Mo, 23. Juli 2018

Golfisch

23.01.2017 12:17

Hyundai i30: Nimmt es der Neue mit den Besten auf?

Unauffällig tritt er an, der neue Hyundai i30, beinahe unscheinbar. Schluss mit kantiger Asia-Optik, die Koreaner wollen künftig als Europäer wahrgenommen werden; schließlich wurde der Kompakte in Deutschland entwickelt und läuft in Tschechien vom Band. Sein Design ist ganz klar golfisch - die Frage ist nur: Kann er sich wirklich mit VWs Klassenprimus messen?

Nur zur Beruhigung: Seoul strebt keine Beitrittsverhandlungen mit der EU an und Hyundai will sich auch nicht als 13. Marke dem VW-Konzern anschließen, aber bei der Präsentation in Südspanien konnte man den Eindruck gewinnen, Korea sei ein deutsches Bundesland und der Regierungssitz liege am Nürburgring.

Ebendort unterhalten die Koreaner seit 2013 ein Testzentrum, was man dem neuen Hyundai i30 auch anmerkt. So gut und im besten Sinne europäisch hat sich bisher noch kein Hyundai gefahren. Das Lenkgefühl ist hervorragend, das Fahrwerk zwar komfortabel ausgelegt, aber ganz und gar nicht schwammig, sondern rundum stimmig. Alle Versionen setzen hinten auf eine Mehrlenker- statt der verbreiteten Verbundlenkerachse. Auf der gewundenen Bergstraße zwischen Marbella und Ronda kam richtig Spaß auf.

Der wird einem auch nicht durch die Fahrzeugbedienung verdorben. Hyundai folgt nicht dem allgegenwärtigen Trend, alle Funktionen in einen Touchscreen zu packen, sondern scheut sich nicht, diesen durch klassische Bedieneinheiten für Klimaanlage & Co sowie echte Tasten rundherum zu unterstützen. Dazu gibt es einen echten Volume-Drehregler sowie einen weiteren, um auf Navigationskarten zu zoomen. VW-Spielereien wie Bildschirmelemente, die erst erscheinen, wenn sich die Hand nähert, gibt es nicht, dafür große Touch-Kacheln, die auch während der Fahrt gut zu treffen sind. Viel intuitiver geht es kaum.

Auch in Sachen Konnektivität lässt sich Hyundai nichts nachsagen: Apple CarPlay, Android Auto und induktives Smartphone-Laden - alles erhältlich. Live-Services wie Stau- und Radarmeldungen, Wetter usw. sind für sieben Jahre kostenlos, ebenso regelmäßige Navi-Updates - die sogar für immer.

Klar gestalteter Innenraum ohne Luxusambitionen
Lassen wir den Blick schweifen. Im Innenraum kommen keine großen Emotionen auf - was das betrifft, hat man sich offenbar an den Wolfsburger Massenmarken orientiert. Die nicht hässlichen, aber harten Plastikflächen erinnern dabei eher an Seat als an Volkswagen, schon gar nicht an Audi, aber mit zwei Kunststofffarben versucht der Koreuropäer schon zu gefallen. Ergonomisch gibt es ohnehin nichts auszusetzen. Zwei Becherhalter, hinter einer Klappe ein großes Fach samt Anschlüssen, und in die Türfächer passen auch große PETs.

Die Sitzposition vorne ist luftig und angenehm, allerdings dürfte die Mittelkonsole da, wo das Fahrerknie anliegt, weicher und weniger kantig sein. Vor allem aber ist die Mittelarmlehne zu kurz, man kann sie nur bei der Topausstattung verschieben. Auf der Rückbank geht es für Menschen ab 1,80 m eng zu, es mangelt an Kniefreiheit. Das ist umso erstaunlicher, als der neue i30 mit 4,34 Meter vier Zentimeter länger ist als sein Vorgänger und fast zehn Zentimeter länger als der Konkurrent im Zielvisier, der VW Golf. Über zu geringe Kopffreiheit muss man sich aber nicht beklagen.

Zu den Großen der Klasse gehört der Kofferraum, 395 Liter passen nun hinein. Mit umgelegten Rücksitzlehnen ergibt sich eine zu den Vordersitzen hin ansteigende Fläche für 1301 Liter Gepäck.

