Mehr Abschreckung
USA prüfen offenbar neue Atomstandorte in Europa
Während in Europa zuletzt über die Zukunft des amerikanischen Militärengagements diskutiert wurde, deutet sich nun eine überraschende Entwicklung an. Die USA sollen erwägen, Atomwaffen in weiteren europäischen Ländern zu stationieren. Interesse daran kommt laut einem Medienbericht vor allem aus Osteuropa.
Wie die „Financial Times“ am Dienstag berichtete, denken die USA über die Stationierung von Atomwaffen in zusätzlichen europäischen Ländern nach. US-Vertreter hätten signalisiert, dass die Regierung in Washington grundsätzlich offen für weitere Stationierungen sei – über jene Staaten hinaus, in denen bereits heute atomwaffenfähige Kampfflugzeuge stationiert sind.
Interesse aus Osteuropa
Dem Bericht zufolge könnten künftig mehr NATO-Staaten sogenannte Dual-Capable Aircraft (DCA) beschaffen. Dabei handelt es sich um Kampfflugzeuge, die sowohl konventionelle als auch nukleare Waffen einsetzen können.
Laut der Zeitung haben Länder an der NATO-Ostflanke, darunter Polen sowie einige baltische Staaten, Interesse an möglichen DCA-Basen signalisiert. Die Gespräche darüber würden innerhalb der NATO fortgesetzt. Mit einer raschen Einigung sei jedoch nicht zu rechnen.
Keine offizielle Bestätigung
Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Angaben zunächst nicht unabhängig bestätigen. Weder das US-Präsidialamt noch das Verteidigungsministerium in Washington oder die NATO reagierten zunächst auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Die möglichen Überlegungen werden von Beobachtern auch als politisches Signal gewertet. Nach den jüngsten Diskussionen über einen möglichen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa könnte eine Ausweitung der nuklearen Teilhabe als Zeichen verstanden werden, dass die USA weiterhin bereit sind, ihre NATO-Verbündeten zu schützen.
Derzeit fünf Teilnehmerstaaten
Aktuell beteiligen sich Deutschland, Belgien, Italien, die Niederlande und die Türkei an der sogenannten nuklearen Teilhabe der NATO. Sie halten Flugzeuge bereit, die im Ernstfall US-Atomwaffen ins Ziel bringen könnten.
Der Bericht verweist zudem auf einen wirtschaftlichen Aspekt dieses Systems: Für diese Aufgabe werden bislang ausschließlich US-Kampfflugzeuge zugelassen, die in den Vereinigten Staaten bestellt werden.
Pentagon bekräftigt Schutzversprechen
Der Leiter der Abteilung für politische Angelegenheiten im Pentagon, Elbridge Colby, hatte zuvor öffentlich erklärt, dass die Vereinigten Staaten ihre Atomwaffen weiterhin zum Schutz der NATO-Mitglieder einsetzen würden. Dies gelte auch dann, wenn die europäischen Verbündeten künftig eine größere Rolle bei den konventionellen Streitkräften übernehmen sollten.









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