Sa, 21. Juli 2018

Luxus & Rekord-Motor

02.11.2016 14:32

BMW 750d mit Superdiesel: Pressen bis zum Rausch

Um das Beste aus Weintrauben herauszuholen, braucht es eine Presse. Ersetze "Trauben" durch "Diesel", dann ist der neueste BMW-Motor ein mehr als brauchbares Mittel: Im Dreiliter-Reihen-Sechszylinder des BMW 750d xDrive sorgen sage und schreibe vier Turbolader für Verdichtung. Unterm Strich stehen 400 PS - mehr, als jeder andere Motor dieser Kategorie abliefert.

Damit lässt sich natürlich ganz hervorragend durch die Lande pressen. Turboloch? Pff! Druck ist immer vorhanden, bei 1000/min. liegen bereits 450 Nm an, das Maximum ist mit 760 Nm ab 2000/min. erreicht. Eigentlich könnte der Motor sogar noch mehr, aber das würde den Antriebsstrang zu sehr unter Druck setzen. Wäre doch schade, wenn der feinen Achtgangautomatik etwas passiert.

Doch auch so ist der Sprintwert des 1940-kg-Allradlers beeindruckend: von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden. Seinen Vorgänger distanziert der neue BMW 750d in dieser Zeit um zwei Fahrzeuglängen. Das Ganze passiert in (h)eiliger Ruhe und Gelassenheit. Wenn nur alle Diesel so geschmeidig klingen würden!

Der Normverbrauch lässt Sparfüchse und Umweltengel jubilieren: Knapp acht Norm-Bouteillen stehen im Datenblatt, genau gesagt 5,9 l/100 km. In der Praxis zeigt der Bordcomputer aber auf jeden Fall zumindest knapp zweistellige Werte, wenn man dem Wagen nicht Zeit gibt wie gutem Wein beim Reifen.

Zwischen Performance und Contenance
"M Performance" prangt extrovertiert fett auf der Motorabdeckung von BMWs fettester Diesel-Presse. Ansonsten würde eigentlich nichts auf die Beteiligung von BMWs Sport-Tochter M GmbH hinweisen. Wer drauf steht, ordert wie beim Testwagen das M Sportpaket. Dazu gehört die geänderte Front mit verbesserter Aerodynamik ebenso wie beleuchtete M-Einstiegsleisten oder ein kleines M am vorderen Kotflügel.

Insgesamt also alles sehr dezent, schließlich befinden wir uns hier nicht nur in der Luxusklasse, sondern sogar im Träger des Titels "World Luxury Car of the Year", den der 7er-BMW 2016 eingefahren hat.

Luxus, ach ja, Luxus wird hier groß geschrieben. Aber nicht plüschig-schaukelig, sondern mit feinem Leder, elegantem Ambiente und präziser Fahrerei. Hier gehört zum Luxus nicht schweben über weggebügelte Fahrbahnunebenheiten, sondern die Möglichkeit, aktiv unterwegs zu sein, ohne dass Lenker oder Insassen die Contenance verlieren. Komfortabel geht es dennoch zu, und wenn es richtig sportlich zugehen soll, stellt man flugs den Sportmodus ein, dann werden Lenkung und adaptive Luftfederung (Serie) noch verbindlicher. Oder, noch einfacher, man drückt den "Adaptive"-Knopf, dann passt sich das Auto von selbst dem Fahrstil an.

Luxus heißt im BMW-Flaggschiff aber auch, dass jede Menge praktische oder verspielte Elektronik serienmäßig an Bord ist oder mitbestellt werden kann. Head-up-Display ist ebenso Serie wie die Gestensteuerung, d.h. man kann ein paar Funktionen bedienen, indem man mit der Hand in der Luft herumfuchtelt. Offenbar haben sie in München auch ihre Hausaufgaben gemacht, denn die Tempolimiterkennung funktioniert so gut wie in keinem anderen BMW.

Optional kann man den Wagen starten und aus einer Parklücke herausfahren, ohne dass man drinsitzt. Der dafür notwendige Schlüssel hat beinahe die Größe eines Smartphones (kann aber nicht telefonieren) und könnte ein Revival für die Herrenhandtasche initiieren, denn in der Hosentasche wirkt er dann doch etwas, sagen wir, aufdringlich.

Unterm Strich
Der 7er-BMW ist grundsätzlich ein sportliches Luxus-Sportschiff mit einem heftigen Technik-Feuerwerk. Beim neuen 750d zeigen die Münchner jetzt erneut, dass sie Motorenkünstler sind (123.000 Euro rufen sie dafür mindestens auf, der Testwagen kommt auf über 160.000 Euro). Einen stärkeren Pkw-Diesel gibt es nur bei Audi, der hat aber zwei Zylinder mehr. In solchen Fällen wird gerne die Frage nach dem Sinn gestellt. Als Antwort ein paar Zahlen zum BMW 730d xDrive: 100.000 Euro, 265 PS, 620 Nm bei 2000/min., 0-100=5,8. Das kann einem reichen. Muss es aber nicht.

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