8 so viel Mehrwert bieten, dass die Koreaner ihn nicht nur in die Kamera eingebaut, sondern ihm sogar eine eigene Hardware-Taste unterhalb der Lautstärkewippe spendiert haben. Das Problem: Bixby ist noch nicht fertig.

Bis der Sprachassistent auf Deutsch zur Verfügung steht, wird es noch bis Jahresende dauern. Die Zahl der momentan unterstützten Apps ist überschaubar. Neben ein paar Musik-, Notiz- und Streamingdiensten unterstützen im Prinzip nur Samsungs hauseigene und mit dem S8 mitgelieferte Apps den Assistenten.

Wer lieber Googles Gmail- oder Kalender-App statt der Samsung-Alternative nutzt, wird mit Bixby nicht viel Freude haben und kann auch bei Google Now bleiben.

Bixby wird man kaum mehr los
Schade ist, dass man den Samsung-Assistenten kaum loswird. Konnte man die Bixby-Taste am Gehäuse noch bis vor kurzem mit Zusatz-Apps dazu bringen, statt Bixby andere Apps oder etwa den Rivalen Google Now zu starten, hat Samsung diese Möglichkeit per Update entfernt. Macht ein wenig den Eindruck, als wollte man unbedingt an die Daten der User.

Wie gut Samsungs KI-Assistent wirklich ist, muss sich zwar ohnehin erst zeigen, wenn er Ende des Jahres fertig ist. Wir könnten uns aber gut vorstellen, dass nicht jeder S8-User Freude damit hat, wenn er alle möglichen Konten mit Bixby verknüpfen muss. Und wer sich im Bixby-Verzicht üben will, wird wiederum keinen Hardware-Button dafür brauchen.

Fingerabdruckscanner ungünstig platziert
Ebenfalls nicht ganz durchdacht: Der Fingerscanner, der beim Galaxy S7 noch gut auffindbar an der Gerätevorderseite seinen Dienst getan hat, ist beim S8 an die Rückseite gewandert. Das ist prinzipiell nicht schlecht, immerhin haben diesen Umzug auch andere Hersteller mit Erfolg gewagt.

Samsung hat den Fingerscanner aber leider einerseits sehr schmal gemacht, andererseits hat man ihn auch noch ungünstig gleich neben Kamera und Pulsmesser platziert und haptisch kaum vom Gehäuse hervorgehoben. Die Folge: Er ist schwer auffindbar und entsperrt das Gerät nicht zuverlässig. Das ging beim S7 noch besser.

Flut nicht zwangsläufig sinnvoller Extras
Apropos Fingerscanner und Pulsmesser: Wie schon die Vorgängergeräte kommt das Galaxy S8 mit einer Vielzahl von Extras, lässt sich sogar per Netzhautscan oder Gesichtsscan entsperren. Wie viel davon man tatsächlich braucht, muss allerdings jeder User selbst entscheiden.

Das Gerät beim Entsperren vors Auge zu halten, mutet auf der Straße womöglich seltsam an. Die Gesichtserkennung kann man mit einem Foto überlisten. Und der Pulsmesser liefert eher Richtwerte denn zuverlässige Ergebnisse und dürfte ohnedies nur für ein Nischenpublikum interessant sein.

Selbiges gilt für manch optionales Zubehör wie das Desktop-Dock "DeX", mit dem sich das S8 mit Tastatur und Display verbinden und als Android-PC mit überschaubarer App-Auswahl nutzen lässt. Da hat man am Ende fast ein wenig den Eindruck, hier wurden manche Extras um der Extras willen entwickelt.

Das ist schade, weil das Galaxy S8 eigentlich gar nicht so viele Gadgets bräuchte, um ein gutes Smartphone zu sein. Die Hardware an sich stimmt, das Handling profitiert vom neuen Bildformat. Und in puncto Verarbeitung braucht man sich mit dem Metallrahmen und dem Glas-Finish auch nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Das Gerät wirkt solide und hinreichend steif, Anlass zur Kritik böte höchstens das arg fingerabdruckanfällige Material.

Solide Laufzeit, Android mit viel Samsung-Software
In puncto Akkulaufzeit hinterlässt das Galaxy S8 einen guten Eindruck. Im Test kamen wir sowohl mit dem S8, als auch dem etwas größeren S8+ bei intensiver Nutzung und in nativer Bildschirmauflösung durch den Tag.

Nächtliches Aufladen bleibt bei intensiver Nutzung aber nicht erspart, zwei Tage Betrieb holen nur sparsame Naturen unter Zuhilfenahme der Energiesparfunktionen aus dem Akku. Der Kapazitätsvorteil des größeren S8+ verleiht ihm in puncto Laufzeit bestenfalls einen kleinen Vorteil, der Großteil des Mehrstroms fließt in das größere Display.

Bei der Software kocht Samsung nicht nur mit Bixby, sondern auch mit seiner UI-Interpretation sein eigenes Süppchen. Optisch durchaus ansprechend und sogar mit einem App-Menü angereichert, hat uns an der Software vor allem die Vielfalt vorinstallierter Samsung-Software irritiert.

Vieles ist doppelt am Gerät - vom Samsung-Browser und Chrome über Samsungs Mail-App und Gmail, bis hin zum hauseigenen App Store und Googles Play Store. Deinstallieren oder zumindest deaktivieren kann man die wenigsten dieser Samsung-Apps.

Fazit: Samsung zeigt mit dem Galaxy S8(+) abermals seine Dominanz in Hardware-Fragen. Prozessor, Kamera, Display: Das Galaxy S8 ist pfeilschnell und stellt bei der Hardware gleich in mehreren Kategorien die neue Android-Referenz. Da ist es schade, dass manches nicht so durchdacht wirkt. Das Bildformat macht das Gerät gemeinsam mit dem dünnen Rahmen handlicher. Der Fingerscanner ist aber unzuverlässiger als früher. Und der KI-Assistent mit nicht programmierbarer Hardware-Taste ist noch gar nicht fertig.

Manches davon - etwa die Bixby-Taste - lässt sich sicherlich mit Updates in den Griff bekommen. Zum Start gibt es beim S8 und S8+ aber leider noch einige Baustellen, die es bei einem 800-Euro-Smartphone nicht geben sollte.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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