27.04.2017 22:07 |

K(l)einer für alle

Mini JCW Clubman: Spaßpoppen vs. Nervquietschen

Auf der einen Seite ist "John Cooper Works" ein Garant für ernsthaft verspielte Sportlichkeit bei Mini, auf der anderen Seite entwickelt sich die britisch-bayerische Marke in Richtung Massentauglichkeit. Möglichst viele erreichen, dabei möglichst wenig Ecken und Kanten zeigen, ist dabei offenbar die Devise. In diesem Spannungsfeld ist der Mini JCW Clubman entstanden, der Lifestyle-Ladelaster mit viel Platz für Strafmandate.

Natürlich sieht man ihm an, dass er der böse große Bruder der noch immer ganz schön zahlreichen Mini-Meute ist (auch wenn die Optik auch für die anderen zu bekommen ist). Schwarze Schminke rundum, fette Lufteinlässe vorne, denen sogar die Nebelscheinwerfer in der Aufpreisliste zum Opfer gefallen sind, serienmäßige LED-Scheinwerfer, dazu die ebenso obligatorischen wie unmissverständlichen "John Cooper Works"-Embleme mit dem gestreiften Surfbrett allüberall - alles schreit "Ich bin der Stärkste!" Dazu ist er derzeit auch der Größte unter den John-Cooper-Workern. Mit 4,25 m Länge fehlt nur noch ein Hauch zum SUV Countryman.

Er ist also erwachsen geworden, was dem Ganzen einen etwas berufsjugendlichen Touch verleiht. Aber gut, manchen in die Jahre gekommenen jungen Männern steht es, die übriggebliebenen Haare länger als den hippen Vollbart zu tragen, barfuß in den Sneakern zu stehen und das Hemd bis zum Bauchnabel offen zu haben. Und gegen 231 PS sowie 350 Nm, die schon ab 1450/min. anreißen, kann niemand etwas haben. Fast schon schade, dass serienmäßig Allradantrieb an Bord ist, wodurch eben nicht bei jedem Ampelstart die Vorderräder quietschen.

John Cooper nervt - und poppt
Das Quietschen übernimmt das Bremspedal. Nein, nicht die Bremsen, die haben ja ABS - es ist das Pedal selbst, dessen Gummi unter den Sneakers-Sohlen nervt. Also besser Stop-and-go-Verkehr meiden und auf die Landstraße rausfahren, Sportmodus rein, Beifahrer raus, Fuß aufs Gas. Schließlich ist es die Bestimmung eines jeden Minis, um Kurven zu heizen, und da wird unbedarften Mitfahrern und -innen gerne schlecht. Hier macht Poppen allein sowieso am meisten Spaß (ich meine das, was der sounddesignte Motor samt Klappenauspuff von sich gibt), weil vom Beifahrersitz kein Kopfschütteln kommt.

Es kann passieren, dass man auf die Art öfter mal zu schnell unterwegs ist, denn das Fahrerlebnis ist nur noch eine Erinnerung daran, was es bedeutet hat, einem JCW-Mini die Sporen zu geben. Die Lenkung ist sehr okay, aber gefühlloser als alle, die bisher unter diesem Beinamen verkauft wurden, das Fahrwerk ist zwar hart, aber dennoch ein wenig lenorig und die Brembo-Bremsen könnten mehr Biss vertragen. Für den erhofften Kick muss man folglich umso mehr aufs Gas steigen und umso höhere Kurvengeschwindigkeiten erzielen, man will ja was spüren. Nun gut, in den Kofferraum passen 360 bis 1.250 Liter Strafmandate, das ist Kompaktwagenformat.

Das Sound-Paradoxon
Absurd wird es, wenn man den Fahrmodus "Green", also öko einstellt. Klar, dann ist die Gaskennlinie flacher, die Lenkung indirekter und alles, was so dazugehört. Nur auf den Motorsound dürfte dabei niemand geachtet haben - der wird jetzt nämlich zweistimmig. In keinem anderen Fahrmodus hört man so deutlich, dass der Klang aus den Lautsprechern der Stereoanlage kommt. Freunde, könnt ihr das im Green-Modus nicht einfach abschalten?!

Aber: Ja, das ist trotz allem richtig sportlich!
Klingt alles eher kritisch? Mag sein, aber der Mini JCW ist dennoch ein Spaßbringer. Trotz beachtlichen 1,5 Tonnen Leergewicht geht das richtig gut, alle viere krallen sich in den Boden, es presst die Insassen in die Sitze, nach 6,3 Sekunden zeigt das Head-up-Plexiglas Tempo 100, die Jagd geht weiter bis 238 km/h und das Fahrverhalten hat nichts von einem Kleinwagen. Die Achtgangautomatik arbeitet erstklassig, mit den Schaltpaddles lassen sich die Gänge manuell reinflippern und wem das zu unpersönlich ist, der nimmt einfach das serienmäßige manuelle Sechsganggetriebe, wie es sich in einem Mini gehört. Das Gute daran, dass es hier nicht mehr so wild zugeht wie früher, ist, dass das kleine Geschoss wirklich leicht zu fahren ist.

Wer das ESP anlässt, ist auf der sicheren Seite, auf Knopfdruck lässt es mehr zu, ganz abschaltbar ist es auch. Wer wirklich schnell unterwegs ist, wird sich eine Gang-Anzeige im Head-up-Display wünschen, außerdem einen besser ablesbaren Drehzahlmesser. Überhaupt sollte in einem Sportwagen mittig der Drehzahlmesser statt des Tachos platziert sein, insbesondere da ja das Tempo zusätzlich digital angezeigt wird, sowohl im Display wie auch im HUD.

Beim Verbrauch muss man mit zehn Litern rechnen, die 6,8 l/100 km sind sehr theoretisch. Andererseits kann man ja als starker Charakter auch einfach so dahinrollen. Dann stört es auch nicht, dass der Radartempomat nur bis 140 km/h funktioniert, und die Verbrauchswerte bleiben einstellig.

Unterm Strich
Ja, er ist lustig, der Mini-Kombi. Die beiden Hecktüren sind charmant und lassen sich optional elektrisch (per Fußkick!) bedienen, das Design macht ihm kein anderes Fabrikat nach und schnell ist er auch. 39.900 Euro sind ein Anfang, der im Fall des Testwagens bei 53.000 Euro endete, inklusive jeder Menge Extras von der Klimaautomatik über das Navi bis zur Automatik. Eines kann aber keine noch so coole Alufelge und keine noch so abgefahrene Lackierung: Nichts macht den Fahrer jünger, als er ist.

Warum?

  • Weil er echt einzigartig ist.
  • Weil er zwar ein paar Hardcorer verschreckt, aber dafür mit Platz und Praktischsein viele erreicht.

Warum nicht?

  • Weil man sich nicht überlegen darf, wie viel Geld man hier für einen Kleinwagen zahlt.

Oder vielleicht …

… Seat Leon Cupra, wenn man Richtung Allrad-Kombi denkt. Aber eigentlich - siehe "Warum?"

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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