Neue Motoren für den i30
Neuzugang unter der Haube ist der völlig neu entwickelte Top-Vierzylinder-Benziner, der jetzt 140 PS leistet und seinen Vorgänger vor allem mit 242 Nm ab 1500/min. (50% mehr!) alt aussehen lässt. Er hängt gut am Gas und beschleunigt den i30 in 8,9 Sekunden auf 100 km/h. Ebenfalls neu im i30 ist der 998-cm³-Dreizylinder-Ottomotor aus dem i20. Angesichts leichter Brustschwäche merkt man ihm seine 120 PS nicht an, aber auch seine Zylinderzahl weiß er meist sehr gut zu verbergen; bei höheren Drehzahlen hält genug Dämmmaterial das typische Röhren im Hintergrund.

Alle erhältlichen Dieselmotoren weisen jetzt 1,6 Liter Hubraum auf, sie leisten wahlweise 95, 110 oder 136 PS; für alle drei gilt ein maximales Drehmoment von 280 Nm bei 1500/min. Den stärksten fuhren wir mit dem blitzsauberen, hauseigenen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe - eine sehr empfehlenswerte Kombination. Der Zweiliter-Diesel mit den schlechten Trinksitten wurde ausrangiert, die neuen weisen einen Normverbrauch zwischen 3,6 und 3,9 l/100 km auf.

Moderne Assistenten, viele serienmäßig
Aktiver Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, Lichtsensor mit Fernlichtassistent, Berganfahrhilfe, Tempomat und City-Notbremsfunktion sind serienmäßig. Ebenso die Stopp-Start-Automatik. Darüber hinaus reicht die Palette moderner Assistenten von der radarbasierten Fußgängererkennung über Totwinkelwarner und Querverkehrssensor bis zur Tempolimiterkennung und dem Adaptivtempomaten, der bis zum Stillstand regelt und auch selbsttätig wieder anfahren kann.

Hyundai i30 - die Preise
Die Preisliste für den Hyundai i30 beginnt bei 17.990 Euro für den "Pure" mit 100-PS-Vierzylinder-Benziner, der Einstiegsdiesel kostet 2000 Euro mehr. Den Dreizylinder-Benziner gibt es erst ab "Comfort" und wer den starken Benziner will, muss 23.990 Euro für die empfehlenswerte Ausstattungsstufe drei (Premium) ausgeben. Ganz oben steht "Style" für weitere 4000 Euro Aufpreis, da ist dann alles von 17-Zöllern über LED-Scheinwerfer/-Heckleuchten bis zu den Assistenten dabei. Automatik kostet grundsätzlich 2000 Euro.

Bemerkenswert sind die fünf Jahre Garantie - ohne Kilometerbegrenzung.

Da kommt noch ein echter Sportler
Mit bisher 800.000 verkauften Einheiten (seit 2007) ist der Hyundai i30 schon bisher das wichtigste Pferd im Stall der Koreaner. Mit der aktuellen, dritten Generation als "Mutterschiff", wie sie sagen, wollen sie in wenigen Jahren die stärksten Asiaten in Europa sein. Dazu bauen sie den i30 zur Familie aus. Zunächst kommt ein Kombi, Anfang 2018 ein Fastback - und dazwischen starten sie ihre Submarke "N" mit einer Sportversion des i30, die mindestens 270 PS leisten soll. Angesichts der Erfahrungen mit Standard-Lenkung und -Fahrwerk ist das eine sehr vielversprechende Aussicht. Auch wenn der Turnschuh-i30 bei Weitem nicht so heiß aussehen wird wie die Studie, die auf dem Pariser Autosalon zu sehen war.

Unterm Strich
Der neue Hyundai i30 fährt auf hohem europäischem Niveau. Sein Design nimmt Anleihen bei VW Golf (vor allem hinten), Ford und Audi (vorn), sein Bedienkonzept orientiert sich an der Praxis, was er vielen Konkurrenten voraushat. Der Preis ist zwar höher als bisher, aber noch immer günstig. Mit dieser Kombination wird der golfische Kompaktklassler zwar nicht die Golf-Klasse zur i30-Klasse machen, aber zum Goldfisch für Hyundai wird er wohl werden.

Warum?

  • Sehr gutes Fahrverhalten
  • Intuitive Bedienung mit genügend echten Tasten

Warum nicht?

  • Stärkere Motoren fehlen.
  • Gute Dämmung, aber etwas laute Laufgeräusche, die sich über die Karosserie übertragen

Oder vielleicht …

… auf den Sportler warten. Ansonsten bietet die Kompaktklasse unzählige Alternativen von Renault Mégane über Mazda3 und Opel Astra bis Seat Leon und VW Golf.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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